+
Von Outdoor-Redakteur Ingo Wilhelm empfohlen: Die Skitour auf das Trainsjoch bei Bayrischzell.

Die Tipps der Redaktion: Darauf fahr ich ab

Endlich Winter, endlich Schnee! Wo und wie die Redakteure, mit oder ohne Nachwuchs, ihre Urlaubstage am liebsten verbringen, verraten sie hier:

Eine, die alles hat

Günter Klein: Schweizer Alleskönner.

Am Samstag gehört diese Strecke den örtlichen Skilehrern, sie tragen ihre inoffizielle Wochenmeisterschaft aus: vom Weißfluhgipfel, mit 2844 Metern höchster Punkt im Davoser Skigebiet Parsenn, runter nach Klosters, zur Talstation der Gotschna-Bahn (1200 Meter), deren Gondel nach Prinz Charles, dem regelmäßigen Urlaubsgast, benannt sind. Die Abfahrt hat alles: einen steilen Starthang, einen langen Schuss (diese Abschnitte gehören auch zum jährlichen Parsenn-Derby, einem offiziellen Abfahrtsrennen), irgendwann ist man nicht mehr oberhalb der Baumgrenze, sondern wedelt zwischen Bäumen, passiert urige Hütten, die die Schweizer „Schwendi“ nennen. Das letzte Stück ist „nur“ Ziehweg, manchmal aber gleitet man neben den Gleisen der Rhätischen Bahn dahin – Postkarten-Schweiz. Wer seit dem Gipfel nicht angehalten hat, dem brennen die Schenkel. Die Skilehrer beißen sich in der Abfahrtshocke in den Daumen, der eine Schmerz lässt den anderen vergessen.
Günter Klein, MM-Sportredaktion

Von wegen Oedberg...

Von Dorit Caspary entdeckt: Das Paradies für Pistenzwerge.

Unser Hausberg hat wirklich einen ganz großen Nachteil: Er gehört zum Tegernseer Tal. Und da steht an schönen Wochenenden bekanntermaßen ganz München auf dem Hin- und Rückweg im Stau. Ein Vorteil ist allerdings, dass man den Oedberg in Ostin auch von Weyarn aus ansteuern und schon kurz hinter Miesbach aus der Stauschlange rechts Richtung Gmund abbiegen kann. Da haben die anderen, die es an den Wendelstein, ins Sudelfeld oder ins Spitzinggebiet zieht noch eine Strecke vor sich. Die zirka einstündige Anfahrt lohnt sich vor allem für Familien mit kleinen Kindern: Zauberteppich, Babylift, Seillift und zwei Schlepplifte – die Infrastruktur am Oedberg ist ideal. Die Ausrüstung kann man vor Ort leihen, der Parkplatz ist groß und gratis, die Wege zu den Liften und sogar zu den Toiletten sind kurz. Zudem ist so ein Skitag am Oedberg erschwinglich. Es gibt unzählige Ticket-Varianten. Schließlich weiß man nie, wann die lieben Kleinen plötzlich die Lust verlieren oder wegen Kälte streiken. Die Karte im Kinderland kostet beispielsweise fünf Euro, die Tageskarte für Erwachsene 17 Euro, die Familienkarte 39,90 Euro, Punktekarte je nach Lift. Klar, dass es dafür nicht Europas größte Pistenwelt gibt, aber Kinder, die jede Menge Spaß haben. Auch ohne auf den Skiern zu stehen. Am Ende kann man einen Einkehrschwung in die Oedbergalm machen, die direkt am Zielhang liegt. Alle Infos unter www.oedberg.de.
Dorit Caspary, tz-Nachrichtenredaktion

Tief im Osten, wo die Zeit still steht

 

Stefan Dorner: Wo Leni lernt.

Es gibt sie doch noch in einer immer hektischeren, vernetzteren Welt: Orte, an denen die Zeit einfach still steht. Dinge, die noch immer so sind wie vor 30 Jahren. Tief im Osten, im Bayerischen Wald, gilt dies ganz besonders: Dort setzt die kleine Leni mit ihren drei Jahren die ersten Spuren in den Schnee – am Mauther Skihügel, auf dem auch der Papa angefangen hat. Der kleine Schlepplift zieht die Kinder nach oben, die Karte ist noch aus Papier und der Liftmann lässt bei der Halbtageskarte (für 4 Euro) immer noch das Augenmaß gelten. Am Ziel führt die Dreikönigsloipe vorbei. Und die Schneeschuh- und Tourengeher machen sich von hier auf zum Lusen (1373 Meter). Kompakter Wintersport für den kleinen Geldbeutel – mit einem Meter Schnee im Tal. Ideal, um der Hektik zu entfliehen. Nur eines nicht vergessen: Handy aus! Der Kopf dankt es – und die kleine Tochter auch. Willkommen im Winterwunder- und Ruheland!
Stefan Dorner, tz-Lokalredaktion

Das höchste der Gefühle

Christine Hinkofer: Suche nach der Stille.

Ich geb’s ganz offen zu: Für mich muss es skifahrtechnisch nicht der mächtigste Berg sein, auch nicht die längste Abfahrt und schon gar nicht die steilste. Das höchste der Gefühle ist für mich, inmitten einer weißgezuckerten Zauberwelt ganz alleine unterwegs zu sein, ohne knirschende Snowboarder und Aus-der-Bahn-schreiende Pistenraser im Nacken. Wenn man durchatmen kann, die Stille hören, mit den Augen genießen – das ist mein Wintermärchen! In den Dolomiten finde ich das. Auf der Pralongia in Alta Badia zum Beispiel, einer Abfahrt, die so unspektakulär ist und so flach, dass der ambitionierte Skifahrer sie abfällig links liegenlässt. Ihre wahre Schönheit, die sehen, um es mit Saint-Exupérys kleinem Prinzen zu sagen, nur die, die mit dem Herzen schauen. Und sich Zeit lassen.
Christine Hinkofer, Reiseredaktion

Mit dem Pistenbully auf Tour

Von Andreas Werner getestet: Als Pilot im Pistenbully.

Zehn Tonnen schwer, 490 PS unter der roten Haube und rund 350.000 Euro teuer – das sind die imposanten Zahlen, die hinter einem Pistenbully stehen. Noch viel imposanter ist allerdings, einmal selbst am Steuer eines solchen Ungetüms zu sitzen. Im Voralberger Wintersportparadies Montafon kann man einstündige Trips in diesen Wuchtbrummen buchen. 155 Euro kostet der Spaß, wenn man selbst fahren will. 55 Euro, wenn es einem reicht, den Profis im Cockpit über die Schulter zu schauen. Aber eines sollte jedem klar sein: Sobald man erstmals drinsitzt, will man es wissen. Es juckt zu sehr, das Steuer zu übernehmen angesichts des blinkenden Armaturenbretts, das es sicher mit dem eines Düsenjets aufnehmen könnte. Mal geht es steil bergauf, dann rumpelt man wieder nach unten, doch keine Sorge: umkippen kann so ein Ding nicht. Seitdem sie an der Valisera Bahn in St. Gallenkirch Pistenbullyfahrten ins Tourismus-Programm aufgenommen haben, hat sich schon so ziemlich jeder versucht, von der Hausfrau bis zum Herzchirurgen. Infos unter www.silvretta-montafon.at.
Andreas Werner, MM-Sportredaktion

 

Der kleine Skifahrer-Himmel

Klaus Heydenreich: Im Skifahrer-Himmel.

 Man muss ja nicht immer so ganz hoch hinaus, um dem (Skifahrer-)Himmel ein Stückerl näher zu kommen. Manchmal reichen schon 1520 Meter. In dieser Höhe liegt die Stiealm auf einer kleinen Anhöhe gegenüber dem Idealhang. Hier, am hintersten Ende vom Skigebiet Lenggries-Brauneck, ist es irgendwie ziemlich wurscht, ob unterm Skischuh ein supermoderner Carver mit Rockertechnologie, ein uralter Renntiger oder ein Freerider durch den Schnee rauscht. Denn hier hat das Wort vom Münchner Hausberg noch seine Berechtigung. Gemütlichkeit ist eh’ Trumpf, denn wer ehrlich ist, der kommt nicht zum ambitionierten Wedeln ans Brauneck – so lang sind die Pisten wirklich nicht. Gerade wochentags, bei Sonne, da geht einem das Herz auf, wenn man auf der Stiealm seine Weißwürscht genießt, dazu ein Weißbier zischt und den Blick rüber zum Karwendel und Wetterstein bestaunt. Es ist nicht so voll wie andernorts, und einen kleinen Geheimtipp gibt’s dann doch noch: Wer links aus dem Idealhanglift steigt, und auf der Abfahrt nach ein paar Metern hinter der Felswand rechts abbiegt, der findet bei Neuschnee meist noch ein paar Meter unverspurten Tiefschnee. Acht, neun Schwünge nur, danach muss man es schon laufen lassen, um zur Piste zurückzukommen. Aber das reicht doch zum kurzen Genießen – wir sind ja nicht zum Rasen da…
Klaus Heydenreich, tz-Sportredaktion

