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Hoppla, da soll’s hinauf?! Die Arnplattenspitze ist vom Weißlehnkopf aus besteigbar – aber nur für Geübte. Für die Rundtour ist die Kraxelei unnötig.

Rundtour

Ein steiler Zahn

Im Schatten der kühnen Arnplattenspitze stehend ist der Weißlehnkopf unter Bergwanderern so gut wie unbekannt. Dabei bietet er ein eher einfaches, aber aussichtsreiches Ziel, inklusive einer spannenden Abstiegsvariante für kräftige Knie.

Und sichere Kraxler können sich sogar an der Arnplattenspitze selbst versuchen...

Der Anstieg beginnt auf einem bequemen Forstweg im morgens angenehm schattigen Satteltal. Ab dem Hohen Sattel jedoch ändert sich das Wegbild. Recht steil zieht der gut markierte Steig nun durch Latschen und über Schuttreißen die Südflanke hinauf – bei sehr heißem Wetter sollte man besser früh dran sein. Das Ambiente wird immer hochalpiner, die Aussicht jeden Meter besser. Am Kamm oben – die 2000-Meter-Marke ist fast erreicht – öffnet sich der Blick auch gen Norden. Das Wetterstein grüßt von seiner südöstlichen Seite. Vom Leutascher Platt mit den überragenden Dreitorspitzen zieht es hinüber bis zur Wettersteinwand und den Wettersteinspitzen.

Nun geht es entweder links in wenigen Minuten auf den Weißlehnkopf oder rechts hinauf zur Arnplattenspitze. Die sieht von hier so unbesteigbar aus, dass wohl auch gute Kraxler seufzend den Kopf schütteln. Kommt man dem Felsstock jedoch näher, wird aus dem steilen Abbruch eine gerade mal 80 Meter hohe gutgriffige Flanke, durch die die gelb-schwarzen Markierungen schnell und geschickt emporleiten. Dennoch sollte man sich an der Arnplattenspitze nur versuchen, wenn man absolut trittsicher, schwindelfrei und kletterbegabt ist.

Zwei kurze Schlüsselstellen haben es vor allem im Abstieg in sich. „Hier beginnt die Drei-Punkt-Kletterei“, so erklärt der Deutsche Alpenverein den zweiten Schwierigkeitsgrad im Fels. Während man im ersten Grad – der einem als Wanderer bei vielen leichten Felsbergen begegnet – die Hände noch recht beliebig einsetzen und abwärts auch mit dem Gesicht nach vorne klettern kann, wird es bei einem „Zweier“ ernster. Drei von vier Gliedmaßen, also zum Beispiel zwei Hände und ein Fuß, müssen immer fest am Fels sein. Das führt dazu, dass man einen „Zweier“ nur mehr mit dem Gesicht zur Wand abklettern kann. Dennoch ist das Gelände beim zweiten Grad meist noch nicht steil genug, um sich mit Seil und Haken sichern zu können. Das beginnt für die echten Kletterer erst ab Grad Drei. Zu Recht berüchtigt sind Zweier-Touren daher bei Alpinisten, da sie absolut sicheres, seilfreies Steigen erfordern. An der Arnplattenspitze sind die Zweierstellen kurz und griffig – dies lädt zu einem Test ein, aber nur ohne falschen Ehrgeiz.

Wer also die Arnplattenspitze rechts liegen lässt, muss sich nicht grämen. Denn vom gut 2000 Meter hohen Weißlehnkopf genießt man einen gefahrlosen, kaum weniger schönen Blick. Karwendel und Wetterstein, Mieminger Kette und die Stubaier Alpen mit ihren Gletschern grüßen, fast senkrecht unterhalb das lange grüne Leutascher Tal. Konditionsstarke Geher mit kräftigen Knien können nun eine spannende Abstiegsvariante starten und aus der Tour eine Rundtour machen. Vom Weißlehnkopf führt ein markierter Steig über den Westrücken weiter und durchquert das Latschenmeer am Arnkopf und Zwirchkopf. Geschickt führt der Steig durch begrünte Latschengassen, Alpenrosenfelder und kleine Felsstufen. Konzentriertes Gehen ist allerdings bis ganz unten angesagt. Im letzten Drittel führen die Steigspuren durch lichten Nadelwald an teils sehr steilen Flanken. Kiefernzapfen mischen sich da unter feines Geröll und bilden zuweilen eine rutschige Unterlage. Die schäumende Leutascher Ache, die man danach erreicht, hat nach der langen Tour dann nur eine Botschaft parat: Schuhe aus und hinein mit den Füßen!

Von Christian Rauch

ANFAHRT – A 95 München – Garmisch-Partenkirchen bis Autobahnende. B 2 über Garmisch-Partenkirchen und Mittenwald bis zur Grenze. In die Leutasch, im Ortsteil Arn den gelben Wanderschildern folgend links abbiegen und zu einem kleinen Parkplatz am Waldrand.

TOUR – Gehzeit: 4,5 bis 5 Stunden, Höhenunterschied 920 Meter (mit Arnplattenspitze 1100 Meter, gut 1 Stunde mehr). Teils Forstweg, teils steiler Bergsteig mit schottrigen und leicht felsigen Stellen. Trittsicherheit erforderlich. Genügend Getränke mitnehmen (oben keine Quellen). Abstecher zur Arnplattenspitze ausgesetzt mit kurzer Kletterei bis Grad II (nur für Trittsichere, Schwindelfreie und Kraxelerfahrene – man muss alles wieder abklettern können!).

Verlauf: Vom Parkplatz dem Forstweg geradeaus folgen (Schild zum Hohen Sattel). In bequemer Steigung bis hinauf zum Hohen Sattel. Hier der Beschilderung folgend links abzweigen. Der gut markierte Steig wird bald steiler und durchquert die sonnige Latschenflanke mit einigen Geröllfeldern bis hinauf zum Kamm. Dort bei den Schildern links in wenigen Minuten auf den unscheinbaren Gipfel des Weißlehnkopfes (rechts zur Arnplattenspitze).

Abstieg wie Aufstieg. Spannende Abstiegsvariante (etwas länger, konzentriertes Gehen bis zuletzt nötig, da am Ende noch mal sehr steil): Vom Weißlehnkopf den markierten Steig über den Westrücken weiter. Er führt erst durch viele Latschengassen, auf und ab. Später neigt er sich nach links in die Hänge. Vor dem Ende das steile Waldstück, dort gut auf die Markierungen achten! Im Tal vor der Leutascher Ache links zurück zum Parkplatz.

KARTE – Kompass-Karte 5, Wettersteingebirge.

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