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Parks und Lehrpfade: Alles für den Einsteiger

Auf Touren kommen: Die besten Tipps für Tourengeher

Skitouren boomen – doch im freien Gelände lauern auch Gefahren. In Skitouren-Parks und auf Lehrpfaden können Neulinge die Technik und den richtigen Umgang mit VSGerät, Schaufel und Sonde lernen.

Autor Günter Kast sagt, wo Interessierte gut in den Sport hineinschnuppern können.

Skitourenlehrpfad am Eckbauer in Garmisch

Richtig cool sehen sie aus, die vier Wintersportler an der Talstation der Eckbauer-Bahn bei Garmisch-Partenkirchen. Die beiden Pärchen sind in bunte Freeride-Klamotten gepackt, sie tragen lässige Beanies und Sonnenbrillen, aus ihren Rucksäcken ragen Lawinenschaufeln. Nur mit den kleinen Geräten, die sie in den Händen halten, scheint es Schwierigkeiten zu geben. Etwas ratlos blicken sie auf die Displays, wo Pfeile hin- und herspringen und Leuchtdioden aufblinken. „Seid Ihr noch auf Senden oder schon auf Suchen?“, fragt einer der vier. Die zucken mit den Schultern: „Wenn wir das wüssten!“Siedrehen wieder an den Schaltern – und jetzt beginnt ein wildes Pfeifkonzert. Piep-Show. Also alle Geräte ausschalten und zuerst einmal auf der Schautafel in Ruhe studieren, wie so ein VS-Gerät überhaupt funktioniert. So mancher alter Hase mag über die Versuche des Quartetts milde lächeln. Doch die vier Münchner Skitouren-Novizen machen es richtig. Sie rennen nicht blind drauflos, sondern haben sich für das Beschnuppern der neuen Sportart einen Skitouren-Lehrpfad ausgesucht. Seit 2012 gibt es einen solchen an der Eckbauerbahn.

Viele Skigebiete bieten eigene Touren-Lehrpfade in unterschiedlichen Graden an.

Über gemütliche 500 Höhenmeter geht es an der Skisprungschanze vorbei und hinauf zum Berggasthof „Eckbauer“, wo ein Testzentrum mit Verschütteten-Suchgeräten, ein Lawinensuchfeld zum Üben sowie ein Lernvideo zur Verfügung stehen. Während der Testtour passieren die Münchner Pärchen acht Infotafeln, die der Cartoonist Georg Sojer illustriert hat. Die Schaubilder führen auf witzige Art in die neue Materie ein: Wie legt man eine lawinensichere und ökonomisch zu gehende Aufstiegsspur an? Wie misst man die Hangneigung und zieht daraus die richtigen Schlüsse? Wie interpretiert man den Lawinenlagebericht? Was müssen Tourengeher in Pistengebieten beachten? Wie kriegt man eine Spitzkehre am Steilhang hin, ohne sich das Knie zu verknoten? Allerdings könnten Schnupperkurse und Lehrpfade nicht eine umfassende Ausbildung zum Thema Lawinengefahr ersetzen. „Dafür ist mindestens ein zweitägiger Lawinenkurs nötig. Frühestens danach darf ich mich auf eigene Faust im freien Gelände auf Skitouren wagen“, betont der Bergführer. Die modernen, digitalen VS-Geräte seien sehr komplex zu bedienen, und bei der Suchstrategie gebe es fast jeden Winter Neuerungen.

