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All-Mountain-Ski

Der Test: Ein Ski für alles?

Wie gut sind Allround-Ski, die sowohl für harte Pisten, als auch für Touren im Neuschnee angeboten werden wirklich? Wir haben den "All-Mountain-Ski" auf Herz und Nieren geprüft ... 

Oft müssen Skifahrer Abstriche machen. Wer gerne gut präparierte Pisten hinabsaust, muss die meist mit anderen Wintersportlern teilen. Wer lieber in der Natur unterwegs ist und durch Tiefschnee wedelt, braucht die entsprechende Ausrüstung.

Für alle, die zwischen beiden Varianten abwechseln wollen, wurde es meist richtig teuer: Zwei komplett verschiedene Ausrüstungen standen im Keller. Ein Pistencarver mit steifen Skischuhen und ein leichter, breiter Ski für Aufstieg und Tiefschneeabfahrten. Mittlerweile muss das nicht mehr sein: Immer mehr Skibauer bieten Allrounder an, die sowohl für die harte Piste als auch für Touren im Neuschnee geeignet sind. Inklusive Bindung und Schuh für alles. Natürlich stellt sich die Frage: Kann das gut funktionieren? Ein Ski, der komplett verschiedenen Ansprüchen gerecht wird?

Wir haben das getestet - in Zillertals größten Skigebiet, der Zillertal Arena. 139 Pistenkilometer und unzählige Möglichkeiten, naturbelassene Hänge zu befahren, bieten genau die Abwechslung, die dafür nötig ist. Und soviel sei verraten: Ein sogenannter All-Mountain-Ski ist war freilich ein Kompromiss, überrascht aber bei der ein oder anderen Abfahrt sogar geübte Skifahrer.

Der Ski

Wer schon einmal eine vereiste Piste hinuntergerutscht ist, kennt das: Die Oberschenkel brennen, weil es viel Kraft kostet, die Kanten in den Hang zu drücken. Und trotzdem rutscht der Ski. Je mehr Gewicht dann auf eine Kante kommt, umso einfacher ist es, die Kontrolle zu behalten. Pulverschnee hingegen fordert genau das Gegenteil: Je leichter ein Ski ist, je breiter seine Spitze, desto besser ist der Auftrieb. Manche Skifahrer sprechen dann sogar vom Durch-den-Schnee-Surfen.

Allein das macht klar: Es ist schwierig, einen Ski zu finden, der auf Eis und im Pulver zu steuern ist. Und vor allem: Mit dem beides Spaß macht. Natürlich ist es am wichtigsten, das schon beim Kauf zu berücksichtigen. Für den Test schnallen wir uns einen Tourenski unter die Füße, der in eine Mittelkategorie gehört und repräsentativ für alle All-Mountain-Skier stehen soll. Deswegen werden an dieser Stelle weder Hersteller oder Produktname genannt. Wichtig ist nur: Mit knapp zweieinhalb Kilo wiegt der Ski in etwa soviel wie ein Racing-Modell für die Piste, ist an den Spitzen allerdings viel breiter, um den Auftrieb zu vereinfachen.

 „Flattriger“, würde der Laie vermutlich sagen. Doch: Reicht das? Zum Vergleich: Ein Tourenski ist mittlerweile mit nur eineinhalb Kilo zu haben - wäre damit für die Piste allerdings viel zu leicht. Auch die wohl leichteste unter allen Bindungen - eine Dynafit-Bindung, bei der der Skischuh an nur zwei Punkten vorne eingespannt wird - ist für einen Allround-Ski nicht zu empfehlen. Obwohl sie den Aufstieg im Tiefschnee so angenehm wie möglich machen würde, ist sie auf der Piste zu instabil. Eine gute Kraftübertragung und ein entsprechendes Gewicht sind hier wieder wichtig. Etwa 1,7 Kilogramm wiegt die Bindung. Zu schwer für einen angenehmen Aufstieg?

Aufstieg und Tiefschnee

Natürlich, auch ein leichter Ski hilft bei dem Aufstieg nur bedingt, wenn der Sportler keine Kondition hat. Und wer gut trainiert ist, tut sich mit einem größeren Gewicht an den Füßen trotzdem schwerer. Trotzdem muss man sagen: Ist der Schnee locker und weich, gleitet der Allrounder angenehm vorwärts. Nach einem Kompromiss fühlt sich das nicht an. Merken wird man die Kilos allerdings dann, wenn das Gelände Spitzkehren erfordert und der Ski jedes Mal ein paar Zentimeter angehoben werden muss.

