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Das Gipfelkreuz des Schönbergs liegt unterhalb des höchsten Punktes. Im Hintergrund präsentiert sich in Wolken gehüllt das Brauneck mit der Benediktenwand.  

Launischer Schönling

Wanderung auf den stillen Gipfel

Ein Berg namens Schönberg weckt Erwartungen. Also heißt es, Wanderstiefel schnüren und sich selbst ein Bild von diesem Berg machen.

Und tatsächlich bietet der Weg auf den stillen Gipfel sonnenverwöhnte wie schattigere Etappen jenseits ausgetretener Pfade. Los geht’s im Lenggrieser Ortsteil Hohenreuth. Zum Warmlaufen spaziert man eine Forststraße taleinwärts. Bald schon steht man vor der Wahl: entweder auf der bequemen Forststraße bleiben oder an der Michlalm vorbei über zwei Wiesenflächen mit Abstecher zu einem Naturdenkmal. Die grasige Variante ist zwar schöner und kürzer, verlangt aber ein Quäntchen Spürsinn.

Nach einem Weidezaun-Durchgang erreicht man eine verborgene Blumenwiese mit zwei verwitterten Heustadeln. Zur Schonung der Vegetation hält man sich hier am rechten Waldrand, bis man zur „Großen Tann‘ an der Bauernrast“ kommt. Ein Wunderwerk von einem Tannenbaum ragt in den Himmel. 380 Jahre alt ist der Baum. Und während ein Mensch seinen Umfang ja eher gering halten möchte, wird ein Stamm mit einem Umfang von 5,28 Metern bewundert. Nach der „Bauernrast“ geht’s wieder auf der Forststraße aufwärts, bis ein verwinkelter Wurzelweg einen Waldkamm emporführt.

Hinter jeder Ecke wartet eine Überraschung: Bald sind es Tiefblicke zum plätschernden Bach mit herrlichen Gumpen, dann wundert man sich über skurrile Baumschwämme oder einen Durchgang unter drei ineinander verschlungenen Bäumen. Hie und da winken leuchtend gelbe Dotterblumen neben vermoosten, schrumpeligen Felsbrocken.

Der Bergwald verleitet zum Träumen, doch gerät man auch ziemlich schnell auf einen „Holzweg“, der im Nichts endet. Ja, die Wegführung zeigt sich manchmal launisch – typisch für einen Schönling wie den Schönberg. An einem Baumstamm direkt am Weg steht in grellen Lettern „Ende“. Doch keine Sorge, für den Wanderer hat die Kennzeichnung keine Bedeutung, außer dass das grüne Dach bald endet und wunderschönen Bergwiesen Platz macht. Wie ein Tor öffnet sich das Joch Mariaeck und gibt den Blick frei auf die benachbarten Gipfel Roß- und Buchstein. In kurzweiligem Auf und Ab wandert man über den Kamm höher. Nach einem Wiesenhang windet sich der Weg zwischen massigen Felsblöcken hindurch und bringt einen auf den grasigen langen Gipfelrücken.

Bei diesem Weitblick lässt man sich gerne nieder. Das Gipfelkreuz befindet sich ein Stockwerk tiefer am Ende des Wiesenrückens. Wer der traumhaften Aussicht noch eins drauf setzen möchte und noch genug Kondition hat, hält sich beim Gipfelkreuz links. Ein Panoramaweg traversiert die südseitigen Hänge des Schönbergs. Da schweift der Blick über das gesamte Rofangebirge, die Karwendelkette bis zur Zugspitze. Plötzlich taucht an den Hang geduckt die fotogene Schönbergalm auf. Unterhalb der Hütte folgt man der Forststraße und erreicht die Amperthalalm. Von dort führt ein verträumtes Wegerl über ein Wiesenjoch und nach einem kurzen Gegenanstieg zurück zum Mariaeck. Gewiss dreht man sich hier nochmal um und schaut hinauf zum Gipfelweg: „Schön war’s“ – nomen est omen.

Doris Neumayr  

SCHÖNBERG (1620 METER)

ANFAHRT – Auto: A 8 München – Salzburg, Ausfahrt Holzkirchen. B 13 über Bad Tölz bis Lenggries, OT Fleck. In Ortsmitte nach der Kapelle links. Über die Straße „Hohenreuth“ aufwärts bis zum Waldrand (Wanderparkplatz).

TOUR – 940 Höhenmeter, 12,6 km. Gehzeit: Aufstieg ca. 2,5 bis 3 Std. Abstieg ca. 2,5 Std. Die leichte/mittelschwere Tour ist meist beschildert, eine Karte ist jedoch empfehlenswert, da der Wegverlauf nicht immer eindeutig ist.

Aufstieg: Vom Parkplatz folgt man der für öffentl. Verkehr gesperrten Teerstraße (Schilder: „Mariaeck Schönberg“) taleinwärts. An der nächsten Gabelung geht’s links (AV Schild: „Maria Eck Nr. 624“). Eine Forststraße führt am Waldrand entlang. Nach ca. 250 m rechts (kein Schild). Der Weg zieht zwischen Hütten (Michlbaueralm) über Wiesen an eine Gabelung. Man folgt dem Schild „Mariaeck“ nach links. Nach 200 m dreht der Wiesenweg (Trittspuren) nach rechts zum Waldrand – hin zu einem Weidezaun-Durchgang. Der Weg führt durch Baumgruppen und über Wiesen (Trittspuren) mit 2 Heustadel. Nach dem letzten Heustadel (Schild: „AV 624“) erreicht man das Naturdenkmal „Große Tann“. Hier zieht der Weg aufwärts und mündet wenige Minuten später in eine Forststraße. Auf dieser nach rechts. Nach einer langen Kehre den Schildern folgen über einen holperigen Karrenweg. Bald zweigt links ein schmaler Weg ab (kleines Schild „AV Nr. 624“).

Der verwinkelte, teils steile Weg, folgt einem Kammverlauf bergan und überquert mehrmals den Karrenweg (Markierung: Rot-weißer Kreis). Nach dem Waldgürtel zieht der Weg tendenziell mehr nach links über Bergwiesen und durch einzelne Baumgruppen zum Joch „Mariaeck“ (1469 m).

Man nimmt den rechten, steil zum Kamm ziehenden Steig (Schild: „Schönberg, Nr. 624“). Im Auf und Ab geht es am Kamm entlang, später nach rechts über eine Wiesenflanke. Nun wieder steiler zwischen Felsblöcken hindurch auf den grasigen Gipfelrücken. Am langen Rücken entlang und zum Gipfelkreuz.

Abstieg: Auf gleicher Route wieder zurück. Oder als Rundtour mit kleinem Gegenanstieg: Beim Gipfelkreuz links (Schild: „Röhrlmoos Alm Roßstein-Alm, Nr. 631/633“. Der Weg quert freie Wiesenhänge, vorbei an der Schönbergalm (1459 m, unbew.), und mündet in einer Forststraße. Auf dieser links hinab (Schild: „Amperthalalm, Röhrlmoosalm, Nr. 624“) bis zu den Amperthalalmen (1400 m, unbew.).

Hinter der letzten Hütte geht ein Weg links hinauf (Schild: Maria Eck, Fleck, Nr. 624“). Von dem kleinen Joch aus quert man leicht ansteigend zum bald schon sichtbaren „Mariaeck“ hinauf. Weiterer Abstieg wie Aufstieg.

KARTE – Bayer. Landesvermessungsamt, Bad Tölz – Lenggries und Umgebung, 1 : 50 000, 6,60 Euro.

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