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Frühlingszeit, Radlzeit: Die Stiftung Warentest hat Fahrradschlösser getestet.

Zahlenschlösser leicht zu knacken

So sichern Sie Ihr Rad richtig

München - Wer sein Rad wirklich vor Dieben schützen will, ist mit einem Zahlenschloss schlecht beraten. Wir zeigen, wie Sie Ihr Fahrrad optimal vor Langfingern schützen.

Fahrrad-Diebstahl boomt

Der Frühling kommt – und mit ihm die Räder aus dem Keller. Die perfekte Zeit für Langfinger, ihre Saison beginnt ebenfalls wieder. Der Fahrrad-Diebstahl boomt in Deutschland. Die Aufklärungsquote ist verschwindend gering. Gerade einmal zehn Prozent der gemeldeten Taten werden bundesweit aufgeklärt, die Dunkelziffer ist groß. Denn viele wissen, dass sie ihren Drahtesel vermutlich abschreiben können und zeigen den Diebstahl erst gar nicht an. Hundertpozentig sicher ist kein Radfahrer vor den Dieben, aber all jene mit abschließbaren Schlössern fahren besser. Vorrichtungen mit Zahlencode halten den Langfingern nicht stand. Die Stiftung Warentest hat acht Zahlenschlösser geprüft – mit vernichtendem Ergebnis.

Schlösser in 20 Sekunden geknackt

„Mangelhaft“. So lautet das Urteil für alle getesteten Modelle (Profex 62850 und 62853, Abus Raydo Pro 1460/85 und Tresor 1360/110, Masterlock 8392, Fischer Seilschloss 85902, Trelock KS310 und Con-Tec Zahlenkabelschloss C-350). Ob Kabel, Panzerkabel, Kette oder Stahlbügel: Nach 20 Sekunden hatten die Tester alle Modelle geknackt. Und das lag weder an der Qualität – zwischen 8 und 43 Euro kosteten die geprüften Schlösser – noch am Zahlencode. Alle Typen ließen sich problemlos programmieren, doch Zange, Säge und Bolzenschneider hielt keiner stand. Sieben der acht Schlösser offenbarten dabei eine Schwachstelle, die Modelle mit Schlüssel nicht haben. Sie sind verwundbar. Um Dieben nicht noch einen Tipp zu geben, verraten die Tester diese Problemstelle aber nicht.

Versprechen der Hersteller taugt nicht

Viele Hersteller zeichnen ihre Produkte mit Sicherheitsstufen aus. Das Problem: Es existiert dafür keine übergreifende, neutrale Norm. Jeder Anbieter kann eine eigene Skala entwerfen. Und wie diese zustande kommt, ist für den Käufer nicht ersichtlich. Zudem zeigten die Schlösser im Test, dass sie nicht halten, was sie versprechen. Beispielsweise benötigten die Prüfer nur zehn Sekunden, um das – mit acht Euro billigste – Bügelschloss von Profex zu knacken, das angeblich das höchste Schutzlevel (5 von 5) besitzt.

Schlüssel und Gewicht wichtig

Wer sein Rad wirklich schützen will, nimmt ein Schloss mit Schlüssel. Diese Modelle hat die Stiftung Warentest vor einem Jahr getestet, fünf davon wehrten Angriffe sehr gut bis gut ab. Vier davon stammen aus dem Hause Abus. So wie der Sieger Granit-XPlus 54/160 HB230 (80 Euro), der mit einer Note von 1,8 am besten abschnitt. Dasselbe Ergebnis erzielte das ebenfalls teure Schloss „Strongman“ von Knog (80 Euro). Nur knapp dahinter lag das Abus-Modell Granit-Plus 51/150 HB230 (75 Euro, Note 1,9). Durchgehend gute Werte erzielte auch das Abus-Modell Bordo Gramit-XPlus 6500/85. Es steht aber mit 120 Euro ganz oben auf der Preisliste und bekam deshalb nur die Note 2,2. Gut und sicher erschien den Testern aber auch das mit 40 Euro günstigste Schloss unter den Top 5 von Abus: Sinero 43/150 HB230 (Note 2,4).

Was zählt, ist das Gewicht

Schlüssel sind besser als Zahlen, doch für beide Schloss-Varianten gilt: „Das einzige offensichtliche Anzeichen für ein hochwertiges Schloss ist das Gewicht“, betont Test-Projektleiter Kolja Oppel. Dicke und schwere Modelle halten mehr aus als Leichtgewichte. Bügelschlösser sind zwar unflexibel, hielten aber bei den Tests am besten stand. Mit Panzer- und Kettenschlössern lassen sich die Räder zwar besser befestigen, aber auch leichter knacken als Bügel-Modelle.

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Doppelt sichern hält besser

Ein Tipp vom Experten: „Wenn Sie Ihr Rad lange irgendwo parken, sichern Sie es am besten mit zwei verschiedenen Schlössern.“ Perfekt ist eine Kombination aus Bügel- und Panzer- oder Kettenschloss. Denn häufig tragen Diebe nur Werkzeug für eine Variante mit sich. Wer es Langfingern schwer machen will, kann sein Rad auch codieren lassen. Dabei wird eine individuelle Chiffre in den Rahmen graviert, die meistens die Adresse des Besitzers, dessen Initialen und das Jahr der Codierung enthält – natürlich verschlüsselt. So wird das Rad für Diebe schwerer verkäuflich, zudem ist der Eigentümer für die Polizei oder ein Fundbüro leichter zu finden. Die Codierung bieten Fahrradhändler und -clubs sowie die Polizei mehrmals im Jahr an. Sie kostet laut Fahrrad-Verband ADFC maximal 15 Euro. Weitere Informationen dazu gibt es unter www.adfc.de.

Versicherungsfragen

Hausrat-Versicherung

Die Hausrat-Police deckt einen Diebstahl aus dem Haus, Keller oder der Garage ab. Verschwindet das Rad in der Stadt, greift sie nur, wenn eigens ein Fahrradschutz vereinbart wurde. Dabei muss der Besitzer einen Prozentsatz der Versicherungssumme festlegen. Ein Beispiel: Entscheidet sich der Radbesitzer für einen Prozentsatz von 1 Prozent und die Versicherungssumme für den gesamten Hausrat liegt bei 100.000 Euro, bekäme er für einen Rad-Diebstahl 1000 Euro. Allerdings kostet der Fahrrad-Schutz extra.

Fahrrad-Versicherung

Für das Rad gibt es auch spezielle Policen, die Händler beim Kauf häufig anbieten. Sie sind meistens aber teurer als der Extraschutz bei der Hausrat-Versicherung und lohnen sich folglich nur für sehr wertvolle Räder. Dafür decken diese Policen aber meistens auch mehr Schäden ab als Hausrat-Versicherungen, beispielsweise Vandalismus.

Das Kleingedruckte 

Versicherer schließen gerne einen Diebstahlschutz nachts aus. Es sei denn, das Rad war noch in Gebrauch und stand irgendwo für den Heimweg. Darum lohnt sich ein Vertrag ohne Nachtklausel. Zudem sollte man genau darauf achten, ob der Vertrag vorschreibt, welches Schloss benutzt werden muss.

Janine Tokarski

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