Doch auch dann darf man nicht vergessen: Man hat sich einen Ski an die Füße geschnallt, der ein Begleiter bei allen Wintersport-Aktivitäten sein kann. Im freien Gelände und auf der Piste. Und den Gipfel erreicht man garantiert auch mit einem All-Mountain-Ski, wenn man sich es vorgenommen hat. Einen Vorteil bietet die stabile Bindung außerdem für Touren-Anfänger: Der Ski ist damit leichter zu kontrollieren, auch in unwegsamem Gelände.

Bei der Abfahrt herrscht zuerst Skepsis. Über Nacht hat es 30 Zentimeter geschneit. Reines Pulver. Ist der Ski leicht und breit genug, um Surfen zu können? Nach den ersten Schwüngen eine Antwort ohne Zweifel: Definitiv. Und auch der Oberkörper wandert dann wieder weiter nach vorne. Es ist nicht nötig, das Gewicht weiter nach hinten zu verlagern, um ein wenig nachzuhelfen, damit die Skispitzen nicht einsinken. Die Körperhaltung entspannt sich, der Blick wandert nach oben, auf das verschneite Zillertal-Panorama.

Auf der Piste

Der All-Mountain-Ski ist anders geschnitten als ein Pistenmodell. Das merkt jeder, der auf einer Piste die ersten Schwünge mit dem Allrounder zieht und schon einmal auf einem Carver gestanden hat. Es kostet mehr Kraft, die Kantenseite in den Hang zu drücken, da der Ski vorne deutlicher breiter wird.

Die erste Abfahrt damit ist deshalb etwas unsicher, es fällt schwerer, kontrolliert Kurven zu fahren, wenn sich zum Beispiel eine Talabfahrt schmal den Berg hinunterschlängelt. Je härter die Piste, desto schwerer wird es mit dem Allrounder natürlich. Auf Eis scheint es beinahe unmöglich, beherrscht Kurven zu ziehen. Der Ski rutscht bei jedem Versuch, bevor die Kante greift. Natürlich ist auch das eine Frage der Kraft, doch scheint es unmöglich, bei solchen Bedingungen mehrere hundert Meter durchzuhalten.

Das ist der erste Eindruck. Der zweite: Es ist eine Sache der Gewohnheit und Übung - abgesehen vom Härtefall Eis. Nach den ersten Fahrversuchen weiß man, dass die Beine mehr Kraft auf den Ski ausüben müssen - außerdem vergisst man schnell, dass das bei alten Skiern einmal anders gewesen ist. Fährt man nämlich über eine Piste, die nicht frisch präpariert ist, sondern sich bereits wieder lockert, ist der Ski eine bessere Wahl als ein Pistenracer. Dann macht er es seinem Fahrer leichter, durch den Schnee zu gleiten, die Spitze hebt sich und der Ski bleibt auf der Oberfläche. In diesem Fall fühlt sich ein Allrounder auf einer Piste besser an als der Pistenski selbst. Ein persönlicher Eindruck, der überrascht - und ein klarer Vorteil auf der Piste.

Und es gibt einen zweiten: Lange, flache Abfahrten, wie sie die Zillertal-Arena vom Feinsten bietet, lassen vergessen, dass der Ski eigentlich eine Kompromisslösung ist. Der Kraftaufwand ist dann ebenso gering wie beim Pistenmodell, das Hinab-Wedeln fühlt sich durch die breiten Skispitzen sogar leichter an.

Das Fazit

Der All-Mountain-Ski wurde sowohl bei mehreren Skitouren, als auch auf verschiedenen Pisten der Zillertal-Arena getestet. 51 Lifte ermöglichen es den Besuchern dort, Pisten sämtlicher Bedingungen zu befahren. Von extrem flach und lang bis hin zu steilen Abfahrten zwischen Felsformationen hindurch sind alle Schwierigkeitsstufen vielfach bedient.

Das Fazit: Wer sowohl auf Touren als auch auf der Piste unterwegs ist, findet mit einem All-Mountain-Ski eine gelungene Alternative zu zwei verschiedenen Ausrüstungen. Wer nicht auf Zeit fährt und kein reiner Anfänger ist, wird auch auf der Piste flott und angenehm vorankommen - vorausgesetzt, die Abfahrt ist keine Eisfläche. Im Gelände kostet der Aufstieg zwar etwas mehr Kraft, die Abfahrt entschädigt allerdings für alles - ohne Abstriche.

Franziska Bär 

 

Der Test beruht auf rein subjektiven Erlebnissen - wissenschaftliche Tests wurden nicht mit einbezogen. 

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