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Guck mal Papa, da unten wohnen wir: Der Blick vom Skigebiet auf den See – und den Jägerwirt im Hintergrund.

Das ist ja wohl die Höhe!

Mit den Kindern auf die Piste – unser Autor Klaus Heydenreich war mit seiner Familie im Skigebiet Turracher Höhe. Sein Sohn Oskar (4) ist seitdem heiß aufs Skifahren – und auf manch andere Vergnügungen:

Wir haben zu Hause ein kleines Problem: Oskar. Unser vierjähriger Sohn fordert neuerdings eine Rutsche, um aus seinem Zimmer zum Essen zu gelangen. „Geht schneller und macht mehr Spaß“, sagt er. Außerdem fragt er ständig, ob es bei uns auch wieder das tolle Büfett gebe. Das Problem an der Sache: Wir essen in der Küche, haben keine Köchin, und eine Rutsche über mehrere Etagen haben wir auch nicht. Schuld an dem Schlamassel ist der Jägerwirt – es ist wirklich die Höhe! Genauer: die Turracher Höhe. Dass im Hause Heydenreich die Ansprüche gestiegen sind, hat einen guten Grund: unseren Kurzurlaub im Seehotel Jägerwirt auf der Turracher Höhe – und eben diese Rutsche, die sich von der Ottifanten-Kinderwelt im dritten Stock durchs Treppenhaus bis ins Erdgeschoss dreht. Das Hochtal Turracher Höhe ist die ideale Oase für einen Urlaub mit Kindern. Einmal angekommen, stellen Sie Ihr Auto ab und suchen es erst wieder, wenn die Heimreise ansteht. Dazwischen liegt jede Menge Erholung.

Rodelspass: Eine wilde Rodel-Achterbahn rast im Winter und Sommer ins tal - eine rasante Abwechlung zur Skipiste

Und das gilt für alle, vom Enkel bis zur Oma: Am Ufer des 1763 Meter hoch gelegenen Sees bietet sich die ganze Palette des Wintersports. „Papa, heute will ich Eisstock schießen, langlaufen und Schlittschuh fahren“, sagt Oskar. „Pferde!“ ruft seine neue Freundin Jasmin, als sie auf den zugefrorenen See schaut. Sie hat die Kutsche entdeckt. Ganz oben auf der Liste bleibt bei allen aber natürlich: skifahren. Auch bei Oskar. Der hat sowieso wahr gemacht, was er uns die ganze Autofahrt über angekündigt hatte: sich im Skikurs anzumelden. Bei Natascha. Die ist Skilehrerin – aber eigentlich viel mehr: Sie arbeitet im Hotel in der Kinderbetreuung, kennt also die Kinder auch, wenn sie ihre Skiklamotten mal ablegen. Und sie ist so etwas wie eine Zeitmaschine. Sie schenkt uns Eltern Freizeit. Denn dass wir nicht danebenstehen müssen, wenn Oskar seine ersten Versuche auf den Brettern unternimmt, sondern selbst die schneesicheren Pisten bis hinauf auf 2193 Meter genießen sollen, das hat er uns schon ziemlich früh erklärt: am Frühstücksbüfett. Dort hat er uns auch wissen lassen, dass Skifahrer vornehmlich Schokocroissants zu sich nehmen („macht stark“) und dazu Kakao trinken („macht schnell“). Und wir Eltern müssen zugeben, dass der Gedanke mit den Schokocroissants durchaus etwas für sich hat.

Ski-Buttler: Ein Glas Prosecco gefällig? - und sie müssen nicht mal abschnallen.

Natascha verschlingt vermutlich nicht jeden Tag Croissants, ist aber trotzdem eine glänzende Skilehrerin, sagt Oskar. „Ich höre immer zu, was sie sagt, und mache das dann auch“, verkündet er, als wir ihn um 12 Uhr vor dem gemeinsamen (!) Mittagessen abholen. Dass die Kinder theoretisch den ganzen Tag in der Betreuung bleiben könnten, darauf ist Gerda Brandstätter zwar stolz. Aber genauso wichtig ist ihr, dass das gar nicht unbedingt sein muss. „Wir sehen uns hier als Problemlöser“, sagt die Hotelchefin. „Wir wollen den Eltern ein paar Stunden Ruhe von den Kindern verschaffen. Aber die Turracher Höhe ist viel zu schön, um sie nicht gemeinsam mit den Kleinen zu erleben.“

Gerda Brandstätter weiß das ziemlich genau, sie leitet das Hotel zusammen mit ihrem Mann Sigi und Sohn Christoph in der fünften Generation seit 1905. Und sie ist immer noch verliebt in ihre Heimat. Das hat sie mit dem Rest des Dorfes gemeinsam – was zur Folge hat, dass mit der Natur behutsam umgegangen wird.

