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Tegelberg: Wo’s am Daumen „bäppt“

Kein schöner Land in dieser Zeit... Und diese Zeit heißt Winter. Vor allem die Gegend rund um Schwangau, dieses südliche Ostallgäu, gehört zum Schönsten, was der Alpenraum zu zaubern vermag – auch wenn das patriotische Oberbayern nicht gerne hören wollen.

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Rollt man heran über den Weiler mit dem schönen Namen Schlauch, wo sich der volle Blick auftut über den breiten Talgrund und die Seen, geht einem das Herz auf. Und selbst wenn das hundertste Titelbild im tausendsten Allgäu-Bildband wieder St. Koloman und dahinter Neuschwanstein zeigt – live, mitten im Schnee, ist das noch bezaubernder. Weil Natur und Architektur eine Symbiose eingehen. Weil das Märchen-Kitsch-Türmchen-Schloss eben doch an die Kinderseele appelliert: Prinzessin, Ritter und Turniergetümmel…

Was das Getümmel betrifft, ist’s rund ums Schloss winters ruhiger und am schönsten ist es eh von der Ferne, etwa vom Logenplatz der Rohrkopfhütte aus. Gisela aus Füssen ist mit Tourenski herausgekommen. Sie, die Ureinwohnerin, sagt eben auch: „Und jedes Mol, wenn’s do so im Fels bäppt, reißt’s mi.“ „Bäppen“ ist ein viel schöneres Wort als „kleben“ und der Tegelberg ein viel imposanterer Berg als so manch anderer „Hügel“. Ein ganzer Bergrücken aus vielen Zacken und Zinnen mit eigenen Namen: Gelbwandschrofen, Daumen, Turm, Torschrofen, Latschenkopf, Hornburg, Rohrkopf, Schnepfling, Neideck, Spitzigschröfle und der Branderschrofen mit 1881 Metern der höchste. Die Bergstation der Bahn schafft immerhin auch 1720 Meter. Und das Panorama-Restaurant hat sich aufs Banner geschrieben, das zweithöchste Restaurant Deutschlands zu sein.

Die Bahn ihrerseits verweist auf den „Bahnsteig, Platform, Quai“ – man ist hier international, viele Gäste kommen „nur“ wegen des „Sightseeing“ rauf. Die anderen stürzen sich in die Abfahrt: die hat 4,2 Kilometer, einen Höhenunterschied von 900 Metern – und ist wahrlich nicht flach zu nennen! Wer sie in einem Rutsch durchfährt, braucht Schmalz in den Wadln.

Wer nach der persönlichen Rekordjagd Zeit für den Einkehrschwung hat: Das Tegelberghaus war früher das königlich- bayerische Jagdhaus von Seiner Majestät Maximilian II. Die Rohrkopfhütte ist die mit der Neuschwanstein- Terrasse. Dann wäre da noch die Drehhütte. Sie liegt etwas abseits des Skibetriebs und ist über den Schutzengelweg von der Tegelberg-Talstation ebenfalls erreichbar oder direkt aus dem Tal herauf. Die Drehhütte gehört zum Thema Rodelklassiker und hier treffen sich nicht bloß gewöhnliche Holzrodel. Nein, hier befindet man sich im hochsportlichen Rodelzirkel all derer, die wissen, dass es auch beim Rodeln aufs Material ankommt. Das stammt aus Burggen, Rodel aus hochwertigen Laubhölzern sind’s, in spezieller Schichtverleimung und Gummilagerung. Der schräge Kufenwinkel (23 Grad) macht aus einem profanen Rodel ein Sportgerät, mit dem man anders um die Kurven pfeift!

Und hinterher heißt’s: Ab ins Bad. Die Kristalltherme Schwangau spielt mit Architekturmotiven des Schlosses. Von den Außenbecken hat man auch stets beste Sicht aufs märchenhafte Gemäuer, in diversen Saunen und Dampfbädern lässt es sich gut abdampfen. Herrlich, wenn’s draußen zapfig wird! Kein schöner Land eben...

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