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Hoch über dem Nebelmeer im Isartal wandert man vom Sylvensteinspeicher her auf die nur 1428 Meter hohe Hochalm, von der man bei klarer Sicht gen Süden sogar den Großglockner sehen kann.

Kuppe mit Glocknerblick

Von Süden her auf die Hochalm bei Lenggries

Angeblich gibt es immer noch Menschen, die sich nicht per GPS in die Berge navigieren lassen, sondern einen Blick auf eine richtige Karte werfen.

Wer so etwas tut, wird sich vielleicht wundern: Warum nur lotst der Merkur seine Leser bis zum Sylvenstein-See, wenn man bereits einige Kilometer südlich von Lenggries zu einer Tour auf die Hochalm starten könnte?

Die schlichte Antwort lautet: Weil wir sie nicht in eine schattige Nordflanke, sondern auf die Sonnenseite des Wanderns schicken wollen. Außerdem: Der landschaftlich abwechslungsreichste Weg auf die Hochalm führt von Süden empor. Schon nach wenigen hundert Metern kommt man an einem idyllischen Wildbach vorbei. Wer Kinder dabei hat, aber nicht gleich eine Spielpause einlegen will, kann einfach das Versprechen abgeben: Auf dem Rückweg werden die spannenden Gumpen noch ausgiebig erkundet. Hoch über dem tief eingeschnittenen Gewässer geht es im herrlichen Mischwald weiter bergan. Buchen und Bergahorn leuchten um die Wette. Und je später man im Jahr dran ist, desto mehr Sonnenstrahlen fallen durch die lichten Bäume auf den belaubten Boden. Richtig sonnig wird es schließlich in Höhe der genauso urigen wie unbewirteten Höllei-Alm. Auch bei der etwas weiter oben gelegenen Mitter-Alm sollte man sich nicht auf eine Brotzeit verlassen. Denn ihre Sennerin ist jetzt im Oktober nicht unbedingt vor Ort. 

Nach einem letzten schönen Waldanstieg tritt man urplötzlich auf die breite Wiesenkuppe der Hochalm hinaus. Deren Gestalt ist so ziemlich das genaue Gegenteil des Matterhorns. Und trotzdem kommen echte Gipfelgefühle auf. Denn die nur 1428 Meter hohe Erhebung hat tolle Ausblicke unter anderem auf Roßstein, Blauberge, Rofan, Karwendel und Wetterstein zu bieten. Bei guter Fernsicht ist ganz im Südosten sogar der berühmte Großglockner zu erkennen. Von den bereits 1529 urkundlich erwähnten Almgebäuden selbst sind übrigens nur noch Kalkblöcke der Grundmauern vorhanden. Dafür lohnt es sich, nach anderen Gesteinen Ausschau zu halten. Der Hirte von der Höllei-Alm suchte einer alten Legende zufolge einst seine Geißen und stieg bis zur Hochalm hinauf. Dort entdeckte er einen Felsen aus reinstem Gold. Der Hirte wollte sich ein Stück abschlagen, aber sein Hirtenhackl war ihm zu wertvoll dafür. Deswegen stieg er wieder zur Höllei-Alm hinab, um seinen Pickel zu holen. Als er wieder oben war, war jedoch von dem Gold nichts mehr zu sehen. 

Wer kein Edelmetall findet, kann stattdessen hier oben im Herbst einen beeindruckenden Natur-Kontrast erleben: Wenn der weiße Talnebel von Norden her an der Hochalm leckt und das Isartal in dicke Watte hüllt, stört oft kein einziger Kondensation-Tropfen den sonnigen Abstieg nach Süden. Dieser sollte – nicht nur wegen der kurzen Tageslänge – nicht zu spät erfolgen. Wie anfangs erwähnt kann man auf dem Rückweg noch einen kleinen Abstecher entlang des ersten Baches unternehmen. Ein schmaler Pfad führt zu dessen beeindruckend steilen Talschluss. Wer ganz nach hinten zum Wasserfall möchte, muss allerdings eine kleine Klettereinlage bewältigen. Was man sich aber gut überlegen sollte. Schließlich braucht man jetzt im Herbst nicht unbedingt eine kalte Dusche...

Von Michael Pröttel

Hochalm (1428 Meter)

ANFAHRT – A 8 München – Salzburg, Ausfahrt Holzkirchen. Über Bad Tölz und Lenggries zum Sylvensteinspeicher. Hier Richtung Achensee. Ca. 200 m nach dem Ende des Speichersee linkerhand ein großer Wanderparkplatz. 

TOUR – Hin und zurück 3 ½ Std.; Strecke: 7 Km. Höhendifferenz: 650 Hm. Start/ Ziel: Wanderparkplatz (780 m). Verlauf: Vom Parkplatz aus folgt man in östlicher Richtung einer schmalen Forststraße. Nach einigen hundert Metern wird ein Bach gequert. Der Weg wird zum Bergpfad und steigt kurz steiler empor. Dann führt der wieder etwas breitere Weg oberhalb eines Grabens nach Norden weiter. Ohne Orientierungsprobleme geht es in derselben Richtung durch lichten Bergmischwald deutlich flacher weiter. Der Weg wird wieder etwas steiler und man erblickt die unbewirtete Höllei-Alm, die man rechts liegen lässt. Bei einer Gabelung hält man sich links und überquert einen Bach. Nun steiler bergan. Nach einem Absatz folgt eine Hangquerung in lichtem Wald, bevor der Weg zu den Wiesen der Mitterhütte führt. Man hält sich links, steigt einen bewaldeten Rücken bergan und kommt an einer forstlichen Diensthütte vorbei. Bald dahinter tritt man ein letztes Mal aus dem Wald heraus und erreicht das Wiesengelände der Hochalm, an dessen höchstem Punkt ein großes Gipfelkreuz steht. 

KARTE – Kompass-Karte 182, Isarwinkel. 

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