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Herrliche Tiefblicke zum Schliersee und weit ins Alpenvorland bieten sich vom 1746 Meter hohen Jägerkamp hoch überm Spitzingsee.

Spritztour

Zum Jägerkamp: Aufstieg in alte Zeiten

Grandiose Aussichten, duftende Almwiesen und eine Ruhe, die man nur abseits üblicher Wanderwege genießen kann, machen die heutige Spritztour zum Jägerkamp zu etwas Besonderem.

Obwohl der Spitzingsattel ein beliebter Ausgangspunkt ist, lassen viele den Aufstieg zur Schönfeldhütte links liegen. Steil geht’s hinauf durch Wald und über buckeliges Kalkgestein. Die Mühen werden schon bald belohnt: Unten liegt dunkelblau der Spitzingsee, und von weitem hört man schon die Glocken der Kühe von den Schönfeldalmen. Wer bereits jetzt Hunger oder Durst verspürt, kann hier zum ersten Mal einkehren. Zu gemütlich sollte es nicht werden, denn der Großteil der Strecke liegt noch vor einem. Der Weg führt zunächst an alten Almen vorbei, die jetzt vor allem von Münchner Privatbesitzern an Wochenenden bewohnt werden. Am Rand leuchten Heilkräuter wie Alpendost, Johanniskraut und Mariendistel. Auch der Blaue Eisenhut blüht heroben.

Ein letzter Blick auf die wunderbare Fauna, dann kann der Schweiß ausbrechen: In steilen Serpentinen geht’s dem Gipfel entgegen. Oben angekommen darf gestaunt werden angesichts des einmaligen Panoramas: Nördlich grüßt der Wendelstein, der Schliersee liegt winzig im Tal. An besonders klaren Tagen kann man bis nach München schauen. Zeit, sich niederzulassen und das Naturschauspiel zu genießen, sollte jeder mitbringen. Ab jetzt geht es zwar nur noch bergab, doch eine gewisse Trittsicherheit und Schwindelfreiheit ist gefragt. Denn im Gegensatz zu den anderen Wanderern, die meist alle wieder vom Gipfel auf dem Aufstiegsweg hinunterlaufen, schlagen wir uns in die Büsche. Genaugenommen in die Latschen.

„Betreten auf eigene Gefahr“

Sieht man genau hin, erkennt man auf dem Bergrücken hinter dem Kreuz einen schmalen Pfad. Zwischen Nadelgehölzen und Kühen, die sich bis hierhin verirrt haben, geht der Weg jedoch zuverlässig weiter, bis er sich kurz vor einer Felswand scharf nach rechts wendet, und hinab in den Kessel der Jägerbauernalm leitet. Je näher man der Alm kommt, desto mehr fühlt man sich in alte Zeiten zurückversetzt. Bilder von Almöhis, Heidis und urigen Hütten ohne Strom und fließend Wasser tauchen vor dem inneren Auge auf. Steht man schließlich vor dem steinernen Haus, entdeckt die Ziegen und das Pony, und schaut dann noch die Sennerin durch die niedrige Holztüre, dann glaubt man sich im 19. Jahrhundert. Hier gibt es weder Kaiserschmarrn noch Schweinsbraten, dafür Tee, der auf dem Holzofen warmgemacht wird, und dazu einen „Goaßnkas.“

Schwer fällt der Abschied da zurück in die Zivilisation. Die Sennerin rät zum alten Pfad: Vorbei an der Alm, im Zickzack hinab in die Schlucht, durch den Wald, bis zu einem großen Stein. Der markiert zwei mögliche Wege: Entweder man entscheidet sich für den bequemeren Weg hinunter zur Straße, oder aber man wählt den knorrigen Steig direkt zurück zum Ausgangspunkt. „Betreten auf eigene Gefahr“ warnt ein Schild die Wanderer. Doch die Sennerin hatte einem Mut gemacht: „Des schafft’s scho.“ Tatsächlich geht’s holprig über Wurzeln und Felsbrocken, aber aussichtsreich dahin, bis man plötzlich schon den Spitzingsattel erreicht hat.

Von Sonja Vodicka

JÄGERKAMP (1746 M)

ANFAHRT – Auto: A 8 München – Salzburg, Ausfahrt Miesbach. B 307 über Miesbach nach Schliersee. Weiter Richtung Bayrischzell. Kurz nach Neuhaus rechts auf Spitzingstraße. Parken am Spitzingsattel (1127m). Bahn: Mit der BOB bis Neuhaus. Von dort per Bus Richtung Spitzingsee und am Spitzingsattel aussteigen.

TOUR – Gehzeiten: Aufstieg bis zur Schönfeldhütte ca. 1,5 Stunden, zum Jägerkamp-Gipfel 45 Minuten, Abstieg über den Grat zur Jägerbauernalm und von dort über den Steig zurück zum Parkplatz am Spitzingsattel ca. 2,5 Stunden; Gesamtgehzeit: ca. 5 Stunden.

VARIANTE – Wer den Aufstieg abkürzen will, parkt an der Talstation der Taubensteinbahn und fährt per Bahn zur Bergstation. Von dort führt ein Weg zum Jägerkamp und auf beschriebener Route abwärts zum Spitzingsattel. Am See entlang zum Parkplatz (www.alpenbahnen-spitzingsee.de).

KARTE – Kompass-Karte 8, Tegernsee – Schliersee.

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