Das Skigebiet ist überschaubar, klotzige Liftanlagen sind nicht geplant. Beheizt wird die Gemeinde über Fernwärme, und die Autos bleiben auf dem Parkplatz. „Wir wollen das bewahren, was die Natur uns geschenkt hat“, sagt Gerda Brandstätter. Sie weiß, dass die Urlauber aus der Stadt hier vor allem eines schätzen: reine Luft. Sehr reine Luft. Die Höhenlage macht aus dem Gebiet auch im Sommer eine fast allergiefreie Zone.

Mit Schneemobil oder durch den Schneetunnel

Wobei der Sommer doch eher kurz ist: Der See ist meist erst irgendwann im Mai eisfrei, die Skisaison geht genau bis zum 1. Mai. Auch der Start in den Winter hat ein festes Datum. „Der See friert am 26. November zu“, lacht Juniorchef Christoph Brandstätter. „Komischerweise haben wir das in den letzten Jahren immer wieder festgestellt.“ Ob es das Geburtstagsgeschenk für die Chefin ist? Jedenfalls beschert die dicke Eisschicht der Turracher Höhe ein einmaliges Ortszentrum. Denn dieses 60 Zentimeter dicke Eis ist der unbestrittene Mittelpunkt. Wer von der einen zur anderen Seite des Skigebiets will, der nimmt entweder den Skitunnel nördlich des Sees – oder er lässt sich flott vom Seetaxi, einem Schneemobil mit Haltestange für etwa 15 Skifahrer, über den See ziehen. Wer eislaufen will, geht auf den See. Wer die Langlaufski unterschnallt, geht auf den See. Wer Eisstock schießen will, geht auf den See. Wer ein paar Stunden im Spa-Bereich verbringt, kann zum Abschluss kurz in den Außenbereich schwimmen und genießt den Blick auf – genau: den See.

Und selbst wer abends noch mal ganz romantisch ein paar Stunden ohne Kinder genießen will, auch der kann ein paar Schritte am Seeufer machen. In der Hosentasche das Handy, das nur klingelt, wenn der Nachwuchs aufwachen sollte. Das hausinterne Babyfon lässt sich aufs Telefon umleiten – auch so ein Service der Problemlöserfamilie Brandstätter.

DIE REISE-INFOS ZUR TURRACHER HÖHE

ANREISE Die Turracher Höhe liegt etwa 300 Kilometer süd-östlich von München an der Grenze von der Steiermark zu Kärnten. Über die Tauernautobahn geht’s bis St. Michael im Lungau, dann weiter über die Landstraße. Reisezeit: ziemlich genau drei Stunden.

ORT Auf 1795 Metern um die Pass­höhe gelegen, erstreckt sich das Dorf Turracher Höhe am See ­entlang. Durch die Höhe liegt an durchschnittlich 158 Tagen im Jahr Schnee, die Skisaison reicht bis zum 1. Mai. Die kürzere ­Sommersaison lockt vor allem Wanderer, die leichten Nockberge bieten Routen, die auch mit Kindern gut zu bewältigen sind.

SKIGEBIET Von 1400 bis 2205 Meter Höhe reichen die Pisten. Das bedeutet vor allem: Schneesicherheit bis ins Frühjahr. In der Skischule können Kurse für Kinder ab zwei Jahren gebucht werden.

SOMMER Allergiefreie Zone – damit kann die Turracher Höhe punkten. Die Höhenlage macht’s möglich. Attraktionen gibt es auch im Sommer genug, zum Beispiel den Nocky-Flitzer, eine rasante Rodel-Achterbahn. Dazu natürlich: Wanderwege in Hülle und Fülle!

HOTEL Das Seehotel ­Jägerwirt liegt ­direkt am Ufer – ideal für ­Sommer und Winter: schwimmen, rudern, Schlittschuh laufen, Eisstock schießen etc., alles ist vor der Haustüre zu finden. Das Haus steht seit 1905 unter der Leitung der ­Familie Brandstätter, die seit den 1980er-Jahren auf Familien mit Kindern setzt – aber nicht nur! Es gibt zum Beispiel einen großen Wellness-Bereich (Spezialität: Zirben- und Bali-Spa). Eine Woche kostet mit HP, 6-Tage-Skipass und 5-Tage-Skischule bzw. Wellness ab 1192 Euro (p.P. im DZ). Schneemann-Pauschale für Kinder (4 bis 6 Jahre, inkl. Skischule und Liftkarte) 400 Euro.

INFOS Seehotel Jägerwirt, Tel. 00 43/42 75/ 82 5 70, www.seehotel-jaegerwirt.at. www.turracherhoehe.at.

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