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Beeindruckend: Die bizarre Landschaft mit dem Hochwanner (li. oben) beim Abstieg zum Steinernen Hüttl.

Steinernes Hüttl: Eingegraben im Berg

„Ah, das ist die Zugspitze!“ Verwundert bemerken viele Wanderer am Feldernjöchl eine etwas andere Ansicht von Deutschlands höchstem Berg.

Kein Wunder, das Feldernjöchl liegt auf der Tiroler Südseite und ein ordentliches Stück Aufstieg vom Talort Ehrwald ist es bis dorthin. So lohnt es sich, die ersten 500 Höhenmeter in der Ehrwalder Almbahn zu überwinden. Auf dem Weg Richtung Hochfeldernalm ist der Blick dann erst mal nur nach Süden frei, auf die mächtigen Felsgipfel der Mieminger Kette. Doch ab dem Brandjoch ändert sich das Bild. Zunächst zeigt sich links unten das Gatterl, das bekannte Felsentörl als südlichen Durchschlupf zum Zugspitzplatt. Und dann, auf dem Weiterweg vom Feldernjöchl zum Kotbachsattel weitet sich langsam der Blick: Kilometerweites Geröll, ganz oben die Gletscher- und Firnfelder, über allem der üppig bebaute Zugspitzgipfel und rechts der gewaltige Jubiläumsgrat.

Natürliche Kühlung im Quellwasser

Einen solchen Blick erlaubt das Dach Deutschlands von kaum einem anderen Punkt aus. Doch auch die nahe Sicht beeindruckt hier. Auf dem Weiterweg Richtung Steinernes Hüttl taucht man in eine bizarre Landschaft ein, in der sich grüne und ockerbraune Steilgrasflanken mit grauen Sand- und Schuttreißen mischen. Vom Kotbachsattel blickt man sodann auf dunkelgrüne Latschenfelder, zwischen denen die Schuttreißen orange- bis rostrote Felsenmergel freigesetzt haben. Murmeltiere pfeifen und dazu der Wind, der hier von Südwesten, vom Fernpass aus, aufkommt.

Den Mutigen kann ein kurzer, aber wegloser Abstecher rechts auf steinigem Grat zum Haberlehnkopf, kurz „Haberlenz“, bringen, einer der kaum bekannten, doch aussichtsreichen Gipfelchen auf der Wetterstein- Südseite.

Doch die eigentliche Überraschung steht erst noch bevor: eine Berghütte der ungewöhnlichen Art. Benannt als das „Steinerne Hüttl“ ist sie halb im Berg eingegraben, klein und urig. Seit den legendären Zeiten von Hüttenwirt Franz Jordan können einem hier jederzeit feucht-fröhliche Schnapsrunden oder ein Standl mit der Knopforgel begegnen. Bier und Getränke stehen zur Selbstbedienung im Holzbrunnen – gut gekühlt dank kaltem Quellwasser – und die kleine, feine Speiskarte offeriert Schmalzbrot, Braten und Kuchen.

Der Leutascher Alfred Ripfl bewirtschaftet das Hüttl seit Franz’ Abschied vor rund fünf Jahren zusammen mit seiner besseren Hälfte, der Ruth. Und der Alfred steht Urgestein Franz mit deftigen Sprüchen nicht viel nach. Im kernigen Tiroler Dialekt begrüßt er neue Gäste ebenso wie Hüttenpferd Fany, die gern mal die Terrasse betritt und durchaus routiniert zwischen den wenigen Tischen hindurch schreitet, um ein Stückchen Brot zu ergattern.

Von dieser herzlichen Atmosphäre Abschied zu nehmen fällt immer schwer, zumal der Blick nach Norden auf den Hochwanner und nach Süden auf die Hohe Munde sowie links dahinter auf den eisglänzenden Hintertuxer Olperer einmalig ist.

Doch der Abstieg hinunter ins Gaistal bringt weitere eindrucksvolle Ausblicke, etwa auf die riesige Nordkante der Mieminger Hochwand und bei der Tillfussalm dann eine weitere Einkehr. Gleich neben der Alm steht das ehemalige Jagdhaus des Schriftstellers Ludwig Ganghofer. Von 1896 bis 1918 war er hier Jagdpächter über mehr als 20 000 Hektar Fläche. Sein Jagdhaus „Hubertus“ wurde zum Treffpunkt zahlreicher Künstlerfreunde, wie Ludwig Thoma, Hugo von Hofmannsthal und Richard Strauss. Nach so vielen Eindrücken kann uns auch der Gegenanstieg nicht schrecken, der beim Rückweg zur Ehrwalder Alm leider nicht zu vermeiden ist.

Christian Rauch

STEINERNES HÜTTL/GAISTAL

ANFAHRT Über die A95 und B2 nach Garmisch-Partenkirchen und über Griesen nach Ehrwald. In Ehrwald der Beschilderung zur Ehrwalder Almbahn folgen. (Anfahrt Ehrwald auch aus Richtung Augsburg oder Ulm über Füssen bzw. Pfronten und Reutte.) Mit der Bahn: Zugverbindung München-Garmisch- Ehrwald. Vom Bahnhof zur Ehrwalder Almbahn ist es zu Fuß allerdings ziemlich weit, teils fahren Busse. (http://www.zugspitze.com/ehrwalderalmbahn/de/busfahrplan. html)

TOUR Gehzeit: 5,5 – 6 Stunden, Höhenunterschied: knapp 1000 Meter. Dies gilt bei Berg- und Talfahrt mit der Ehrwalder Almbahn! Daher auf die Fahrzeiten achten.

ANFORDERUNGEN Durchwegs gute, beschilderte Bergwege, Trittsicherheit und Kondition allerdings empfehlenswert. Mit der Ehrwalder Almbahn zur Ehrwalder Alm (1502 m). Den Beschilderungen zum Gatterl und Feldernjöchl folgend über die Hochfeldernalm hinauf zum Sattel „Am Brand“ (2120 m). Jenseits kurz hinab zum Feldernjöchl und rechts wieder hinauf in den Kotbachsattel (auch Wannigjöchl, höchster Punkt der Tour, 2186 m). (Rechts kurzer wegloser Abstecher auf den Haberlehnkopf, 2263 Meter, möglich. Für Bergerfahrene und Trittsichere unschwierig.) Vom Kotbachsattel hinab zum Steinernen Hüttl (1925 m) und rechts weiter abwärts zur Tillfussalm im Gaistal (1382 m). Daneben das ehemalige Jagdhaus Ganghofers (nicht zu besichtigen). Unten auf der Forststraße rechts halten und über den Igelsee zurück zur Ehrwalder Alm. (Alternative: später noch mal rechts abzweigen und über die Pestkapelle, abwechslungsreicher, aber nochmals knapp 100 Höhenmeter mehr.) Mit der Bahn wieder hinab zur Talstation.

INFORMATIONEN/EINKEHR Ehrwalder Almbahn, Fahrzeit bis September 8.30 Uhr bis 17.45 Uhr, im Oktober bis 16.45 Uhr (beachten, da man sonst noch ca. 45 Minuten zur Talstation hinunter laufen muss!) Berg- und Talfahrt 13 Euro, Kinder/Jugendliche 8 – 10,50 Euro. Steinernes Hüttl, geöffnet je nach Wetter bis Anfang/Mitte Oktober. Auch Übernachtung möglich! http://www.steinerneshuettl. eu Handy: 0043- 664-5516-344.

KARTE Kompass-Karte Nr. 7, Wander- und Bikekarte. Werdenfelser Land/Zugspitze

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