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Ein Panorama für Romantiker: Auf dem Geißbichl bei Trauchgau.

Spritztouren

Traumhafte Winterwanderung am Maxi-Bichl

Lage, Lage, Lage – heißt es bei Immobilien. Im Weiler Eschenberg hat man diese Lage. Und was für eine! Und es geht sogar noch etwas aussichtsreicher.

Der „Berg“ über Eschenberg ist eher ein Gupf und auf den meisten Karten hat er nicht mal einen Namen. Er firmiert als „Geißbichl“, also als ein kleiner Bichl, dessen Größe sich aber auf seinem Gipfel(chen) offenbart. 360 Grad Aussicht, im Süden in die Allgäuer Berge, im Westen über den Premer Lechstausee, im Nordosten spitzt die Wieskirche aus dem grünen Tann – der Geißbichel kann was! Drum haben die umsichtigen Aufsteller der Bank heroben sie auch doppelt gestaltet: In Nord- und Südausrichter, damit einem auch nichts entgeht. Das ist ein nettes Platzl hoch über Trauchgau. Die Gemeinde Halblech entstand erst 1976 durch die Zusammenlegung der beiden ehemaligen Gemeinden Buching und Trauchgau. Das schmucke Trauchgau liegt recht weitläufig im Tal, im Westen ragt der düstere Hohe Trauchberg auf, im Osten gibt es anmutige Höhenzüge – wie den Geißbichl eben. Diese Landschaft ist so königlich schön, dass kein Geringerer als König Ludwig II. hier immer weder „untertauchte“ und auf der Kenzenhütte, die man im Sommer eben übers Halblechtal erreicht, sogar arbeitet. In Aufzeichnungen der Bayerischen Landesbibliothek ist zu lesen, dass er dort oben Verordnungen schrieb. Beispielsweise die „Königliche Allerhöchste Verordnung, die Zuständigkeit zur Bestimmung der Kamin-Kehrertermine und Kaminkehrerlöhne betreffend.“ Die Verordnung endet mit der Orts- und Datumsangabe: Kenzenhütte, den 16. September 1865. Ein guter, erdiger Platz eben, dieses Trauchgau, das auch eine Reihe schöner alter Häuser in der Reichenstraße oder am Kirchplatz zu bieten hat. Das wunderschön restaurierte Heislarhaus wird im Sommer öfter zur Musikbühne für echte Volksmusik und im Winter zum viel bestaunten Weihnachtshaus. Der Bauernhof mit dem Hausnamen „Beim Hölzler“ wurde 2000 Dorfmuseum mit liebevoll gesammelten Exponaten: Flachsbearbeitungsgeräte sind zu sehen, als das Allgäu noch lila war, bevor die Milchwirtschaft kam. Es geht um bäuerliche Wohnkultur und das Handwerk, es gibt ein altes Schulzimmer und Wintersportgeräte, denn hier ist man nun mal dicht dran am Schnee! Die Kirche St. Andreas war ursprünglich eine Holzkirche, erstmal erwähnt im Jahre 740. 1805 war die Kirche in einem elendem Zustand, 1814 sprach man noch von Neubau, 1817 stürzte die Mauer ein und begrub den Kreuzaltar unter sich. 1818 begann der Baumeister Matthias Left aus Schongau mit dem Neubau und 1819 gab es schon Gottesdienste – mehr oder weniger noch auf der Baustelle. Drei Altäre kamen von der abgebrochenen Kirche in Steingaden. Vor dem Betreten der Kirche sollte man auf der rechten Seite des Eingangsportals einen Stein betrachten, der von der Heiligen Pforte in Rom stammt, die 1725 durch Papst Benedikt XIII. geöffnet wurde. Über dem Chor ist das Letzte Abendmahl thematisiert, an der Langhausdecke das Martyrium des hl. Andreas mit dem typischen Andreaskreuz. Der Künstler Anton Keller aus Pfronten, der viele Kirchen im Allgäu, aber auch in der Schweiz ausgemalt hatte, war zu dem Zeitpunkt bereits 80 Jahre alt! Ja, das ist einfach eine Gegend, die inspiriert und jung hält, um nochmals den Kini zu zitieren, was er in einem Brief an Richard Wagner vom 10. Februar 1869 schrieb: „O wie sehne ich mich fort aus dem grässlichen Stadtgetriebe nach den lieben Bergen, denn auf den Bergen ist Freiheit und überall, wo der Mensch nicht hinkommt mit seiner Qual“.

Von Nicola Förg

Winterwege bei Trauchgau

ANFAHRT – A 96 München – Lindau, Ausfahrt Landsberg/Lech West, B 17 über Schongau, Steingaden bis Trauchgau. Parken: In Trauchgau rechts abbiegen zum Alpenfreibad. Dort gibt es ausreichend Parkplätze.

TOUR – Charakter / Länge: ca. 6 km, gute Route auch für Nordic Walking. Feldwege, Asphaltstr. nach Eschenberg. Verlauf: Hinauf geht es nach Eschenberg, an der Weilerkapelle vorbei und dann rechts hinauf zum Geißbichl (kleines Schild), retour bis zur ersten Kurve in Eschenberg und dort links weg (Beschilderung Ried, Alpenfreibad), durch Ried hindurch und weiter bis zur B 17, Fußweg unterquert die Straße, nach ca 200 Meter links weg (Richtung Trauchgauer Almstube), wo ein Sträßchen zur Almstube abzweigt, geht es gegenüber durch Wiesen weiter ins Zentrum von Trauchgau, vom Kirchplatz in die Dorfstraße, beim Rathaus wenige Meter an der B 17 entlang (nach links), dann rechts in Töpferweg, Weg umrundet das Haus Nr. 5 und geht dann weiter über einen Moorwiesenweg zurück zum Bad.

LOIPEN – Loipe T 1 – Trauchgauer Loipe: Leichter Rundkurs über weite Felder von Halblech nach Trauchgau und zurück. Länge: 4 km; Diagonal- und Skatingloipe; Start: Skilift Halblech (Kapellenweg) oder an Achkapelle bei der B 17 in Trauchgau (gegenüber Gasthof Post). Loipe T 2 – Trauchgauer Runde: Mittelschwerer Rundkurs mit schöner Aussicht auf die Berge und das Tal; knackiger Anstieg und anspruchsvolle Abfahrt. Länge: 6 km; Diagonal- und Skatingloipe; Start: wie bei Loipe T 1.

TIPPS – 1. Museum Trauchgau: Info und Führungen für kleinere Gruppen über Hubert Romeder, Tel.: 08368/ 656. 2. Trauchgauer Käseladen, Reichenstr. 11. Mo. Di. Mi. 9 – 12 Uhr, Do. Fr. 9 – 12 Uhr und 15 – 18 Uhr, Sa 8 – 12 Uhr. 3. Trauchgauer Almstube: Üppige Portionen im Kultgasthof, Adresse: Im Bruch 3, 87642 Halblech, Telefon: 0 83 68 / 348; www.almstube-trauchgau.com

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