+
Auf einer Anhöhe bietet sich ein herrlicher Blick über Sindelsdorf. Der schöne Aussichtspunkt liegt auf dem Malerweg (Außenstelle A, Seeleiten, Kochelseemoor).

Winterspaziergang

Ungeliebte Nackerte: Auf Künstlerpfaden durch Sindelsdorf

Sindelsdorf ist so, wie ein Dorf sein sollte: Es gibt eine Handvoll Bauernhöfe, ein Wirtshaus gleich neben der Kirche und ein Netz von Spazierwegen, die vor einem Bergpanorama durch eine Moorlandschaft führen. Doch das ist noch nicht alles.

Sindelsdorf lag einst an der uralten Salzstraße und war ein bedeutender Umschlagplatz. Doch nicht nur der Handel blühte im Ort, auch eine Künstlerkolonie entwickelte sich zu voller Blüte. Schon 1858 kam der Romantiker Bernhard Stange nach Sindelsdorf. Er hatte Rechtswissenschaft studiert, lebte aber lieber als Landwirt. Sein großes Steckenpferd war jedoch die Malerei. Das bekannte Gemälde „Die Abendglocke“ entstand in Sindelsdorf. 

1909 kam dann Franz Marc

Die berühmte Gartenlaube von Franz und Maria Marc.

Er war fasziniert, ja geradezu elektrisiert von der Landschaft: „Ich suche mich einzufühlen in das Zittern und Rinnen des Blutes der Natur, in den Bäumen, in den Tieren, in der Luft“, so Franz Marc. Um ihn scharte sich bald die ganze Künstlergemeinschaft, „Der Blaue Reiter“. Viele Künstler, wie Wassily Kandinsky, August und Helmuth Macke, Gabriele Münter, Alexej von Jawlensky, Robert Delaunay, Jean Bloé Niestlé und Heinrich Campendonk belebten fortan das Ortsbild. Zur Erinnerung an diese Zeit schuf die Gemeinde Sindelsdorf den Malerweg. Der Rundweg umfasst 12 innerörtliche Stationen und 3 Außenstellen. Er führt zu den Plätzen, an denen die Maler lebten und ihre Motive fanden. Die Stationen sind unabhängig voneinander. Sie sind auf kleinen Tafeln ausführlich beschrieben und bebildert. Man beginnt und beendet die Runde je nach Lust und Laune. 

Unsere heutige Spritztour ist eine Kombination aus dem Malerweg und einem Spaziergang. Beim Start vom Parkplatz am Ortseingang erreicht man nach der Station 3 (Wohnung Marc) flugs die berühmte „Gartenlaube“, Station 2. Im Jahre 2008 wurde die Laube liebevoll renoviert und man kann sich gut vorstellen, wie die Künstler um den Tisch saßen und Maria Marc einen „märchenhaften Kaffee“, wie Wassily Kandinsky schwärmte, servierte.

 Unsere Tour verlässt später über die „Kirchsteinstraße“ den Ort und führt über winterliche Wiesen auf eine Anhöhe hinauf (Station A, Seeleiten). Hier genießt man einen Traumblick über das verschneite Kochelseemoor und auf Sindelsdorf mit dem spitzen Kirchturm. Je nach Wetter verkürzt oder verlängert man den Spaziergang durch die Wiesenlandschaft. 

Wieder im Ort zurück, sollte man sich ein Schwenk zu den legendären „Strahdrischn“ (Station 7) gönnen. Sie waren Motiv für das bekannte Gemälde von Franz Marc „Hocken im Schnee“. Die Heuhocken – in Sindelsdorf „Strahdrischn“ genannt, wurden birnenförmig aufgebaut, ein Stück Torf als Hut setzte man oben drauf. Somit konnte kein Regen- oder Tauwasser in das Innere gelangen. Nun ist es an der Zeit für eine griabige Einkehr. Da kommt der Gasthof „Zur Post“ – einst beliebter Treff der Künstlergilde (Station 12) – wie gelegen. Später auf dem Rückweg zum Parkplatz geht man wieder auf der „Hauptstraße“ und nimmt noch die Station 4 (Wohnung Niestlé) und Station 5 (Wohnung Campendonk 1) mit. Maler Campendonk soll angeblich „nackerte Weiber“ an den Kleiderschrank gemalt haben. Der Vermieter war darüber so erbost, dass er den Schrank ins Feuer warf.

von Doris Neumayr

Winterspaziergang durch Sindelsdorf

ANFAHRT – Auto: A 95 München – GAP, Ausfahrt Sindelsdorf. Weiter Richtung Benediktbeuern auf B 472. Der Parkplatz ist nach der Autobahnausfahrt Sindelsdorf rechts direkt vor dem Ortseingang („Hauptstraße“). Bahn: Bhf. Penzberg; per Bus bis Sindelsdorf.

TOUR – Streckenlänge ca. 5,8 km, reine Gehzeit für die ganze Runde rund 2 Stunden. Die Infotafeln der Stationen sind unauffällig und können auch eingeschneit sein. Der Spaziergang kann beliebig ausgedehnt werden; viele Wege sind geräumt. Verlauf: Vom Parkplatz aus spaziert man auf dem Gehsteig der „Hauptstraße“ nach Sindelsdorf hinein. Bald geht’s nach links in die „Franz-Marc-Straße“ (Station 3, Wohnung Marc). Man folgt der Rechtskurve (Station 2, Gartenlaube) und kommt kurz nach dem Friedhof an die „Penzberger Straße“. Jetzt rechts Richtung Kirche und Info-Pavillon. Nun nach links in die „Reginpertstraße“ und vorbei an dem „Bernhard-Stange-Weg“ (Station 10, Wohnhaus Stange). Dann erreicht man die „Königbergstraße“ und geht auf dieser nach rechts bis zur Kreuzung „Kirchsteinstraße“ (Station 9, Haus Böhm). Man folgt der „Kirchsteinstraße“ nach links aufwärts über freie Wiesen und kommt an einem Parkplatz vorbei (Außenstelle A, Seeleiten, Blick auf das Kochelseemoor). Geradeaus auf dem Sträßchen Richtung Moor. An der übernächsten Kreuzung geht man nach rechts, ebenso an der nächsten Wegverzweigung. Man beschreibt einen weiten Rechtsbogen und folgt dann dem Weg zurück nach Sindelsdorf. Im Ort stößt man an die schon bekannte „Kirchsteinstraße“. Auf dieser hält man sich nun links und spaziert bergab – vorbei an einem Spielplatz mit Weiher (gegenüber dem Spielplatz ist Station 8, Pfarrhof). Danach trifft man auf die „Kocheler Straße“ und geht auf dieser nach links an den Ortsrand. Ein Feldweg führt nach rechts (Station 7 Strahdrischn, Sicht auf Verzauberte Mühle). Nach der Besichtigung zurück an die „Kocheler Straße“. Auf dieser nach links bis zum Gasthof „Zur Post“ (Station 12, Gasthof). Nach der Besichtigung auf der „Penzberger / Kocheler Straße“ retour bis zur Abzweigung „Hauptstraße“. Hier nach rechts der „Hauptstraße“ folgen (Station 5, Wohnung Campendonk 1, und Station 4, Wohnung Niestlé). Immer geradeaus zurück zum Parkplatz.

SINDELSDORFER MALERWEG – Informationen: www.sindelsdorf.de; Flyer gibt’s in Sindelsdorf, Station 2 Gartenlaube; Info-Pavillon neben der Kirche.

Wandertrends im Überblick: Die Hütte ist das Ziel

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare