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Stadt-Radler mit Rückenwind: Das Klapprad ist zurück

Berlin - Im Autoland Deutschland gibt es längst mehr Fahrräder als Autos. Für viele ist der Drahtesel nicht mehr Freizeit- sondern Alltags-Verkehrsmittel - am liebsten praktisch und jetzt auch wieder faltbar.

Für besorgte Mütter und eilige Autofahrer sind sie nur rücksichtslose „Kampfradler“. Doch in der Großstadt sind Fahrradfahrer - auch ohne rote Ampeln zu überfahren - oft einfach schneller am Ziel. Das erkennen immer mehr Deutsche, das Stadt-Radeln boomt. „Auf Strecken bis fünf Kilometern hat das Fahrrad richtig Rückenwind“, sagt Zweirad-Experte Gunnar Fehlau. Nebenbei ist das Geschäft mit dem Drahtesel in Deutschland zu einem Milliardenmarkt geworden. Neue Modelle lassen sich viele Radler immer mehr kosten.

Der Drahtesel ist längst nicht mehr nur Freizeit- oder Sportgerät. Wie der Fahrradclub ADFC herausfand, nutzen fast 40 Prozent der Radler ihr Gefährt regelmäßig für den Weg zur Arbeit oder Schule. Bei jungen Leuten zwischen 20 und 39 oder beim Einkaufen ist es sogar mehr als jeder zweite. Bei vielen geht der Trend sogar zum Zweitrad: ein Gebrauchsrad und eins zum „cruisen“ in der Freizeit.

„Die Alltagsnutzung nimmt zu“, hat auch der Geschäftsführer des Zweirad-Industrie-Verbands (ZIV) Siegfried Neuberger, beobachtet. Fahrräder machten inzwischen zehn Prozent des gesamten Verkehrs in Deutschland aus. Im Berliner Szenebezirk Friedrichshain-Kreuzberg sind es laut Verkehrssenat sogar 21 Prozent.

Das neue Stichwort für die Branche: urbane Mobilität. „Es gibt eine Generation, die bewusst aufs Auto verzichtet und stattdessen Fahrrad und Bahn kombiniert“, erklärt Fehlau. Mit diesen jungen Großstädtern kehrt jetzt auch das Faltrad zurück. Mit dem Rad zur S-Bahn, einklappen, Bahnfahren, in der Innenstadt wieder aufsteigen. Ein Rad für jede Gelegenheit, wirbt Fehlau und verspricht: „Das heißt jetzt auch nicht mehr Klapprad, weil nichts mehr klappert.“ Selbst bei Anzugträgern sei das Faltrad beliebt - mit dem entsprechend designten Helm.

Auch sonst ist der Blick in die Vergangenheit angesagt. Damenräder im Stil der 80er Jahre - allerdings „randvoll mit Technik, die es damals nur im Luxusrad gab“. Oder „Fixies“, ganz spartanische, durchgestylte Räder aus der Fahrradkurier-Szene ohne Leerlauf.

Zum Start in die Saison setzt die Branche aber vor allem auf einen weiteren Schub bei Elektro-Rädern. „E-Bikes sind auch 2012 das Zugpferd“, verspricht Neuberger. Die Erwartungen an die junge Sparte sind hoch: Die Räder mit dem ergänzenden Batterie-Antrieb legten im vergangenen Jahr um 55 Prozent zu. Wurden vor fünf Jahren noch 70 000 E-Bikes gekauft, waren es nach ZIV-Zahlen zuletzt 310 000. Beim Marktanteil liegen Trecking- und Cityräder zwar weiter vorn. Die bis zu 2000 Euro teuren E-Bikes aber holen auf - und machen jetzt gut jedes zwölfte verkaufte Fahrrad aus.

Generell beobachtet die Branche einen Trend zu höherwertigen Fahrrädern und mehr Qualitätsbewusstsein. Der Gesamtwert der verkauften Räder legte auf rund zwei Milliarden Euro zu. Im Schnitt bezahlten die Deutschen 495 Euro für ihren Drahtesel. Bei den aktuellen Spritpreisen ein lohnendes Geschäft, meint Fehlau.

dpa

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