K2-Kranzbergroute bei Mittenwald

Auf Skitour zu gehen, ohne über die Gefahren Bescheid zu wissen, kann schnell zum Russischen Roulette werden. Immerhin gibt es unterschiedlich anspruchsvolle Skitourenlehrpfade und -parks, die den Übergang vom blutigen Anfänger zum versierten Profi erleichtern. In etwa dieselbe Kategorie wieder Einsteiger-Lehrpfad in Garmisch fällt die K2-Kranzbergroute bei Mittenwald. Von der Talstation des Sessellifts geht es über 3,7 Kilometer und rund 450 Höhenmeter zum Kranzberggipfel (1391 Meter), dem Hausberg Mittenwalds. Man passiert zwölf Hinweistafeln mit Touren-Tipps, zahlreiche Richtungsschilder weisen den Weg. Eine Besonderheit ist die speziell ausgewiesene Abfahrtsroute, die auch außerhalb des Skibetriebs eine sichere Rückkehr ins Tal ermöglicht. Zwei von drei Berggasthöfen an der K2-Kranzbergroute – die Korbinian-Hütte und das Kranzberg-Gipfelhaus – sind nicht nur tagsüber geöffnet, sondern laden jeden Mittwochabend im Winter zum urigen Skitourenabend ein.

Ein weiterer großer Vorteil solcher Angebote: Auf Skitouren-Lehrpfaden kommen sich Pisten-Fans und Aufsteiger nicht in die Quere. Und letztere haben dennoch die Gewissheit, im abgesicherten und vor allem lawinensicheren Gelände unterwegs zu sein. Leider existiert eine ziemliche Begriffs-Verwirrung. So manche Einrichtung nennt sich „Skitourenpark“, was sehr zahm und ein bisschen nach Zoo mit festgelegten Fütterungszeiten klingt. Andernorts ist von Tourenlehrpfaden die Rede. Manche Aufstiege führen am Pistenrand entlang, andere sind weit entfernt von einem Skigebiet. Allerdings ist derzeit die Zahl der Anlagen noch nicht so groß, dass es unübersichtlich zu werden droht. Außer in Garmisch und Mittenwald gibt es in Bayern weitere Skitourenlehrpfade nur noch in Ruhpolding am Unternberg, an der Tegelbergbahn bei Schwangau im Ostallgäu sowie am Obersalzberg in Berchtesgaden.

Salewa-Skitourenpark am Obersalzberg

Der Salewa-Skitourenpark am Obersalzberg bei Berchtesgaden war der erste seiner Art in Deutschland. Auch hier können Einsteiger an verschiedenen Wochentagen Kurse und Führungen buchen. Selbst eine komplette Tourenausrüstung samt Lawinen-Equipment und sogar ein Lawinen-Airbag lassen sich für wenig Geld ausleihen. Ein drei- bis vierstündiger Kurs kostet 40 Euro, für die Skitourenausrüstung kommen lediglich weitere 20 Euro hinzu. Für weniger Geld kann man kaum hineinschnuppern in den neuen Sport.

Am Obersalzberg werden die Teilnehmer auf einem Rundparcours von staatlich geprüften Berg und Skiführern mit verschiedenen Situationen im freien Gelände konfrontiert: Wie setze ich die Steighilfe effizient ein? Wann kommen Harscheisen zum Einsatz? Wie funktionieren Verschüttetensuche, Kameradenbergung und Erste Hilfe? Darüber hinaus kommen auch die Verhaltensregeln auf der Piste und das umweltfreundliche Skibergsteigen – also zum Beispiel das Beachten von Wildruhezonen – nicht zu kurz. Jeder Teilnehmer erhält hinterher ein Trainingszertifikat des Verbandes Deutscher Berg und Skiführer (VDBS, www.vdbs.de). Übrigens sind am Obersalzberg nicht nur Einsteiger unterwegs. Viele erfahrene Skibergsteiger trainieren hier und bereiten sich auf die Saison und Renn-Wettbewerbe vor.

Weitere Lehrpfade:

  • Tourenlehrpfad Praxmar auf die 2876 Meter hohe Lampsenspitze im Tiroler Sellraintal
  • „Tourenski World Pillerseetal“ in den Kitzbüheler Alpen
  • „Heidi-Alm“ am Falkert in Kärnten
  • Trainingsparks von Ortovox
  • Dynafit-Lehrpfad Unternberg, Ruhpolding. Für alle, die eine längere Tour ausprobieren möchten (750 Höhenmeter)! Belohnung ist die Einkehr in der Unternberg-Alm
  • Lehrpfad Tegelberg im Allgäu. Noch mehr Höhenmeter: 950! Auch für Freerider geeignet

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