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Zeit sollte man auf jeden Fall einplanen. Die Tour hat eine Gesamtgehstrecke von 15 Kilometern.

Finale Überraschung

Von Schlehdorf aus auf einen unauffälligen Waldspitz

Der Rötelstein ist ein unauffälliger Waldspitz, den man auf den ersten Blick gar nicht wahrnimmt. Seine Silhouette verschwimmt in der massigen Berggestalt Heimgarten.

Der überwiegend sanfte Rötelstein überrascht erst im Finale und er gehört zu den Gipfeln, die man wegen der geringen Höhe oft unterschätzt und dabei vergisst, dass ja eine Gesamtgehstrecke von 15 Kilometern vor einem liegt. Zeit sollte man also auf jeden Fall reichlich einplanen, dann ist diese wunderschöne Herbsttour purer Genuss.

Blickt man kurz nach dem Start in Schlehdorf zurück, liegt der Kochelsee schön wie ein Gemälde in der Landschaft. Ein Vorteil dieser Tour, man kann den kühlen Morgenstunden gleich entfliehen, denn der erste Wegabschnitt verläuft über sonnige Bauernwiesen und über ausgedehnte ostseitige Lichtungen mit herrlichen Ausblicken. Aber auch die darauffolgende Etappe im bunten Blätterwald ist sehr reizvoll. Umgeben von wohltuender Stille taucht man völlig ab und atmet die würzige Waldluft. Erst viel später nach einem markanten Holzkreuz verlässt man die Forststraße und folgt einem gut ausgeschilderten Wanderweg. Dieser zeigt sich zunächst nicht gerade von seiner freundlichsten Seite, sondern gibt sich steil und arg zerfurcht. Doch sobald das Gelände flacher wird, „Auf der Platten“, bessert sich der Weg schlagartig, es öffnet sich der Waldvorhang und lässt viel Licht und feine Aussichten hindurch. Zur Linken erspäht man zwischen Bäumen den steilen Gipfelaufbau des Rötelsteins mit dem in der Sonne blinkenden Kreuz. Rechter Hand präsentieren sich die Ammergauer Alpen, der Staffelsee, der Riegsee, das Murnauer Moos und ganz in der Ferne der Peißenberg.

Kleiner Berg mit super Panorama

Auch die Nahblicke erweisen sich als sehr interessant. Immer wieder tauchen mitten im Wald geheimnisvolle Felstürmchen und kleine Kalkwände auf und man ahnt, dass man sich der letzten, etwas anspruchsvolleren Etappe nähert. Dann erreicht man plötzlich wieder die Forststraße. Es geht noch ein Stück bergauf, bis der Gipfelweg abzweigt. Über Stock und Stein führt ein Wegerl auf einen Sattel hinauf. Am Schluss leitet ein Steig über den schmaler werdenden, felsdurchsetzten Graskamm zum stattlichen Gipfelkreuz empor. Mit etwas Glück erhascht man sogar einen Platz auf dem Bankerl. Man hält es kaum für möglich, dass dieser kleine Berg ein solches Panorama bereithält. Gegenüber prahlt der dominante Heimgarten, der jetzt gar nicht mehr so groß erscheint. Wie aus bunten Mosaiksteinchen erscheint in der Tiefe das anmutige Kochelseemoor. Am Rande des Moors entdeckt man den Ort Schlehdorf mit den beiden Türmen der Schlehdorfer Kirche, die sich weiß und selbstbewusst vor dem Hintergrund der Moorkulisse abheben.

Über die gleiche Route steigt man nach der Gipfelrast hinab und erreicht nachher tief unten im bunten Mischwald wieder die Forststraße. Wer nicht so gern weit zu Fuß geht, könnte auch mit dem Mountainbike bis zum Wegabzweig fahren, also 4,5 km und etwa 320 Höhenmeter. Der Abfahrtsgenuss ist einem sicher. Mit dem Bergradl ist man flexibel – lange Strecken verkürzen sich enorm. Und so wäre dann auch noch locker ein Abstecher über die ausgeschilderte Route zur Kreut Alm und nach Glentleiten machbar. Pedalierend passiert man indessen Großweil und erreicht durchs Hintertürl den Ausgangspunkt in Schlehdorf.

von Doris Neumayr


Rötelstein (1394 Meter)

Anfahrt - Mit dem Auto: A 95 München – Garmisch bis Ausfahrt Murnau/Kochel. Auf der St 2062 Richtung Kochel. In Schlehdorf nach dem „Gasthof Klosterbräu“ rechts in die Seestraße/Rauter Straße. Noch vor der großen Linkskurve am Straßenrand parken (bitte die Parkverbote, insbesondere beim Wertstoffhof, beachten).

Tour - 760 Höhenmeter, 15 Kilometer (insgesamt), Gehzeit: Aufstieg gut 3 Stunden, Abstieg gut 2,5 Stunden, über die Hälfte der Tour verläuft auf Forststraßen, die Bergwege können morastig sein und sind in der letzten Etappe sehr schmal und steil. Ein sicherer Tritt ist am Gipfelweg erforderlich (bei Nässe große Vorsicht!). Die Tour ist gut ausgeschildert. Auf der Seestraße/Rauter Straße geht’s Richtung Süden, bis rechts eine Forststraße abzweigt (grünes Schild: Rötelstein, Heimgarten, Ohlstadt). Nach schönen Bauernwiesen zieht man mäßigsteil bis mittelsteil im lichten Wald empor. Dann wandert man über Waldwiesen, bald an einem Wasserhäuschen vorbei und gelangt in bunten Mischwald. Man ignoriert alle kleineren Abzweigungen und hält sich immer an die Ausschilderung: „Rötelstein“. So ignoriert man spä- ter auch die Abzweigung zur Kreut Alm. Man kommt in einem stillen Tälchen an einer versteckten Jagdhütte vorbei und gleich danach an einem auffälligen Holzkreuz. Minuten später erreicht man einen gelben Schilderbaum. Hier verläuft nach links der Wanderweg zum Rötelstein (bis zum Abzweig dieses Wanderweges könnte man ohne große Anstrengung auch mit dem Mountainbike fahren – Punkt 915 Meter). Der waldige Wanderweg wird bald ruppig und steil. Sobald die Steigung nachlässt, ist der Wald lichtdurchflutet und gewährt Ausblicke. Dann zieht der Weg angenehm dahin und mündet weiter oben wieder in die Forststraße. Auf dieser noch ein Stück bergauf, bis nach links der beschilderte Gipfelweg zum Rötelstein abzweigt. Durch einen steinigen Wald wandert man über Wurzeln zu einem Sattel hinauf. Ein schmaler Steig zieht am Schluss über den grasigen, felsdurchsetzten Kamm empor bis zum Gipfelkreuz

Karte - Kompass-Karte 7, Murnau, Kochel.

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