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Da staunt sogar der Professor: Sportmediziner Martin Halle freut sich über die Fitness seiner Patientin Anja Kunz. Sie hat durch Laufen 26 Kilo abgenommen.

Laufen für ein starkes Herz

Für Anja Kunz ist es ein neues Lebensgefühl: Vor einem Jahr war die Oberpfälzerin übergewichtig und kam schnell aus der Puste. Heute ist die 42-Jährige 26 Kilo leichter, fit wie ein Laufschuh – und träumt sogar vom New York-Marathon.

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Die Wende brachte ausgerechnet das Fernsehen: In der Abendschau sieht Anja Kunz einen Beitrag über die Aktion „Lauf10!“. Mit einem ausgeklügelten Trainingsplan sollen selbst absolute Sportmuffel fit für einen Zehn-Kilometer-Lauf werden – und das in nur zehn Wochen. „Das probierst du“, dachte sich die Oberpfälzerin. Denn schon lange fühlte sie sich nicht mehr wohl. Sie wog 114 Kilo, hatte Bluthochdruck – und kam bei der geringsten Anstrengung außer Atem.

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Aus dem großen Ziel von damals ist inzwischen eine „lockere Trainingseinheit“ geworden: Vier Mal die Woche schnürt Anja Kunz nach der Arbeit die Laufschuhe – und schafft dabei problemlos acht bis zehn Kilometer. An den Wochenenden kommen oft noch Wettkämpfe hinzu. Erst kürzlich war sie beim Halbmarathon in Regensburg.

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Die 42-Jährige kann selbst kaum glauben, was sie in einem Jahr geschafft hat – und sie weiß: Zu verdanken hat sie das neben der Abendschau auch Prof. Martin Halle. Er leitet das Zentrum für Prävention und Sportmedizin der Technischen Universität München, wo Anja Kunz medizinisch betreut wurde.

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Denn bevor sie mit dem Training loslegen durfte, wurde sie erst gründlich untersucht. Mehrere Stunden dauerten die Tests im sportmedizinischen Zentrum am Rande des Münchner Olympiaparks: Blutproben, ein Belastungs-Elektrokardiogramm (EKG), ein Ultraschall des Herzens und weitere Untersuchungen sollten zeigen, wie es um Anja Kunz’ Gesundheit bestellt ist. Mit einem Leistungstest prüften die TU-Mediziner zudem ihren Fitnesszustand.

Das Ergebnis war wenig erfreulich: Zwar wusste Anja Kunz von ihrem Bluthochdruck und nahm dagegen seit einigen Jahren Tabletten ein. Doch die Blutprobe verriet: Auch ihre Blutfettwerte waren erhöht. Der Anteil des schlechten LDL-Cholesterins war viel zu hoch. Es kann sich an den Wänden von Blutgefäßen ablagern und diese verengen. Das erhöhte ihr Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zusätzlich.

Mit dem Ultraschall konnten die Mediziner zudem sehen, dass sich in den bewegungsarmen Jahren auch das Herz verändert hatte. Festere Fasern hatten sich darin eingelagert, die das Gewebe steifer werden ließen. Das Herz büßt dadurch an Leistungsfähigkeit ein. „Es kann das Blut nicht mehr so gut durch den Körper pumpen“, erklärt Halle.

Die Folgen spürte Anja Kunz bei körperlicher Belastung. Nach wenigen hundert Metern Laufen war sie außer Atem. Sie gehörte damit auch zu einer „gefährdeten Gruppe“, wie Halle sagt. Denn drei von vier Patienten, bei denen Mediziner solche Veränderungen entdecken, müssten in den Jahren darauf wegen Herzproblemen in die Klinik. Doch lasse sich der Prozess aufhalten – und sogar umkehren: durch Lauftraining. Bereits nach drei Monaten könne man Veränderungen sehen. „Herz und Gefäße werden elastischer“, sagt Halle. Ein Grund mehr für Anja Kunz, wieder mit Sport anzufangen. Zumal sie bis vor zehn Jahren noch regelmäßig gelaufen ist. Sogar einen Marathon hat sie damals geschafft. Doch nach dem Erfolg fehlte der Ansporn. „Ich wusste ja, dass ich es kann“, sagt sie.

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Sie trainiert seltener, nimmt zu, das Laufen wird immer beschwerlicher. Dann macht sie Winterpause – und verpasst den Einstieg. Im März 2010 wiegt sie 114 Kilo. „Das war der Höchststand“, sagt sie. Endlich abnehmen und wieder regelmäßig Sport treiben: Mit dem richtigen Ansporn geht das leichter. Das hatte Anja Kunz schon vor zehn Jahren gelernt. Als sie hört, dass für die Aktion „Lauf10!“ vier Teilnehmer gesucht werden, die ihr Training mit der Kamera begleiten lassen, bewirbt sie sich. „Wenn man beobachtet wird, will man sich nicht blamieren“, sagt sie. Als sie einen Monat vor dem Start wusste, dass sie dabei ist, stellte sie die Ernährung um, verzichtete auf Süßes und Fettes.

Vier Minuten Walking, dann wieder eine Minute laufen – so hart, wie es sich Anja Kunz vorgestellt hatte, war das Training gar nicht. „Wir haben ganz gemütlich angefangen“, erinnert sie sich. Die TU-Sportmediziner hatten eigens Trainingspläne für Untrainierte und Übergewichtige entwickelt.

Bei welcher Herzfrequenz das Training am effektivsten ist, ermittelten die Ärzte mit einem Leistungstest: Durch eine Maske über Mund und Nase musste Anja Kunz bei der Spirometrie atmen. So lässt sich die Konzentration an Sauerstoff und Kohlendioxid in der Ausatemluft messen und mit dem der Raumluft vergleichen. Die Differenz verrät viel über den Stoffwechsel. Zudem kann man mit dieser Untersuchung das Lungenvolumen bestimmen. Zum Leistungstest gehörte zudem eine Lactat-Messung: Lactat ist eine andere Bezeichnung für Milchsäure. Sie entsteht im Muskel, wenn er nicht genug Sauerstoff bekommt. Um trotzdem nicht schlappzumachen, gewinnen die Zellen Energie durch Gärung – und bilden dabei auch Lactat. „Es zeigt: Das System ist überlastet“, sagt Halle.

Den Test absolvierte Anja Kunz auf dem Laufband – erst langsam, dann immer schneller. Zwischendrin wurden ihr mehrmals ein paar Tropfen Blut aus dem Ohrläppchen abgenommen. Der Lactatgehalt darin verrät, bei welchem Tempo die Belastung optimal ist. Bei Anja Kunz schlug das Herz bei dieser Lauf-Geschwindigkeit zwischen 120 und 130 Mal pro Minute. In den nächsten Wochen wurde ihr dieser Wert beim Training zur Richtschnur. Ob sie im richtigen Bereich trainiert, verriet ihr eine Pulsuhr.

Beim Tempo hielt sich Anja Kunz an die Vorgaben. Doch ihr Ehrgeiz war geweckt: Statt drei Einheiten pro Woche trainierte sie vier bis fünf Mal – mit doppeltem Erfolg. Im Juli schaffte sie nicht nur den Abschlusslauf über zehn Kilometer in Wolnzach. Bis dahin hatte sie 16 Kilogramm abgenommen. Auch ihre Cholesterinwerte haben sich normalisiert. Im Herbst kann Kunz sogar die Tabletten gegen den Bluthochdruck absetzen.

Nach dem Lauf fürs Fernsehen hat Anja Kunz ein neues Ziel: den Münchner Halbmarathon. Sie nimmt weitere zehn Kilo ab und schafft den Lauf. Folgt jetzt der Marathon? Die 42-Jährige winkt ab. „Nicht auf Kosten der Gesundheit.“ Die Knie machen Probleme. Reizen würde sie das aber schon. „Wenn ich mit 50 noch gesund bin, laufe ich vielleicht den New York Marathon mit.“

Andrea Eppner

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