+
Der Elektromotor des „Spitzing“ ist nur 4,5 Kilo schwer und leistet maximal 850 Watt (knapp 1,2 PS). Er stellt fast über den ganzen Drehzahlbereich satte 120 Nm Drehmoment parat. Das ist mehr, als der Vierzylindermotor manches aktuellen Kleinwagens zustande bringt. Die Fahrleistungen des Super-Pedelecs sind dementsprechend: Spitzengeschwindigkeit 75 km/h, ­Beschleunigung von 0 auf 50 km/h in 7,5 Sekunden. Zisch und weg!

Radikales Radl

Münchner Firma zeigt das schnellste R-Pedelec der Welt

München/Friedrichshafen - Jüngstes Projekt des Familien-Unternehmens Fritzmeier: ein Super-Pedelec namens Spitzing – ein Elektro-Radl für den Renneinsatz. Laut Hersteller das schnellste seiner Art weltweit!

Die Messe Eurobike: Hier wird das neue Radl gezeigt.

Traktor-Verdecke sind zweifelsohne wichtige Produkte. Dass man damit weltweit gute Geschäfte machen kann, zeigt das 1926 als Sattlerei gegründete Familien-Unternehmen Fritzmeier aus Großhelfendorf (Gemeinde Aying) eindrucksvoll. Rund 3000 Mitarbeiter beschäftigt Firmenchef Georg Fritzmeier weltweit, davon rund 150 Ingenieure. Aber sexy sind die Nutzfahrzeug-Kabinen trotz aller Hightech-Komponenten nicht. Doch fürs Gemüt und fürs Gefühl sind ja bei Fritzmeier traditionell außergewöhnliche Sportgeräte zuständig. Jüngstes Projekt der Großhelfendorfer: ein Super-Pedelec namens Spitzing – ein Elektro-Radl für den Renneinsatz. Laut Hersteller das schnellste seiner Art weltweit!

Zurück zu den Anfängen der höchst dynamischen Tüftler-Abteilung: Mit der Herstellung von so genannten Dyas-Booten verdient sich Fritzmeier von 1972 bis 1986 Sporen im Segelsport. Dann Paukenschläge auf Schnee und Wasser, mit Skiern und Surfbrettern (siehe unten).

Der nächste Fritzmeier-Hammer fällt 1994. Gerade mal 1350 Gramm wiegt der Karbonrahmen des Kult-Mountainbikes Magma Red Hot. Die Radlszene ist elektrisiert. Zusammen mit Mercedes arbeiten die unter dem Namen M1 Sporttechnik firmierenden Zweirad-Experten an einem klappbaren Bike für den Cabrio-Kofferraum. Obwohl die Schwaben letztlich aussteigen, feiert 1998 das M1 Duo Premiere. 2012 bildet dieses Radl dann auch die Basis für das erste teilbare ­E-Bike namens Secede.

Weitere hochwertige Bikes mit und ohne Elektro-Antrieb folgen. Es gibt auch Modelle wie das Magma oder das Sedan, die beide Antriebsvarianten bieten: Dank der im Flaschenhalter steckenden Akkus und der Antriebstechnik im Hinterrad lassen sie sich als 18 Kilo schwere E-Bikes oder als zehn Kilo schwere Sporträder ohne eingebauten Rückenwind nutzen – Hinterrad-Tausch genügt.

Jetzt also die Krönung, das Spitzing. Als „R-Pedelec“ bezeichnet M1-Sporttechnik-Sprecher Leo Schmid die Neuentwicklung, die heute auf der Eurobike in Friedrichshafen Premiere feiert. „R“ steht für „Race“ – also „Rennen“ – und signalisiert: Auf öffentlichen Straßen ist dieser Feger nicht zugelassen. Kernstück des Spitzing ist ein neuartiger Antrieb, den der Luft- und Raumfahrtspezialist TQ-Systems vom Ammersee entwickelt hat. Die M1-Macher sprechen stolz vom „schnellsten R-Pedelec der Welt“.

Als Spielerei sehen seine Schöpfer das Über-Radl definitiv nicht. Das Ergebnis der Kooperation mit TQ-Systems sollte laut M1-Sporttechnik- und Fritzmeier-Geschäftsführer Robert Wittmann „das technisch Mögliche aufzeigen“. Aber mit alltagsgerechtem Hintergrund. Wittmann: „Selbstverständlich wird es das Spitzing auch als straßentaugliche Pedelec- und S-Pedelec-Versionen geben.“ Die fahren dann maximal versicherungsfreie 25 oder versicherungspflichtige 45 Sachen. Preise werden noch nicht genannt.

Gregor Rudolph

Sportlich mit Robby & Rosi

Ob in der Kälte oder in der Hitze, zu Wasser oder zu Land: Georg Fritzmeier und seine Leute haben schon immer extreme Sportgeräte entwickelt. Zuerst Segelboote (siehe auch Text oben), dann ging’s mit Skiern weiter. Und zwar gleich mit einer ganz Großen, nämlich Gold-Rosi Mittermaier, der Olympia-Heldin von Innsbruck.

Sie ist auf Vollkunststoff-Skiern talwärts gerast – erdacht von Fritzmeier. Im Jahr 1977 werden die Oberbayern außerdem Mitbegründer der Firma Mistral, auf deren Brettern Surf-Legende Robby Naish 19 WM-Titel holte. Das Spitzing-Radl, der jüngste Spross der Familie, hat also eine sportliche Verwandtschaft …

Quelle: tz

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare