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Ausschließlich auf schmalen, jedoch unschwierigen Wegen geht es hinauf zum Gipfel der Fleischbank auf 2026 Meter.

Einsame und abwechslungsreiche Wanderung im Vorkarwendel

Stiller Schönling

Fleischbank – kein charmanter Name für einen Berg. Alpine Gourmets verbinden ihn aber mit großartigen Kletterrouten im Kaisergebirge.

Pioniere wie Hans Dülfer und Mathias Rebitsch sowie auch Profi-Bergsteiger Stefan Glowacz und viele andere haben an der Fleischbank Klettergeschichte geschrieben...

Weniger geschichtsträchtig, weniger alpin, doch für den Bergwanderer umso lohnender ist ein gleichnamiger Berg im Vorkarwendel. Diese harmlose Version der Fleischbank hat einen sonnseitigen Anstieg und ist daher früh im Jahr schneefrei. Eine ideale Wanderung also für den frühen Bergsommer, die allerdings später im Jahr – bei großer Hitze – extrem schweißtreibend werden kann. Genussreich auch, dass man sich ausschließlich auf kleinen Wegen und Pfaden bewegt. Hier gibt es keine langweiligen Forststraßen, sondern nur einen Steig, der wunderschön über den steilen, licht bewaldeten Hang hinauf zieht.

Abwechslungsreich ist die Route, ein Bächlein wird überquert, ruhig geht es zu, ja sogar beschaulich. An keiner Stelle ist der kleine Weg schwierig und auch die Orientierung bereitet keinerlei Probleme. Weil die Fichten, Lärchen und Zirben hier nicht dicht gedrängt, sondern in großem Abstand voneinander wachsen, hat man schon im Waldbereich einen tollen Blick – aber eben auch selten Schatten.

Nach etwa eineinhalb Stunden kommt man an der Steilegg-Jagdhütte vorbei. Ein herrlicher Platz, um in der Morgensonne zu rasten, ein zweites Frühstück einzulegen und den Durst zu stillen. Dann geht es ins Latschengelände und immer großartiger wird das Panorama. Am Ende führt die Route in Gratnähe hinauf zur überraschend breiten, grasigen Gipfelfläche. Man rastet am höchsten Punkt oder wandert noch zum Kreuz hinüber, das einige Meter östlich unterhalb steht. So oder so genießt man einen fantastischen Ausblick. Der Gipfel gewährt Einblicke in die Achensee-Berge, einen gewaltigen Tiefblick ins Rißtal zum berühmten Ahornboden und Ausblicke auf die großen, felsigen Karwendel- Berge der sogenannten Vomper Kette. Wie Furchen ziehen sich das Johannes- und das Laliderertal nach Süden.

Wer wirklich trittsicher und schwindelfrei ist, der kann sogar eine lohnende, jedoch deutlich anspruchsvollere Überschreitung anschließen. Richtung Osten ginge es dazu am Hölzelstal- und Grasbergjoch vorbei zur Grasbergalm und von dort hinunter ins Tal. Allerdings sollte man sich hier ein Radl deponieren, um nicht zu Fuß entlang der Straße zurück zum Ausgangspunkt weiterwandern zu müssen. Denn das wäre ein etwas nerviger und somit unwürdiger Abschluss der schönen Runde.

Aber auch ohne Überschreitung ist die Fleischbank eine lohnende Unternehmung. Und dass die Fleischbank im Karwendel nicht halb so berühmt ist wie die im Kaisergebirge, kann jeden Liebhaber stiller Bergwanderungen nur freuen...

Fleischbank (2026 Meter)

Anfahrt

Über Bad Tölz und Lenggries zum Sylvensteinstausee. Alternativ: Über Tegernsee, Achenpass zum Sylvensteinstausee. Über Fall bis Vorderriß. Richtung Engtal. An Hinterriß vorbei. 700 Meter nach der Mautstelle findet man links der Straße – unweit der Fuggerangeralm – eine sehr kleine Parkbucht mit dem Hinweisschild zur Fleischbank. Bahn: Bahnhof Lenggries, dann Bergsteigerbus in die Eng (www.rvo-bus.de; Tel.: 089 / 55 16 40)

Tourdaten

Fuggerangeralm (960 m) bis Fleischbank (2026 m) = 1066 Höhenmeter; bei Überschreitung ca. 1150 Hm. Aufstieg: knapp 3 Stunden; Abstieg über den Anstiegsweg: knapp 2 Stunden; Abstieg über Grasbergalm zur Kreuzbrücke (bei Überschreitung): 2,5 Stunden.

Tour

Man folgt dem Schild „Fleischbank“ weglos über die Wiese. Dabei hält man sich rechts und wandert einige Meter parallel zum rechts verlaufenden Bach, ehe man an einer Furt die Seite wechselt. Hier findet man auch erste Markierungen. Auf der anderen Bachseite folgt man den Steigspuren den Hang durch lichten Hochwald hinauf. Man quert den Bach erneut und setzt den Weg in der Südflanke bis zur Steilegg-Jagdhütte (1520 m) fort. Unmittelbar vor ihr zielt der Weg nach rechts; den alten Abzweig zum Schönalmjoch (verblasster Pfeil) ignoriert man. Durch die Latschenzone in Richtung Gipfel (eine weitere Abzweigung zum Schönalmjoch lässt man links liegen). Danach gabelt sich der Weg. Links zum Grat und über diesen unschwierig, aber stellenweise ein bisschen exponiert, zum höchsten Punkt.

Überschreitung

Geübte, trittsichere und konditionsstarke Wanderer können die Tour zu einer Runde ausbauen. Dazu überschreitet man den Gipfel und steigt vom Kreuz der Fleischbank entlang des Kammes Richtung Osten ab. Kurz nach dem Gipfel wird es sehr steil, dann folgt ein gutes Wegerl, das die latschenbewachsenen Südhänge des Hölzelstaljoch quert. Kurz vorm Grasbergjoch muss man eine mit schwachem Drahtseil gesicherte Rinne erklimmen, ehe sich der Steig in gewohnter Manier fortsetzt und auch diesen Gipfel traversiert. Danach geht’s über den Südost-Rücken zur Grasbergalm (1540 m). Nun wandert man auf breitem Wirtschaftsweg in westlicher Richtung hinab, bis man in Höhe der Kreuzbrücke auf die Sraße durchs Engtal trifft. Hier per vorher deponiertem Fahrrad oder ggf. per Anhalter zurück zum Ausgangspunkt. KARTE – Kompass 182 Isarwinkel.

Bernhard Ziegler

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