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Der Dürnhausener Kreuzweg, den man hinauf zum Eichlbichl verfolgt, endet an einem aussichtsreichen Platz mit Alpenblick.

Über Hügel zu den Mühlen

Eine kurze, aber interessante Geschichte hat der Kreuzweg am Eichbichl bei Habach. Eine viel längere Geschichte haben die einst klösterlichen Mühlen der Voralpengemeinde. Auf einer frühlingshaften Rundwanderung lässt sich beides perfekt erkunden.

Wir starten die Tour in der schmucken Ortsmitte von Habach. Rechts der Kirche lohnt ein Abstecher zum schönen Ulrichsbrunnen, der auf eine rund 1000 Jahre alte Quelle zurückgeht. In der Hauptstraße, wo heute Seit an Seit die Bauernhäuser stehen, bewirtschafteten früher Chorherren des Stifts Habach ihre Höfe. Das Kloster war 1083 durch Graf Norbert von Hohenwart begründet worden und prägte den Ort bis zur Säkularisation im Jahre 1802. Wir wandern südwärts aus dem Ort hinaus und auf die steilen Waldhügel zu, die den Blick auf die Alpen für uns (noch) verdecken. Zwischen der Aidlinger Höhe und dem Baumberg rechts und dem Königsberger Wald links erblicken wir schon den tief eingeschnittenen Graben, durch den der Lothdorfer Bach fließt. Dieses Gewässer bot den damaligen Habacher Chorherren und dem Dorf eine dankbare Energiequelle für ihre Mühlen. So entstand tief hinten in den Waldhügeln eine „Ölmühle“, in der Öl durch einen Wasserhammer kalt geschlagen wurde – heute steht dort die als Gaststätte bekannte und beliebte „Höhlmühle“.

Auss.: Kompass-Karte 7, Murnau – Kochel. Lizenz: 17-0906-LVB.

Unser nächstes Ziel ist nicht minder legendär. Es ist die Obermühle, mittlerweile besser bekannt als Live-Club und Bistro „Village“. Dort bietet Gitarrenbauer „.D.D Blues“ – der wahre Name sei hier nicht verraten – seinen Gästen seit vielen Jahren Live-Musik aus Jazz, Blues und Rock. Innen wie außen gibt es eine Musikbühne, innen mit Kachelofen, draußen mit Biergarten.

Ein anderes Schicksal ereilte die nächste der alten Mühlen, die wir an einem Teich vorbei erreichen. Es ist die Jaudenmühle, bereits im Jahre 1020 wurde sie erstmals erwähnt. In den Schwedenstürmen des 17. Jahrhunderts wurde sie Raub der Flammen, heute dient das Gelände als Gewerbebetrieb für Kraftfutter.

Wir verlassen nun die Nordhänge und gelangen nach Dürnhausen. Das 180-Seelen- Dorf ist noch älter als Habach. Schon im 8. Jahrhundert wurde es erwähnt, im 11. Jahrhundert stand hier eine Burg der Grafen von Sigimare. Sigimar I. war Vogt des nahe gelegenen Klosters Benediktbeuern und herrschte von Dürnhausen über ein weites Gebiet, das sich bis zum Ammersee im Nordwesten und zum Walchensee im Südosten erstreckte. Sigimar II. baute 1063 die Dürnhausener St. Martinskirche, deren Grundmauern bis heute erhalten sind.

Viel jüngeren Datums aber ist der Dürnhausener Kreuzweg, den wir hinauf zum aussichtsreichen Eichbichl verfolgen. Gerade 18 Jahre ist er alt, errichtet wurden die Marmortafeln aus Dankbarkeit von einer ortsansässigen Bäuerin. Am Ende des Weges wartet ein rund fünf Meter großes Kreuz mit einer hölzernen Christusfigur, die zwei Jahre vor dem Kreuzweg in Egmating gefertigt worden war. Von dort trugen 30 Gläubige das Kreuz die 80 Kilometer lange Strecke bis nach Dürnhausen.

Die Bank vor dem Kreuz lädt zu einer idealen Rast – mit nunmehr freiem Alpenblick. Benediktenwand, Heimgarten, Estergebirge und Wetterstein schauen über die lange Waldkette, die uns zuvor den Blick verwehrt hat. Der Abstieg vom Eichbichl führt uns dann durch Frauenrain, ein stilles kleines Bauerndorf mit der alten romanischen Kirche „Zu unserer lieben Frau am Rain“, die durch Spenden renoviert wurde. Über das Dörfchen Rieden geht es im Auf und Ab durch Wiesen und Äcker nach Habach zurück. Wir könnten nun nach Hause fahren oder bis zum Abend warten. Denn dann bietet Habach mit dem „Village“ in der Obermühle und dem Bistro „Zum Trödler“ in der Dorfmitte so viel Livemusik wie kein anderer Ort im Oberland – zumindest gemessen an der Einwohnerzahl.

Christian Rauch

RUND UM HABACH

Anfahrt

Über die A95 Richtung Garmisch-Partenkirchen und an der Ausfahrt Sindelsdorf Richtung Murnau fahren. Nach vier Kilometern rechts nach Habach abzweigen und vor der Kirche links zum Parkplatz am Sportplatz.

Tour

Gehzeit: Drei bis dreieinhalb Stunden. Teils Feldund Wiesenwege, viele kleine An- und Abstiege. Vom Parkplatz am Sportplatz zurück in den Ort und nach links, an der Kirche vorbei. Circa 100 Meter nach ihr, vor dem „Autohaus Kirnberger“, rechts ab („Durchfahren verboten“- Schild) und zu einer Brücke. Weiter auf der Straße und links haltend zu einer Querstraße. Auf dieser rechts durch die Unterführung, danach gleich links ab („Hinterfeld“). Bei einer Bank links abzweigen, abwärts und an der nächsten Abzweigung rechts zur Obermühle. Zum Haus, links durch den Biergarten und oberhalb eines Teiches auf einen ansteigenden Weg. Hinauf zu einem großen Teich, an ihm links entlang, dann links hinab zur Jaudenmühle. An dieser vorbei und die nächste Abzweigung rechts. Vorbei an der Thomamühle, dann nicht zur Bundesstraße, sondern erst rechts, danach links durch die Unterführung nach Dürnhausen. Hinauf zur Kirche, an der Querstraße rechts und am Ortsende links Richtung Kreuzweg. Auf diesem hinauf bis zum Jesuskreuz. Ein Stück zurück und bei dem Traktorschuppen links hinab. Bei den Bäumen halbrechts zu einem Feldweg und hinab nach Frauenrain. Links aus dem Ort hinaus und an der Querstraße geradeaus auf einen Feldweg. Vorbei am Strommast und nach dem Acker rechts zur Forststraße. Auf dieser links nach Rieden. Im Dorf auf der Teerstraße links nach Habach. Kurz vor dem Ort, an einem Teich, rechts, dann links hinauf, oben wieder links und hinab zum Parkplatz.

Informationen

„Village Obermühle“, Tel. 08847/725 (www.village-habach.de). „Zum Trödler“, Tel. 08847/296 (www.troedler-habach.de). Einkehr tagsüber im „Eichbichl-Stüberl“ kurz nach Tourenbeginn – vom „Hinterfeld“ aus rechts oben, Tel. 08847/750, (www.eichbichlstueberl.de).

Karte

Kompass-Karte 7, Murnau – Kochel. Das blaue Land am Staffelsee, 1: 50 000.

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