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Auf Schritt und Tritt: Wie ist mein Puls, wie viele Schritte bin ich heute gelaufen, wie viele Stockwerke?

Zwölf Modelle im Test

Stiftung Warentest: Was taugen Fitness-Armbänder wirklich?

Sie zählen Schritte, messen die Herzfrequenz, errechnen den Kalorienverbrauch – und sollen ihre Träger motivieren, aktiver zu leben: Fitnesstracker verkaufen sich blendend. Doch was taugen die Armbänder wirklich?

Fitnessarmbänder sind begehrt. Marktstudien gehen für 2015 von 46 Millionen verkauften Geräten weltweit aus. Das Versprechen der Hersteller, den inneren Schweinehund mit technischen Hilfsmitteln zu besiegen, trifft offenbar den Zeitgeist. Fitness-tracker, wie die Armbänder auch heißen, sollen ihre Träger zu einem aktiven und gesunden Lebensstil motivieren – und ihnen den Spiegel vorhalten, wenn sie das Bewegungssoll an einem Tag noch nicht erfüllt haben.

Wie gut das funktioniert, hat Stiftung Warentest für die Zeitschrift „Test“ (Januar 2016) an zwölf Geräten getestet – sechs einfachen Modellen und sechs, die auch die Herzfrequenz messen. Zwar zählen alle Armbänder die Schritte der Nutzer, berechnen die zurückgelegte Distanz und ermitteln den Kalorienverbrauch. Die Ergebnisse sind aber oft unpräzise. Teils ist auch beim Datenschutz noch Luft nach oben. Zwei Geräte sind mit Schadstoffen belastet: Jawbone UP3 (180 Euro) und Jawbone UP2 (120 Euro). Die beiden Armbänder enthalten erhöhte Mengen des Weichmachers DEHP, der die Fortpflanzungsfähigkeit beeinträchtigen kann. Damit gefährden die Bänder die Gesundheit, statt sie zu fördern, so die Tester. Mit dem Jawbone UP3 schneidet zudem ausgerechnet das teuerste Modell im Test mit „Mangelhaft“ ab.

Nur zwei Armbänder schaffen dagegen das Urteil „Gut“: Am besten funktioniert Garmin Vivofit für 89 Euro (Note: 2,3) – gefolgt von dem besser ausgestatteten Garmin Vivo-smart für 159 Euro inklusive Brustgurt (Note: 2,0). Genaue Ergebnisse bei der Herzfrequenz liefern lediglich die Geräte mit Brustgurt von Garmin und Polar (140 Euro, Note: 2,6). Ein einfacher und billiger Lauftracker ist Xiaomi Mi Band für 25 Euro (Note: 3,1). Er zeigt Schritte genau an, lässt sich aber ohne Handy-App kaum nutzen.

Selbst die besten Tracker liefern nur beim Laufen und Gehen brauchbare Ergebnisse. Alltagsbewegungen wie Tisch abwischen oder Staubsaugen verfälschen die Resultate. Wer sein Armband beim Schwimmen, Tanzen oder Rudern trägt, sollte ebenfalls nicht auf aussagekräftige Daten hoffen. Kein Produkt im Test ermittelte auch nur annähernd die Distanz einer Fahrradtour von zehn Kilometern. Wer wissen will, ob er sein Bewegungssoll erfüllt hat, kommt mit dem Tracker alleine deshalb nicht weit. Zwar zeigen sieben Modelle die wichtigsten Daten auf einem Display oder einer LED-Matrix. Weitere Auswertungen liefert aber erst die App auf dem Smartphone, das sich über den Kurzstreckenfunk Bluetooth mit dem Band verbindet. Fünf Modelle sind so dürftig ausgestattet, dass Nutzer stets auf die App angewiesen sind.

Sechs der Fitnessarmbänder ermitteln auch die Zahl der Herzschläge pro Minute. Die meisten erfassen sie über Sensoren am Handgelenk; diesen Werten sollte man nicht vertrauen, raten die Tester. Die Ergebnisse waren ungenau. Verlassen können sich Nutzer hingegen auf die Werte der Geräte, die mit Brustgurt messen. Den Gurt gibt es allerdings nur gegen Aufpreis.

Fitnessarmbänder selbst speichern Messergebnisse meist nur ein paar Tage. Dauerhaft abrufbar sind die Daten nur in der App. Hier kann der Nutzer auch Trainingspläne anlegen oder Schlafanalysen abrufen. Diese Informationen laden die Anbieter in die Cloud, also auf einen externen Speicher. Der Nutzer muss dafür ein Konto anlegen, das oft Alter, Größe und Gewicht enthält. Beim Schutz der Daten fällt der Anbieter Fitbit negativ auf: Wenn der Nutzer Freunde einlädt, überträgt die App für Geräte mit Android-Betriebssystem sämtliche E-Mail-Adressen – ohne ihn zu informieren.

Da die Tracker rund um die Uhr getragen werden, sollten sie kaum zu spüren sein. Doch das ist nicht immer der Fall. Manche drücken, andere öffnen sich unbeabsichtigt, darunter die von Jawbone. 

mm

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