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Eine Bekleidungsexpertin erklärt das Fachchinesisch aus ihrem eigenen Katalog

Sprechen Sie Outdoor?

Wer sich neue Wanderbekleidung kaufen möchte, sollte möglichst einige Semester Anglistik und einen Aufbaukurs in Textiltechnologie absolviert haben. Denn die meisten Freiluftklamotten tragen so geheimnisvolle Namen wie „Venture Novelty Jacket“ (eine Regenjacke) oder „Womens Solitude Hoody“ (ein Kapuzenpulli).

Und dann erst die vielen Fachchinesisch-Begriffe zu Material und Machart! Die tz hat im Bittl-Katalog geblättert und Claudia Gerstmeyr (Foto) um Aufklärung gebeten. Die 38-Jährige ist Textileinkäuferin bei dem Münchner Sportgeschäft und erklärt hier wichtige Fachbegriffe zu Outdoor-Kleidung.

Funktionswäsche: Sportunterwäsche soll in der warmen Jahreszeit vor allem eine Funktion erfüllen: den Schweiß von der Haut abtransportieren. Sonst steht man als Bergsteiger oder Biker bald im eigenen Saft und kühlt aus, sobald man einen Luftzug abbekommt. Funktionsbekleidung wird in der Regel aus Kunstfasern wie Polyester gefertigt. Sie wiegen wenig und geben Feuchtigkeit schnell an die nächste Kleidungsschicht weiter. Wichtig: Auch die zweite Schicht muss funktionell sein, sonst unterbricht sie den Abtransport der Feuchtigkeit; Fleecepullis oder Softshelljacken erfüllen diese Aufgabe recht gut. Im Gegensatz zu Kunstfaser saugt sich Wolle mit Schweiß voll und trocknet extrem langsam; sie ist deshalb als Sportbekleidung nicht geeignet. Ausnahme: Merinowolle.

Unterwäsche aus der Wolle des Merinoschafs vermittelt den meisten Menschen ein angenehmeres Tragegefühl als Kunstfaser. Sie wärmt auch im feuchten Zustand, trocknet schneller als andere Wolle und ist deshalb ideal für nicht allzu schweißtreibende Sportarten wie Wandern. Weiterer Pluspunkt: Merinowolle stinkt nicht annähernd so schnell wie Unterwäsche aus Kunstfaser.

Polyester, Polyamid: Die zwei am häufigsten verwendeten Kunstfasern. Kein Unterschied von der Funktion, aber unterschiedlicher „Griff" – Polyester wird von vielen Menschen als seifig empfunden. Ausprobieren!

Die Technik des Body-Mappings wird vor allem bei Unterwäsche eingesetzt und bedeutet, dass an verschiedenen Körperregionen verschiedene Stoffe verarbeitet werden: besonders atmungsaktives Material an Schwitzstellen (Rücken, Achselhöhlen…), besonders wärmendes Material an kälteempfindlichen Zonen (Ellbogen, Nieren…).

Kompressionswäsche oder -Strümpfe liegen besonders eng an und sollen durch den Druck die Durchblutung der Muskeln fördern. Viele Läufer oder Radfahrer schwören darauf, sowohl während des Sports als auch bei der anschließenden Regeneration.

Mischgewebe sind Stoffe aus verschiedenen Materialen. Zum Beispiel Fjällrävens G-1000 (65 Prozent Polyester, 35 Prozent Baumwolle). Die Vorteile der Kunstfaser (Reißfestigkeit, schnelles Abtrocknen) werden mit denen der Baumwolle (angenehmes Tragegefühl) verbunden.

Elastan macht Stoffe dehnbar. Entweder in eine Richtung („monoelastisch") oder in beide („bielastisch").

Ripstop-Gewebe (von Englisch „to rip" für „reißen") wird hauptsächlich in Jacken und Rucksäcken verarbeitet, um Leichtgewebe robuster zu machen. Sieht aus wie ein eingearbeitetes feines Netz und stoppt einen Riss an der nächsten Naht.

UPF: Abkürzung für Englisch „Ultraviolet Protection Factor". Bei Kleidung mit integriertem Sonnenschutz gibt er den Lichtschutzfaktor an, analog zu dem von Sonnencremes für die Haut. Der UV-Schutz von Kleidung wäscht sich nach etwa 50 Wäschen raus, lässt sich aber mit Sprays wieder auffrischen.

