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Da geht’s hinauf: Zu Beginn der Tour „erklimmt“ man den Kalvarienberg mit der sehenswerten Heilig-Kreuz-Kirche.

Stadt, Land, Fluss

Über Abwechslung braucht sich nicht beklagen, wer unserer heutigen Spritztour folgt. Städtische Betriebsamkeit in Bad Tölz wechselt sich ab mit wohltuender Beschaulichkeit auf kleinen Wegen und in winzigen Weilern bis Fischbach.

Zunächst aber gilt es den Kalvarienberg zu „erklimmen“. Über etliche steile Stufen geht es die gut 60 Höhenmeter vom Flussbett herauf. Eine lohnende Sache: Nirgends ist der Blick auf die Stadt und die Isar, die einst Lebensader für den Flößerhandel in Bad Tölz war, beeindruckender. Neben der Leonhardkapelle steht die Heilig-Kreuz-Kirche. Mit ihren beiden Türmen wird sie manchmal „Krone von Tölz“ genannt. Im Inneren des Gotteshauses sticht vor allem die „heilige Stiege“ heraus. Ihren Mittelteil dürfen Gläubige nur betend auf Knien erklimmen. Früher führte die Stiege unter freiem Himmel zur Kreuzigungsgruppe hinauf, ehe sie durch den Kirchenbau überdacht wurde. Eine große in Bronze getriebene Kreuzigungsgruppe steht heute nben der Kirche auf dem Golgotahügel.

Der nächste Wegabschnitt fällt weltlich aus. Nordwestlich von Bad Tölz wurde die Isar aufgestaut, ein kleiner See entstand. Am Ende dieses Stausees steht seit Jahrzehnten ein Wasserkraftwerk. Seine Staumauer kann man auf einem schmalen Geländersteig überqueren. Am anderen Ufer begegnen wir einer „Fischaufstiegshilfe“. Vor gut fünf Jahren wurden hier 45 kleine natürliche Wasserbecken neben der Staumauer gebaut, damit stromaufwärts wandernde Fische die rund acht Höhenmeter der Staustufe überwinden können. Dies fördert Wiederbesiedlungen an der oberen Isar, einen Ausgleich der Bestände und die Laichwanderung.

Nachdem man vorsichtig die Straße überquert hat, taucht man in eine bäuerliche Stille ein. Hinter den Höfen von Abberg zieht ein sanfter Wiesenpfad durch Pferdeweiden und an Feldkreuzen vorbei hinauf zur Kapelle von Prösteln. Der Weiterweg wechselt zwischen Wald und Wiesen, ehe sich plötzlich die 1674 erbaute Barockkirche von Fischbach mit ihrem bemalten Zwiebelturm vor einem aufbaut. Gleich dahinter steht der traditionsreiche Landgasthof mit Biergarten, in dem sich die Frühjahrssonne genießen lässt. Der Rückweg nach Bad Tölz bietet dann wieder jene weiten Hügelkuppen, die so typisch für die Voralpenlandschaft sind. Hier und da mal ein Feldkreuz, dort drüben ein Hof. Dahinter immer wieder ein Blick auf die Berge.

Nachdem man im Graben des Peterbauernbachs noch einige kleine Brücken überquert hat, begrüßt einen wieder die Stadt. Am Isarufer geht’s gemütlich zum Parkhaus zurück. Nur ein Katzensprung ist es nun über die Isarbrücke hinein in die von prachtvollen Häusern gesäumte Marktstraße. Viele Gebäude stammen aus der Zeit, als Bad Tölz als Handelsstadt über die Isarflößerei nicht nur München mit Holz, Kalk und dem Bier von zeitweilig 22 Brauereien versorgte. Das einheitliche Fassadenbild ist dem Architekten Gabriel von Seidl zu verdan ken, der etliche Häuser um 1900 umbaute. Wer Lust und Muße hat, sollte noch einen Abstecher von der Marktstraße über die Pfarrkirche ins „Gries“ einplanen: In der verwinkelten Altstadt lässt sich in Lädchen oder traditionsreichen Handwerksbetrieb ausgiebig „stöbern“.

VON CHRISTIAN RAUCH

VON BAD TÖLZ NACH FISCHBACH

ANFAHRT – Bahn: Vom Bahnhof Bad Tölz an der Bahnlinie München – Holzkirchen – Lenggries in die Stadtmitte und nach der Marktstraße rechts zum Kalvarienberg. Auto: Bad Tölz ist erreichbar über die A 8 München – Salzburg, Ausfahrt Holzkirchen, Beschilderung Bad Tölz folgen. Oder über die A 95 München – GAP, Ausfahrt Sindelsdorf. Beschilderung nach Bad Tölz folgen. Das Parkleitsystem weist zum Parkhaus P3 an der Bockschützstraße.

Ausschnitt aus: Kompass-Wanderkarte 182, Isarwinkel; Lizenz-Nr.: 17-0906-LVB.

TOUR – Gehzeit: 3 bis 3,5 Std.; Anforderungen: Überwiegend Wiesen-/Waldwege und Forststraßen. Viel leichtes Auf und Ab, einige Stufen. Tourverlauf: Vom Parkhaus zur Isarbrücke, über sie und gleich nach ihr links an der Isar entlang. Der Beschilderung „K4 Kalvarienberg“ folgend bald rechts über steile Stufen hinauf auf den Kalvarienberg. Links weist die Beschilderung „W6 Isarstausee“ abwärts. Später der hellgrünen Beschilderung „Heilklima-Rundweg HK 21“ folgen und in Flussnähe zum Kraftwerk am Nordende des Isarstausees. An dem hellbraunen Gebäude links zu einem Treppensteig, der über die Isarstaumauer auf die andere Flussseite führt.

Dort leitet das Schild „HK 21“ erst nach links, dann jenseits der Autostraße aufwärts in den Wald. Nach den ersten Häusern des Weilers Abberg weist das Schild an einem Bauernhof links auf einen Wiesenweg. Auf diesem hinauf zur Kapelle von Prösteln. Über eine Wiese links weiter zu einem Waldstück. An einem Stadel weist das HK 21-Schild halb links durch ein Gatter zu einer weiteren Wiese. Hier am Waldrand entlang zu einem Jägerstand kurz vor einer Scheune. Beim Jägerstand links (leider fehlen hier Schilder) in einen kleinen Weg, der durch den Wald abwärts, dann rechts zur Autostraße führt. Links an der Straße nach Fischbach. Direkt vor dem Gasthaus links hinein und halb links abwärts in eine Mulde unter der Kirche, dann wieder aufwärts in den Wald.

Die Beschilderung führt auf Wald- und Wiesenwegen, schließlich rechts abwärts in einen Bachgraben. Bei der Straße „Alter Saumweg“ die Wanderschilder ignorieren und links zur Hauptstraße. An dieser kurz rechts, nach dem Penny-Markt links auf die Wege am Isarufer. An diesem zurück zur Isarbrücke und vor ihr rechts zum Parkhaus (links über Brücke Abstecher in die Marktstraße).

INFORMATIONEN – Tourist-Information Bad Tölz, Max-Höfler-Platz 1, 83646 Bad Tölz. Tel.: 08041 / 78 670; Internet www.bad-toelz.de

KARTE – Kompass-Wanderkarte 182, Isarwinkel.

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