Auss.: Kompass 4, Füssen – Außerfern; Lizenz: 17-0906-LVB.

Neuschwanstein: Dem König aufs Dach schauen

Füssen - Viele Wege führen nach Neuschwanstein. Die schwindelerregendsten Touren starten auf dem Tegelberg und durchqueren einen Teil des möglichen Nationalparks Ammergebirge.

Erhabene „Nationalpark-Atmosphäre“ hat man an der Talstation der Tegelbergbahn freilich noch nicht: Die Seilbahn ist gut besucht, und Aussichtshungrige, Wanderer und Gleitschirmflieger mit dicken Rucksäcken stehen geduldig an. Doch wer oben dem kurzen, knackigen Gipfelanstieg auf den Branderschrofen folgt, hat die monumentalen Felsketten des Ammergebirges vor Augen. Der folgende Abstieg auf dem Ahornreitweg gibt dann Einblicke in die Geheimnisse der Natur. Lehrtafeln erzählen Spannendes: Über den Kampf des Bergwalds gegen Lawinen; von Biotopen, die im Totholz schlummern, oder von perfekt angepassten Alpenbewohnern, seien es Rot- und Gamswild oder Salamander.

Erhabener Tiefblick vom Marienbrückenweg auf die Schlösser Neuschwanstein und Hohenschwangau.

Wundervoller Bergmischwald Eine Tafel widmet sich dem „König der Lüfte“, dem Steinadler, der auch im Ammergebirge heimisch geworden ist. Wer Glück hat, kann ihn über den Felswänden des Hohen Straußbergs kreisen sehen. Unnahbar wirkt dieser mächtige Berg im Hintergrund, den mangels Weg auch im Sommer kaum Bergsteiger besuchen. So führt uns der Ahornreitweg, den König Max II. 1850 für sich und seine Jagdgäste erbauen ließ, unschwierig nach Westen hinab ins Tal der Pöllat. Hoher Straußberg und Säuling bieten mit ihren Felsabbrüchen linker Hand eine eindrucksvolle Kulisse, während der Branderschrofen rechts seine noch gelblich- braune Steilgrasflanke zeigt. Weiter unten wird der dunkle Fichten- und Tannenwald von mehr und mehr hellgrünen Buchen und Bergahornen durchsetzt – ein wundervoller Bergmischwald. Im Ammergebirge ist er besonders schön ausgeprägt, einer der Gründe für die Nationalpark- Initiative.

Ein Wermutstropfen ist das Teersträßchen, neben der man vom Ende des Lehrpfads bis zum Beginn der Schlosswege ein Stück weit marschieren muss. Doch angesichts der wild schäumenden Pöllat, dem farbenfrohen Mischwald und der Bergkulisse ist auch dieser Abschnitt ein Genuss. Zumal noch weitere Attraktionen locken: die Marienbrücke mit dem berühmten Neuschwanstein- Blick, die Aussicht auf Schloss Hohenschwangau, Alpsee und Tannheimer Berge und schließlich der abenteuerliche Steig durch die tosende Pöllatschlucht.

Wer auf die Lehrtafeln verzichten mag und vor einem Tannensteilen Abstieg, dafür ohne Straßenstück, nicht zurückschreckt, kann ab der Bergstation auch den Marienbrückenweg wählen. Er führt direkt über die von Felstürmen besetzte Westschulter des Tegelbergs zum Schloss hinab – mit imposanten Tiefblicken. Und wer alpinistisch noch mehr vor hat: Seit diesem Jahr führen an der Nordseite des Tegelbergs, unter der Seilbahn, drei Klettersteige hinauf. Neben dem altbekannten, auch für Anfänger geeigneten „Gelbe-Wand-Steig“, fordern die zwei neuen Eisenwege „Tegelbergsteig“ und „Fingersteig“ den geübten Klettersteiggeher – doch nie ohne komplette Ausrüstung

von Christian Rauch

Branderschrofen (1881 Meter)

ANFAHRT – A 96 München – Lindau, Ausfahrt Landsberg- West. Über Schongau Richtung Füssen und kurz vor Schwangau links zur Tegelbergbahn. Oder: A 95, Ausfahrt Murnau. Über Wildsteig und Steingaden zur Tegelbergbahn.

CHARAKTER – Für beide Abstiege ist gutes Schuhwerk und Trittsicherheit nötig (beim Ahornreitweg gibt es noch größere, aber eingetretene Schneefelder). Generell ist der Ahornreitweg bequemer. Abwechslungsreicher, aber steiler und ohne Tafeln ist der Marienbrückenweg.

AHORNREITWEG – Gehzeit: 3,5 Std., Höhenunterschied ca. 1000 Meter. Von der Bergstation auf dem unteren der beiden Wege Richtung Ahornsattel. An Tafeln vorbei zum Branderfleck, dort rechts hinab Richtung Bleckenau. Weiter unten wird der Weg breiter und erreicht eine Teerstraße. An ihr rechts Richtung Parkplatz Hohenschwangau. Wo der Schlosstrubel beginnt, rechts Abstecher hinauf zur Marienbrücke möglich. Sonst abwärts und wenig später rechts Richtung Pöllatschlucht. Kurz vor dem Schloss rechts über viele Stufen hinab in die Schlucht und auf Eisenstegen an ihr entlang. Nach der Schlucht rechts zur Tegelbergbahn- Talstation abzweigen (Beschilderung).

MARIENBRÜCKENWEG – Gehzeit: 3 Std., Höhenunterschied 950 Meter. Von Bergstation links am Tegelberghaus vorbei. Schildern Marienbrücke/Hohenschwangau folgen. Nordseitig hinab, zweimal unter Seilbahn durch. Später auf Südseite des Grats abwärts (Neuschwanstein- Tiefblicke). Über Marienbrücke, am Straßenknick rechts hinab gen Pöllatschlucht. Dann weiter wie oben.

GIPFELABSTECHER – Branderschrofen: Von der Bergstation auf dem oberen Weg leicht zur Branderschrofenschulter (15 Min.). Von dort drahtseilgesichert über einige Felsen auf den Branderschrofen (weitere 15 Min.).

KLETTERSTEIGE TEGELBERG – Vom Parkplatz zum Spielplatz, rechts hinauf zum Bergsportzentrum mit Klettersteig-Tafeln. Dort beginnen alle Zustiege zum Gelbe-Wand-Steig (auch Einsteiger, Klettersteigwertung A), Tegelbergsteig (schwierig, Wertung C) und Fingersteig (sehr schwierig, WertungD). Alle Steige: Klettersteigausrüstung!

INFORMATIONEN – 1. Tegelbergbahn, tägl. 9 bis 17 Uhr, Tel.: 0 83 62 / 98 360; www.tegelbergbahn.de 2. Steinadler-Beobachtungen: Klaus-Peter Endres, Telefon: 0 88 22 / 92 21 71; http://ammergau-natur.npage.de. KARTE – Kompass-Karte 4, Füssen, Außerfern.

KARTE – Kompass-Karte 4, Füssen, Außerfern.

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