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Sympatex-CEO Rüdiger Fox im Interview.

Sympatex klagt gegen Goretex

Sympatex-CEO Rüdiger Fox: "Mit Vollgas auf die Klippe zu"

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Sympatex aus Unterföhring hat eine Einstweilige Verfügung gegen Weltmarktführer Gore aus Putzbrunn erwirkt. Das sagt Sympatex-CEO Rüdiger Fox.

Warum geht Sympatex juristisch so massiv gegen Gore vor? 

Deren Grundidee, auf ökologisch bedenkliche PFCs verzichten zu wollen, ist ja gut. Uns stößt aber sauer auf, dass Gore so tut, als sei das Thema damit erledigt. Wenn jemand in einer Branche, in der es eigentlich um intakte Natur gehen sollte, bereit ist, massive Kollateralschäden an der Umwelt in Kauf zu nehmen, ist das befremdlich. Gore leitet zwar überfällige Schritte ein, seine Ökobilanz zu verbessern, aber dies darzustellen, als sei nun alles in Ordnung, werte ich als relativ hohe Dreistigkeit. Deshalb haben wir die Scheinwerfer darauf gerichtet.

Was erwarten Sie? 

Alternative Fakten“ haben im Umweltbereich nichts zu suchen. Wenn ein Global Player wie Gore bei diesem Thema wegschaut, können wir das nicht im Raum stehen lassen. Wir haben Gore einen offenen Dialog angeboten, um die ökologischen Probleme bei der Herstellung von Funktionstextilien gemeinsam anzugehen. Leider kam keinerlei Reaktion. Dabei wäre es ein gutes Signal an die gesamte Branche, wenn wir jetzt miteinander reden und eine gemeinsame Agenda für Nachhaltigkeit zimmern würden.

Ist die Situation so schlimm? 

Die Verantwortung, die wir gegenüber künftigen Generationen haben, muss weiter gehen als das Bisherige. Erderwärmung, Wassermangel: All diese Kollateralschäden bekommen wir gar nicht in Rechnung gestellt. Ich habe drei Kinder, denen gegenüber muss ich irgendwann Rechenschaft ablegen.

Das klingt nach viel Idealismus. 

Nein, es geht mir nicht um Idealismus – dahinter steckt brutaler Realismus! Denn wir kommen an einen Punkt, ab dem es für uns alle existenzgefährdend wird. Es gibt für alles einen „Global Footprint“, also den ökologischen Fußabdruck, den wir hinterlassen. Es ist ungefähr so, als ob jemand jeden Monat das 1,5-Fache seines Gehalts ausgeben würde. Das kann auf Dauer nicht funktionieren – wir fahren mit Vollgas auf die Klippe zu. Daher reagieren wir allergisch, wenn eine Firma wie Gore das wegzudiskutieren versucht, denn das ist Augenwischerei.

Trotzdem wollen die Leute ja Outdoorjacken kaufen. Was müsste die Industrie anders machen? 

Wirtschaftlich und Nachhaltigkeit widersprechen sich nicht – dies zu realisieren wird das Geschäftsmodell der Zukunft sein. Insofern wünsche ich mir in der Branche mehr Ehrlichkeit. Zum Beispiel müsste man den Recycling- Zyklus komplett neu denken: Die Sympatex Membran ist PTFE-frei und PFCfrei. Sie besteht aus reinem Polyetherester und ist daher 100 Prozent recycelfähig. Zusätzlich verarbeiten wir in unseren Ober- und Futterstoffen ohnehin zunehmend schon das, was andere wegwerfen, nämlich PET-Flaschen.

Wenn wir recyceltes Polyetherester verwenden, sparen wir 90 Prozent Wasser, die Kunden indes spüren und sehen fast keinen Qualitätsunterschied. Und: Immer mehr Kunden stellen offen die Frage nach Nachhaltigkeit. Das Bewusstsein dafür wächst also. Ich fände einen offenen Dialog mit Gore sinnvoll, unsere Tür ist offen für eine gemeinsame Agenda oder für Forschungsprojekte. Wir lassen beim Thema ganzheitliche Ökobilanz nicht locker.

Sympatex setzt auf Recycling

Die Marke Sympatex, die heute ihren Hauptsitz in Unterföhring hat, ist 1986 durch den niederländischen Akzo Nobel Konzern als Folge einer Polymer- Patentanmeldung gegründet worden. Der Markenname wurde aus dem Begriffspaar „sympathisch“ und „Textilien“ zusammengesetzt. 2003 übernahm das Textilunternehmen Ploucquet, ein langjähriger Laminierpartner von Sympatex, sowohl den Markennamen als auch die Technologie.

Fortan konzentrierte sich die Gruppe auf die Herstellung von Funktionsmaterialien im Bereich Outdoor- und Arbeitsbekleidung, Schuhe, Accessoires sowie technischen Anwendungsgebieten. Sympatex ist in über 20 Ländern vertreten. Die Firmenphilosophie steht für maximale Ökologie: Sympatex setzt auf eine zu 100 Prozent recycelbare Membran, frei von PTFE.

Mehr zum Thema: Wie umweltfeindlich sind Outdoorjacken? Lesen Sie hier die Hintergründe zur einstweiligen Verfügung gegen Weltmarktführer Gore aus Putzbrunn.

Außerdem: Das sagt Nachhaltigkeitschef Bernhard Kiehl von Gore Fabrics.

Das Interview führte Martin Becker.

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