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Oben auf dem Türkenköpfl hat man zwar nicht viel Platz, aber einen wunderbaren Blick ins Leitzachtal und zum Breitenstein (rechts).

Türkenköpfl

Ein Gipfel mit Geheimnis

Türkenköpfl – das ist schon ein Bergname, der aufhorchen lässt. Was hat es denn damit für eine Bewandtnis? Doch egal, ob man bei der alten Sennerin oder anderen Ortskennern und Namensexperten...

...nachfrägt, der Gipfel gibt sein Geheimnis einfach nicht preis. Überhaupt scheint sich dieser nette kleine Spitz im Schatten des Wendelsteins etwas zu verstecken. Obwohl das kleine Felsgipferl mit einem schönen neuen Kreuz geschmückt ist und viele Erinnerungstäfelchen durchaus von seiner Beliebtheit zeugen, ist er nicht einmal auf allen Karten eingetragen. Ausgeschildert ist er schon gar nicht, und so erhält der nette Aussichtspunkt über dem Leitzachtal relativ wenig, eher von Kennern Besuch. Weil wir in unseren Bergtouren ja nicht nur ein sportliches Erlebnis sehen, sondern in den bayerischen Voralpen auch die Ruhe und Abgeschiedenheit suchen, ist das Türkenköpfl also eine besonders lohnende Tour.

Die Bergwanderung beginnt unweit vom Bahnhof Geitau bei Bayrischzell, so würde hier eine alternative und umweltschonende Anfahrt mit dem Zug infrage kommen. Vorbei an wunderschönen Bauernwiesen wandert man zum Bergfuß. Ein Forstweg leitet einen dann in bequemer Steigung durch einen schönen Wald hinauf ins Gelände der Spitzingalmen. Die liegen ganz idyllisch da, in einer Senke eines breiten Wiesenrückens, der sich sanft zu einem kugelrunden Hügel aufschwingt. Dabei handelt es sich um die sogenannte Spitzingscheibe, ein Gupf, den man durchaus als Alternativ-Gipfel sehen kann, wenn man lieber eine ganz kurze Spritztour machen möchte. Gipfelsammler werden die Spitzingscheibe eher als Fleißaufgabe in die Tour mit einbauen.

Über der wunderbaren Voralpen-Szenerie bei den Spitzingalmen thront der felsige Wendelstein, in dessen Angesicht man nun das Türkenköpfl in Angriff nimmt. Wie gesagt, unser Tagesziel versteckt sich etwas, und daher ist hier von ihm auch weit und breit nichts zu sehen. Ein Stück weglos, doch bald auf einem schmalen Steig, wandert man Richtung Aiblinger Hütte. Dass man auf dem richtigen Weg ist, bezeugt die Aufschrift auf einem kleinen Felsen und so hat man bald über einen wunderbaren, schmalen Pfad die Kammhöhe erreicht. Auch hier versteckt sich das Ziel noch immer etwas, erst wenn man jenseits der Kammhöhe steht, kann man ein kleines Felsgipfelchen mit einem Holzkreuz ausmachen, und dahinter der mächtige Wendelstein, der immer wieder die Blicke auf sich zieht. Der weglose Schlussanstieg ist vielleicht der schönste Teil dieser unschwierigen Bergwandertour. Denn jetzt hat man schon eine großartige Aussicht in verschiedene Himmelsrichtungen. Nur die letzten Meter hinauf zum Kreuz – hier findet man wieder Wegspuren – sind etwas steiler und erfordern ein Minimum an Trittsicherheit.

Weil das wirklich sehr kleine Gipfelchen wenig Platz bietet und dahinter der breite, sogar etwas höher gelegene Kammrücken mit schönen Rastmöglichkeiten lockt, sucht man sich dort in der Wiese einen Brotzeitplatz. Hier hat man einen tollen Blick auf den überlaufenen Breitenstein, den Schweinsberg und ins Leitzachtal. Und hier wird man feststellen, dass das Türkenköpfl zwar kein Geheimtipp ist, aber dass es sich auf jeden Fall lohnt, einmal abseits der viel begangenen Standardtouren eine etwas ruhigere Route auszuprobieren – ein Gipfelchen, dessen Namen nicht jeder kennt.

Von Bernhard Ziegler

TÜRKENKÖPFL (1460 METER)

ANFAHRT – Über die B307 nach Geitau. Bei Geitau biegt man links ab Richtung Bahnhof. Bei einer kleinen Unterführung geradeaus weiter. An einer bald folgenden Gabelung rechts. Danach endet die frei befahrbare Straße an einem Wanderparkplatz (780 m) beim Ortsteil Kloo.

TOUR – Vom Wanderparkplatz auf der Straße Richtung Nordosten, geradeaus an einer Wiese vorbei bis zu einer beschilderten Verzweigung. Links ginge es nach Birkenstein, zum Türkenköpfl hält man sich rechts, wandert geradeaus hinauf in den Wald. Der Forstweg dreht nach rechts ab. Bei der folgenden unbeschilderten Kehre muss man aufpassen, da der Forstweg auch geradeaus weiterführt.

Hier links u. ohne Orientierungsprobleme über Kehren durch den Wald hinauf bis in eine Höhe von 1180 m. Dort findet man einen Schilderbaum u. zwei Möglichkeiten für den Weiterweg:

1. Man hält sich links u. geht ein paar Meter abwärts zu einem Wegweiser. Man verlässt den Forstweg nach rechts oben u. steigt auf einem schmalen Steig über eine Rechtskurve durch den Wald in freies Gelände oberhalb der Spitzingalmhütten. Man quert den Hang auf dem deutlichen u. markierten Pfad Richtung Osten, bis man einen Waldstreifen erreicht.

2. Beim Wegweiser nach rechts u. auf der Almstraße zu den Hütten der Spitzingalm (1237 m). Hier könnte man nach rechts über Pfadspuren auch die Spitzingscheibe (1270 m) erreichen. Zum Türkenköpfl geht es bei den Almhütten nach links. Hinter der letzten Hütte betritt man wegloses Almgelände u. steigt in direkter Linie nach Norden empor. Schon bald trifft man auf den unter (1.) erwähnten, markierten Pfad, der nach rechts in einen Waldstreifen führt. Kurz danach findet man an einem beschrifteten Felsen eine Gabelung. Es geht nach links oben Richtung Aiblinger Hütte. Der mit roten Punkten markierte Pfad zielt weiter nach Osten, dreht dann aber in die entgegengesetzte Richtung ab u. führt zur Kammhöhe (ca. 1460 m). Bei einem beschilderten Übertritt geht es über den Zaun, man folgt aber nicht dem Weg nach unten, sondern wandert parallel zum Zaun entlang von Trittspuren, geringfügig links der Kammhöhe, nach Osten auf den Wendelstein zu. Schon bald geht es direkt über den breiten Rücken, endlich kann man das kecke Felsgipfelchen erkennen, das man am Ende über einen deutlichen Steig von rechts her erklimmt.
Höhendifferenz: 730 Höhenmeter. Aufstieg: 2 ¼ Stunden; Abstieg: 1 ½ bis 2 Stunden.

KARTE – Kompass 8, Tegernsee, Schliersee.

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