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Interaktiv-dynamischer Kartenausschnitt: Je nach Zoom-Faktor ändern sich beim neuen Portal www.alpenvereinaktiv.com die Inhalte. Eine starke Optik – die textliche Qualität mancher Beiträge bedarf aber der Nachbesserung.

Kompetenz mit Tücken

Neues Tourenportal der Alpenvereine

Nach drei Jahren Vorlauf hat der Deutsche Alpenverein jetzt sein neues Touren-Portal vorgestellt. Über eine Million Euro (davon 700 000 Euro Fördermittel der EU) sind in das Projekt geflossen.

Ziel ist es, zusammen mit den Verbänden aus Österreich und Südtirol die Kompetenz zu bündeln und die Nummer eins unter den Bergsport-Portalen zu werden.

Auf den ersten Blick wirkt www.alpenvereinaktiv.com sehr gehaltvoll. Herzstück des Konzepts: eine interaktive Landkarte. Jeder Ausschnitt ist dynamisch, egal ob in Garmisch oder am Spitzingsee, je nach Zoom-Faktor erscheinen unterschiedlich viele Touren. Per Mausklick geht’s dann zum gewünschten Ziel mit Routenbeschreibung, Foto-Slideshow, den wichtigsten Tourdaten (u.a. Höhendifferenz, Gehzeit, Schwierigkeit, Anforderungen an Kondition und Technik) sowie GPS-Tracks zum Download und einem Kartenausschnitt, auf dem die Tour eingezeichnet ist. Der Clou an den Kartenausschnitten ist, dass man sie sich individuell darstellen lassen kann: mit Hangneigung, als Satellitenbild, mit Zusatzinfos wie Höhenlinien oder Radwegen – sogar eine 3D-Ansicht ist möglich. Gut ist auch, dass sich die Tourensuche durch Filterfunktionen wie die Art der Unternehmung (es gibt 18 Unterkategorien, von Eistour bis Rodelpartie) einschränken lässt. Weitere praktische Features: Die Hüttendatenbank ist hinterlegt, ab Herbst werden auch Wetterinfos implementiert, und parallel zu den Tourdaten stehen unter der Rubrik „aktuelle Bedingungen“ frische Eindrücke anderer Bergsteiger, beispielsweise zu Wegsperrungen oder zur Lawinenlage.

Jenseits dieser zweifelsohne durchdachten Elemente offenbart das neue Portal der Alpenvereine, das allein in den Ostalpen schon 15.000 Touren in seiner Datenbank hat, beim zweiten Blick aber einige Schwächen im Detail. Quantität statt Qualität – darin liegt bisweilen das Problem. „Im Gegensatz zu anderen Portalen haben wir viele tausend Experten in unseren Sektionen“, glaubt Jochen Brune, der beim DAV das Projekt koordiniert, an dieses Potenzial. Aber: Nicht jeder gute Bergsteiger ist automatisch ein guter Alpinsport-Autor, trotz interner Schulungen. Zusätzlich leistet sich der DAV zwar professionelle Alpin-Journalisten wie Michael Pröttel (der auch für unsere Zeitung „Spritztouren“ verfasst) und Buchautor Siegfried Garnweidner, greift zu einem hohen Prozentsatz aber auf Tourenbeschreibungen von Projektpartner „Alpstein-Tourismus“ und dessen Plattform „Outdooractive.com“ zurück.

Über den qualitativen Wert dieser Tourenbeschreibungen lässt sich, wie Stichproben unserer Zeitung ergeben haben, streiten. Mal stimmen Zeitangaben oder Höhendifferenz nicht, mal sind die Texte arg oberflächlich formuliert, und manchmal stecken sogar handfeste Fehler drin. Bei der Skitour zum Zischgeles zum Beispiel, mit fünf Stunden Aufstieg ohnehin übermäßig dimensioniert, heißt es, die ersten 400 Höhenmeter könnten per Schlepplift überbrückt werden – bloß wurde der schon vor Jahren abgebaut. „Es ist ein Mitmach-Portal. Alle sind gefragt, Touren zu prüfen und mit Kommentaren auf Fehler aufmerksam zu machen“, sagt DAV-Pressesprecher Thomas Bucher. Zudem gebe es ein „Qualitätssiegel“ für bis dato etwa 400 Touren, die von speziell geschulten Leuten verfasst wurden. Doch selbst das ist keine Garantie, im Gegenteil: Beispiel Jägerkamp – bei der Skitour dahin wird als Variante der Abstecher aufs Wilde Fräulein empfohlen. Just dieser Bereich soll aber nach den Maßgaben des DAV-Projekts „Skibergsteigen umweltfreundlich“ gemieden werden.

Thomas Bucher verspricht, derlei Widersprüche und Fehler auszumerzen: „Wir haben eine Netzwerkstruktur und setzen auf Qualitätskontrolle. Bitte haben Sie etwas Geduld.“ Der Vorläufer des neuen Portals, die Webseite www.alpine-auskunft.de, wird übrigens in nächster Zeit aufgelöst (dafür gibt es ja den Menüpunkt „aktuelle Bedingungen). Smartphone-Besitzer können das Portal auch kostenlos als App nutzen.

Von Martin Becker

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