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Geschichten-Wanderung um Berg

Am See der Fürsten

Der Starnberger See wird auch „Fürstensee“ genannt: Grafen, Herzöge und Könige haben hier ihre Spuren hinterlassen.

Diese Wanderung am Ostufer besucht Türme, Schlösschen und Villen, die viele Geschichten erzählen. Dabei vertritt die erste prominente Station der Tour kein Adliger, sondern ein „bayerischer Dichterfürst“. Oskar Maria Graf wuchs vor gut 100 Jahren in Berg auf, in der NS-Zeit emigrierte er nach Amerika. Auch dort zeigt er sich als Bayer, trägt Lederhosen und baut viele seiner Romane und Erzählungen auf heimatlicher Erinnerung auf. Links vom Oskar-Maria-Graf-Stüberl im Geburtshaus des Schriftstellers steht eine Informationstafel, die mehr aus seinem Leben verrät. Weiter geht’s zur Rottmannshöhe, deren Name auf einen bedeutenden Landschaftsmaler im frühen 19. Jh. zurückgeht. Carl Rottmann ließ sich hier oben, neben verschiedenen Reisen nach Italien und Griechenland, gern inspirieren, wenn er Werke für seinen Förderer, König Ludwig I., schuf. Im Jahr 1875 entstand ein mondänes Hotel auf der Anhöhe. Betuchte Gäste aus München besuchten es, indem sie mit dem Schiff, von Starnberg kommend, unten am Ufer ankamen und dann in einer dampfbetriebenen Seilzugbahn herauffuhren. Heute ist davon nichts mehr zu sehen und aus dem Hotel ist inzwischen eine Klinik geworden. Ganz andere Eindrücke gewinnt man bald im kleinen Assenhausen. Die Kapelle und mehrere schöne, alte Bauernhäuser lassen einen den „Fürstensee“ fast vergessen.

Doch bald gewinnt der Adel wieder die Oberhand. Ein mächtiger 30 Meter hoher Klotz am Weg ehrt seit 1899 den vormaligen Reichskanzler Otto Fürst von Bismarck. So richtig mag der monumentale Turm heute nicht mehr in die Landschaft passen, doch der Blick von der erhöhten Wandelhalle Richtung Alpen bleibt sehenswert, wenn auch der See durch Bäume verdeckt ist. Von Allmannshausen führt die Wanderung dann hinab ans Seeufer. Wer statt der bequemen Seeburgstraße den ruhigen – oft aber sehr matschigen – Steig durch den Höllgraben wählt, erblickt unten am Ufer zunächst die „Seeburg“. Im Stil einer mittelalterlichen Kaiserpfalz ließ sich der Münchner Bauunternehmer Heinrich Hoech 1889 die burgähnliche Villa erbauen. Weiter nördlich kommt auch die Seeburgstraße ans Ufer herunter, dem wir nun längere Zeit nordwärts folgen.

Anders als im Hochsommer, wo sich hier Radler, Badegäste und Wassersportler tummeln, ist der Uferweg im Frühjahr schön ruhig. Hier unten ist der See auch wieder ganz „Fürstensee“, wie das Schloss Allmannshausen rechter Hand beweist. Lokale Grafen erbauten es schon vor über 300 Jahren. Später zieren Lüftlmalereien von „Malerfürst“ Wilhelm von Kaulbach eine der schönsten Villen am See, das „Himbsel-Haus“, einst erbaut für den gleichnamigen königlichen Baurat. In Leoni dann wandern wir durch eines der exklusivsten und teuersten Wohngebiete weit und breit. Wie wohlhabende Bauherren schon vor über 100 Jahren das Ostufer des Starnberger Sees entdeckten, beschreibt Oskar Maria Graf in seinem Roman „Das Leben meiner Mutter“. Dort zitiert er einen Spekulanten mit den Worten: „Die Luft riecht jetzt immer so gut! Ein ganz besonderer Geruch ist das! Ich riech‘ ‚den Profit‘!“ Die letzte Station der geschichtsträchtigen Tour erinnert an den wohl berühmtesten Adligen am See, den Kini. Zu Füßen der heutigen Votivkapelle ertrank Ludwig II. am 13. Juni 1886 – bis heute unter ungeklärten Umständen – im Wasser des „Fürstensees“.

