Fall in Feldberg ähnelt dem am Brauneck

Tote Skifahrer: Sind Schneekanonen ein Sicherheitsrisiko?

  • schließen

Feldberg/Lenggries - Der Tod zweier Skifahrer am Feldberg ähnelt einem Fall, der sich am Brauneck zutrug. Auch damals starb ein Mensch, weil er gegen ein Beschneiungsgerät prallte. Sind Schneekanonen ein Sicherheitsrisiko?

Robert E. wurde nur 26 Jahre alt, der Waakirchner starb vor knapp einem Jahr beim Skifahren am Brauneck: Er fuhr mit hoher Geschwindigkeit einen Hang herunter, prallte an einer Pistenkreuzung gegen eine 20-jährige Lenggrieserin und schleuderte ausgerechnet gegen eine der Schneelanzen, die dort alle 50 Meter stehen. Sein Tod erschien damals wie ein unfassbarer Zufall. Wie wahrscheinlich ist es schon, gegen eine so schmale Stange zu prallen?

Der Tod zweier Skifahrer am Feldberg im Schwarzwald zeigt, dass es offenbar gar nicht so unwahrscheinlich ist. Die Männer waren am Sonntag auf einer einfachen Piste seitlich gegeneinander gestoßen und gestürzt. Wie die Polizei nun bekannt gab, schleuderten sie dann beide gegen den Masten einer Schneekanone – erst dieser Aufprall war tödlich.

Sind Schneekanonen und -lanzen also eine Gefahr auf der Piste?

Die Lanze ist normalerweise bis zum Boden mit Polstern gesichert, der untere Teil wurde im Zuge der Rettungsaktion abgenommen, sagt DSV-Sicherheitsexperte Andreas König.

Andreas König ist beim Deutschen Skiverband (DSV) für Sicherheitsfragen zuständig und verweist auf die Regeln, die für die Sicherung von „Schneeerzeugern“ gelten. Stehen sie auf der Piste oder am Pistenrand, müssen sie im unteren Bereich bis zum Boden gepolstert sein; in zertifizierten Skigebieten wird das auch überprüft, in Garmisch-Partenkirchen genauso wie am Sudelfeld oder am Brauneck. „Der Gefahrenbereich muss gesichert sein“, sagt König. „Alles andere wäre fatal.“ Offenbar lassen sich gravierende Unfälle trotzdem nicht verhindern. Denn sowohl am Brauneck als auch am Feldberg sind und waren die Anlagen den Regeln entsprechend gesichert – die Fahrer schleuderten nicht gegen blankes Metall, sondern gegen dicken Schaumstoff. Hinzu kommt, dass die beiden Männer am Feldberg laut Zeugenaussagen nicht mal besonders schnell unterwegs waren. Die Polizei spricht etwas unkonkret von „mittelschnell“.

König sagt, dass die Polsterung nicht für jeden Unfall ausgerichtet ist. An der Sicherung nachzubessern, hält er allerdings für übertrieben. „Wir können die Skifahrer nicht in Watte packen“, sagt er, „und auch keine fünf Meter dicken Polster machen.“ Irgendwo fange die Eigenverantwortung der Fahrer an. Dafür spricht, dass die Ermittler nach dem tödlichen Unfall am Brauneck gar nicht erst versuchten, den Liftbetreibern Mitschuld zu geben.

Lesen Sie auchSkifahrer (26) stirbt am Brauneck

Auch die Pistenverantwortlichen hat DSV-Mann König dabei auf seiner Seite. Peter Lorenz, Geschäftsführer der Brauneck-Bergbahnen, sagt deutlich: „Mehr sichern können wir nicht.“ Und auch Egid Stadler, der die Geschäfte am Sudelfeld führt, spricht von der „Selbstverantwortung der Gäste“. Beide betonen aber, genau wie eine Sprecherin der Zugspitzbahn, dass die Polsterungen regelmäßig kontrolliert würden.

Ganz ohne Konsequenzen bleibt der tödliche Unfall aber nicht, zumindest nicht am Sudelfeld. „Wir machen uns schon unsere Gedanken“, sagt Stadler. Gestern habe er seine Mitarbeiter gebeten, „zu prüfen, ob die Polster alle auf der richtigen Höhe sind“. Außerdem verspricht er eines: Wo wegen der guten Schneelage nicht mehr künstlich beschneit werden muss, werden die aufgestellten Schneekanonen schnellstmöglich abgebaut.

Von Marcus Mäckler

Rubriklistenbild: © dpa

Auch interessant

Kommentare