Fleece, zu Deutsch Faserpelz: Das flauschige Material schließt kleine Luftpolster ein, die eine gute Wärmeisolation erzeugen. Gleichzeitig transportiert die Kunstfaser Feuchtigkeit vom Körper weg. Microfleece ist besonders feinflauschig.

Antismell: In einigen Hemden werden Bambusfasern oder Silberfäden eingearbeitet, um den Schweißgeruch zu hemmen. Funktioniert recht gut.

Power- oder Tecnostretch: Ein voll elastisches Polyestermaterial, das innen wie ein feiner Fleece aufgeraut ist. Für bewegungsintensive Sportarten hervorragend geeignet, denn Powerstrecht wärmt, transportiert Feuchtigkeit nach außen und bietet dank seiner engmaschigen Außenseite guten Windschutz. Sowohl als äußerste Schicht bei gutem Wetter als auch als Mittelschicht unter der Regenjacke tragbar. Muss eng anliegen!

Softshell: Jacken oder Hosen aus Softshell-Material sind atmungsaktiv, winddicht und elastisch, aber nicht komplett wasserdicht. Sie halten Nieselregen ab, haben jedoch keine wasserdichten Nähte.

Hardshell: Im Gegensatz zu Softshells sind Hardshells vollständig wasserdicht. Hochwertige Hardshell-Jacken oder -Hosen haben eine Membran, zum Beispiel Gore Tex Pro Shell (siehe Illustration). Die Poren der Membran sind zu klein, als dass Wassertropfen eindringen könnten, aber groß genug, um Dampfmoleküle von innen nach außen gelangen zu lassen; dadurch sind Hard-Shell-Membranen atmungsaktiv, was jedoch bei hoher Außentemperatur oder Luftfeuchtigkeit an seine Grenzen gerät. Neben Gore Tex gibt es gleichwertige Membranen anderer Hersteller, z. B. HyVent (The North Face) oder Event (u. a. Vaude).

Beschichtung: Vor allem billige Hardshells haben anstatt einer Membran eine Beschichtung. Hier wird eine wasserdichte Schicht auf den Stoff aufgesprüht. Nachteile: kaum atmungsaktiv, Beschichtungen waschen sich raus.

Wassersäule: Gibt an, welchem Wasserdruck eine Membran standhält. Ein Wert von 20 000 bedeutet, dass die Membran 20 Liter Wasser pro Quadratmeter abwehrt. Regenjacken für die Berge sollten mindestens eine 10000er-Wassersäule haben.

Atmungsaktivität: Auch für die Dampfdurchlässigkeit von Textilien gibt es einen Richtwert gemäß einer standardisierten Messmethode. Ein Wert von 20 besagt, dass in 24 Stunden 20 Liter pro Quadratmeter durchdampfen können.

Lagen: Eine 3-lagige Hardshell besteht aus einem Oberstoff, der Membran und einem dünnen Innengewebe (Gaze). 2,5-Lagen-Jacken haben innen statt der Gaze lediglich eine aufgesprühte Schutzschicht; sie fühlt sich auf der Haut wie Gummi an, spart jedoch Gewicht. 2-Lagen-Jacken haben unter dem Oberstoff und der Membran ein separat eingenähtes Innenfutter zum Beispiel aus Netzmaterial (Mesh).

Windstopper: Eine von Gore entwickelte Membran, die absolut winddicht und trotzdem recht atmungsaktiv ist. Daneben gibt es Textilien, die je nach Dichte ihres Gewebes zum Beispiel nu1r 80 Prozent des Winds abhalten („Windproof 80") und entsprechend atmungsaktiver sind.

Print: Aufgedruckte Verstärkungen vor allem an den Schultern, um das Material vor Abrieb etwa durch Rucksackriemen zu schützen.

Cordura: Sehr robustes Gewebe. Wird zum Beispiel an den Ellbogen eingenäht, um Abrieb zu verhindern.

Napoleontasche: Tasche auf Bauch- oder Brusthöhe. Sie ermöglicht den Zugriff auch bei angelegtem Klettergurt oder Rucksack. So drücken der Gurt oder Rucksackriemen auch nicht auf den Reißverschluss. Der Name stammt von dem französischen Feldherrn, der seine rechte Hand gerne vorne in sein Gewand steckte.

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