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Baby statt Hanteln: Kanga ist Sport im Känguru-Stil.

Fit mit Baby

Trainieren wie die Känguru-Muttis

Hollywood-Stars haben ihren Personal Trainer, Normalo-Mütter ihr Baby. Vor den Bauch geschnallt sorgt es für zusätzliches Gewicht bei Aerobic und Kraftübungen.

 „Die Babys ersetzen sozusagen die Hanteln“, erläutert die Bremer Fitnesstrainerin Julia Linge. Ein spezieller Gurt hält die Säuglinge bei den „Fit dank Baby“-Kursen sicher am Körper der Mütter. Auch beim Kangatraining turnt Mama, während das Kind sich in Trage oder Tuch bei ihr ankuscheln kann. Pam Zurkuhle unterrichtet den Sport im Känguru-Stil im niedersächsischen Delmenhorst. Der Vorteil liegt ihrer Ansicht nach auf der Hand: Das Training ist besonders effektiv und ein Babysitter unnötig.

Mareike Böhmel beißt die Zähne zusammen. Sie geht in eine tiefe Kniebeuge und wippt leicht auf und ab. Eigentlich schon anstrengend genug. Doch die 29-Jährige hat ein paar Extra-Kilo vorm Bauch: ihre Tochter Hanna. Das Baby steckt in einer Trage und schläft, während Mama schwitzt. „Das ist schon schwer“, sagt Böhmel. Und das muss beim Kangatraining auch so sein. Das zusätzliche Gewicht soll den Schwangerschaftsspeck schneller schmelzen lassen und Muskeln aufbauen.

Winnie Puuh als Namenspate

Babys in Tragen oder Tüchern zu transportieren, finden viele Mütter praktisch. Die Hände sind frei, und der Nachwuchs fühlt sich wohl. Wieso das nicht auch beim Sport nutzen?, dachte sich die Wienerin Nicole Pascher und entwickelte das Fitnessprogramm, das nach der Kängurumutter bei Winnie Puuh benannt ist. Mittlerweile gibt es die Kurse in mehreren Ländern und vielen deutschen Städten.

Pam Zurkuhle unterrichtet Kanga seit einiger Zeit in einem Tanzstudio in Delmenhorst bei Bremen. Auf dem Boden liegen Rasseln, Kuscheltiere und Schnuller verteilt. Sechs Babys krabbeln zwischen den Matten herum. Hanteln und andere Sportgeräte sucht man vergeblich - unnötig. Nach dem Aufwärmen schnallen sich die Mütter ihre Kindern vor den Bauch. Zurkuhle dreht die Musik auf. „Bauch einziehen, Schultern tief“, ruft sie. Los geht es mit Aerobic, danach folgen einige Kraftübungen, dann wieder Aerobic.

"Umso schwerer, umso besser"

Turnen mit Kind: Auch mit einem Baby kann man fit sein.

Alles schonend für die Gelenke und den strapazierten Beckenboden, aber alles andere als leicht. Johanna Orzessek lässt ihren Sohn Felix auf den Beinen schweben und hebt den Oberkörper. Schweißtreibende zehn Kilo wiegt der kleine Kerl, die Bauchmuskeln brennen. Die 28-Jährige stört das nicht: „Umso schwerer, umso besser“, findet sie. Mit ihrer Sport-Begeisterung ist sie nicht allein. Nicht nur Sporty-Moms wie Madonna und Heidi Klum, sondern auch viele ganz normale Mütter wollen nach der Geburt schnell wieder in Form kommen.

An Angeboten mangelt es nicht: Pilates mit Kind, Mami-und-Baby-Yoga, Buggyfit. Sogar der Bundesliga-Sportverein Werder Bremen bietet Walking mit Kinderwagen an, bei dem Frauen im Slalom ums Stadion cruisen oder die Parkplatzeinfahrt rauf und runter hechten. „Die Idee „Fit trotz Baby“ ist in den Köpfen angekommen“, sagt die Sportpsychologin Marion Sulprizio. Deshalb seien immer mehr werdende Mütter aktiv und blieben es auch nach der Geburt.

Kein falscher Ehrgeiz

Die Expertin von der Deutschen Sporthochschule in Köln warnt aber auch vor falschem Ehrgeiz. „Man sollte nicht zu früh anfangen, und die Rückbildung wirklich ernst nehmen.“ Sonst kann es später Probleme mit der Bauchmuskulatur oder dem Beckenboden geben. Das sieht auch Julia Linge so, die „Fit dank Baby“ in einem Bremer Geburtshaus unterrichtet - ähnlich wie Kangatraining, aber mit Gurt statt Trage. „Es ist wichtig, dass man sich bewegt und den Körper wieder spürt.“ Doch bloß nicht zu früh und auf keinen Fall die falsche Belastung.

Ihre Schwangerschaftspfunde hat Johanna Orzessek nach sechs Wochen Kanga bereits abgeturnt. Das Training hat nach ihrer Ansicht noch einen Vorteil: „Ich brauche keinen Babysitter.“ Für Mareike Böhmel ist es trotzdem die letzte Kanga-Stunde. Sie wird im September wieder anfangen zu arbeiten. Aus der „Sporty Mom“ wird dann eine „Working Mom“. Damit liegt sie ebenfalls voll im Trend.

Von Irena Güttel, dpa

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