So nah, so gut

Lust auf Ski & Schnee:

Klicken Sie hier

Mich wundert immer wieder, warum nicht viel mehr Skitourengeher das Trainsjoch besteigen. Diesen 1707 Meter hohen Berg unweit von Bayrischzell, der so viel Abfahrtsspaß bietet wie keine andere 1000-Höhenmeter-Tour in Münchens Hausbergen. Hat man erst einen Parkplatz gefunden – die Stellplätze am Eingang zum Trockenbachtal sind für Gäste der Mariandlalm bestimmt – führt der Aufstieg abwechslungsreich und nie sonderlich steil über einen Forstweg und über Almwiesen; garstig kann höchstens bei geringer Schneelage der Latschenverhau am Gipfel werden. Bei der Abfahrt gibt es dann – je nach Lawinengefahr – zig Varianten, meine liebste: Über den Südhang wieder zum Ascherjoch, dann links zur Trainsalm hinabwedeln. Nochmals aufsteigen zum Semmelkopf – dort den Traumblick zum Wilden Kaiser genießen (Foto) – und durch eine der nordwestseitigen Schneisen wieder zur Trockenbachalm.
Ingo Wilhelm, tz-Lokalredaktion

Für Überzeugungstäter

Eva Hutter: Zugabe hinter Garmisch.

Vor zwei, drei Jahren rümpften Skifahrer und Snowboarder im Bekanntenkreis die Nase, wenn es hieß: Komm, wir fahren nach Lermoos! Warum noch zirka eine halbe Stunde Fahrt von Garmisch-Partenkirchen nach Tirol auf sich nehmen, wenn Hausberg und Zugspitze vor der Haustür liegen? Eben darum. Die meisten haben keine Lust, die kurvige Straße Richtung Österreich zu nehmen und quetschen sich lieber auf die Garmischer Pisten. Da sage ich nur: selbst schuld. Gerade, wer aus dem Anfangsstadium heraus ist, wird auf dem Grubigstein mit seinen acht Liften Spaß haben. Es gibt zwar rund 15 Kilometer leichte Abfahrten, aber auch 15 Kilometer rote und schwarze Pisten. Bei der Wolfratshauser Hütte wartet eine zwei Kilometer lange unpräparierte Skiroute (die macht gerade bei Neuschnee Spaß!). Wer ordentlich buckeln möchte – auch kein Problem, ab auf die Buckelpiste! Diese Argumente (und vor allem ausgiebige Skitage) überzeugten auch meine Bekannten. Mittlerweile sind sie es, die vorschlagen: Komm, wir fahren nach Lermoos!
Eva Hutter, tz Ressort Fernsehen

Mittendrin und doch allein

Maria Zsolnay: Kitz für Nicht-Promis.

Typisch, werden jetzt die meisten sagen, die Klatschreporterin zieht’s natürlich nach Kitzbühel. Ja, weil es einfach das schönste und abwechslungsreichste Skigebiet ist, das man auch gut in einem Tagesausflug von München erreichen kann. Und nein, nicht wegen der Promis, die eh’ viel lieber im Tal Pelz und Pudel spazieren führen. Alleine ist man in Kitzbühel natürlich nie – aber es gibt sie noch, die Gasthöfe ohne lange Selbstbedienungsschlangen und die Skikurs-freien Pisten. Meine Lieblingspiste liegt praktisch am Ende des riesigen Skigebiets. Auf dem Plan trägt sie die Nummer 56 und eine schwarze Markierung. Vom Pengelstein führt sie runter ins verschlafene Dorf Aschau. Eine einsame, selten präparierte Panoramaabfahrt, die an einem strahlenden Tag mit Neu- und Tiefschnee unter den Brettern, einen zum Jauchzen bringt. Nicht abschrecken lassen von den letzten Metern Ziehweg, der Einkehrschwung steht unmittelbar bevor. Im rustikalen Fritzhof bringt einem die Kellnerin spritziges Skiwasser oder gehaltvollen Jagertee. Eilig hat man es ja dann nicht mehr. Schöner kann‘s nicht mehr werden und außerdem muss man warten, bis der Postbus wieder zurück nach Kirchberg oder Kitzbühel fährt. Da sind sie dann wieder, die Promis, die Pudel, die Pistenrowdys...
Maria Zsolnay, tz Ressort Menschen

Auch interessant

Kommentare