von Christian Rauch

RUNDTOUR BEI BERG

ANFAHRT – Von Norden über die A 95 / A 952, Ausfahrt Percha. Oder von Süden über die A 95, Ausfahrt Wolfratshausen, über Münsing, jeweils nach Berg hinein. In Ortsmitte über Grafstr., Wittelsbacher Str. und Waldstr. zum Parkplatz Ecke Mühlgasse / Waldstraße. Bahn: Von der S-Bahn-Station Starnberg mit dem Schiff nach Berg. Bis Ende April nur am Wochenende, Fahrplan siehe: www.seenschifffahrt.de/starnberger-see/fahrplan/fahrplan-und-fahrbetrieb. Von der Anlegestelle in Berg links, dann die Straße „Ölschlag“ hinauf und oben rechts zum Ausgangspunkt am oben genannten Parkplatz.

TOUR – Gehzeit: ca. 3 bis 3,5 Stunden. Höhenunterschied: ca. 200 Meter. Fußwege und Straßen, viele kleine Auf- und Abstiege. Streckenweise nass oder matschig. Vom Parkplatz rechts gegenüber der Zufahrtsstraße die Stufen und links den Fußweg hinauf. Auf dem folgenden Sträßchen links, dann rechts die Bäckergasse hinauf zum Oskar Maria Graf-Stüberl. Rechts zur Kirche. Links in den König-Ludwig-Weg und hinter Hausnummer 9 rechts, am Kindergarten vorbei. Wo die Maxstraße links abzweigt, rechts auf Waldweg und auf ihm links weiter. Wo er rechts steil Richtung See hinabführt, links zu einem Teersträßchen hoch und auf ihm links hinauf. Oben rechts in den Hangweg. Zwischen Villen den Fußweg weiter, dann links die Teerstraße hinauf. Oben rechts ab in den Fußweg und weiter Richtung „Assenhausen-Allmannshausen“. Nach dem Waldcafe links in den Ignatiusweg. Unter dem großen Gebäude vorbei zum Rottmann-Denkmal, dann rechts hinab und die folgende Querstraße rechts. Unten links über die Dürrbergstraße nach Assenhausen. Rechts in den Schluchtweg, dann links ab zum Bismarckturm. Auf dem Weg links der Infotafel zu einem Parkplatz. Nach ihm rechts landwirtschaftl. Weg bis Allmannshausen. Am Maibaum links hinab, dann rechts zur Feuerwehr. Nun entweder links über den Schwarzweiherweg und dann im Höllgraben am Bach (schön, aber u. U. sehr matschig) rechts zum Seeufer hinab oder auf Teerstraße (Seeburgstraße) zum Seeufer. Auf der Uferstraße (Assenbucher Straße) rechts und längere Zeit auf ihr weiter, vorbei am Schloss Allmannshausen und der Villa Himbsel. Nach Seehotel Leoni links Richtung „König Ludwig Votivkapelle“. Kurz nach einem Tor auf Weg links Richtung Seeufer. Unterhalb Votivkapelle vorbei und über Steig rechts hinauf zur Terrasse mit Totenleuchte und über Stufen zur Kapelle. Dahinter oberhalb Weg links Richtung Berg. Im Ort links Wittelsbacher Str. hinab. Gegenüber dem Tor von Schloss Berg rechts über Mühlgasse zum Parkplatz.

KARTE – Kompass-Karte 180, Starnberger See.

TIPP – Kulturwanderungen um Starnberger See und Ammersee in der aktualisierten Auflage des Buches „Fünfseenland“ (Christian Rauch, Bergvlg. Rother, 16,90 Euro).

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