+
Großartige Szenerien hält die Wander- oder MTB-Tour entlang des Sababaches zur Musauer Alm und weiter zur Füssener Hütte (Bild) bereit.

3 Hütten und 1 Wasserfall

Unterwegs im herrlichen Reintal in den Tannheimer Bergen

Als Hängetal bezeichnen Geomorphologen ein Seitental, das quasi über dem Haupttal „hängt“! Hängetäler münden über eine Stufe ins Haupttal, oft sind es Wasserfälle, die über die Stufe donnern. Genau wie im Fall des Sababaches, der bei Brandstatt ins weite Lechtal rauscht.

Hängetäler sind gemein, denn der starke Anstieg kommt gleich zu Beginn – im Fall des Raintals mit einer ersten Geländestufe vom Gasthaus Bärenfalle herauf. Die ersten 300 Höhenmeter kommen so recht unvorbereitet auf den Wanderer oder den Biker zu! Dann öffnet sich das Tal, ein herrlicher Weg zieht entlang des Sababaches. Und an der Musauer Alm ist ein erstes Bilderbuchziel erreicht. Es ist keine Schande, „nur“ bis zur Musauer Alm zu wandern und dort auf der Terrasse zu enden. Zumal die bereits abgezogenen Milchkühe netterweise Käse, Topfen, Butter, Buttermilch heroben gelassen haben... Wen es aber weiter hinauf drängt, der bleibt dem Sababach treu und nähert sich einer spektakulären Berglandschaft.

Einkehr mit Weitblick: auf der Terrasse der Otto-Mayr-Hütte.

Im Süden zeigt die Tannheimer Gruppe ihre Zähne: Gehrenspitze, Kellenspitze, Gimpel, alles was echte Berge brauchen. Ein bisschen beleidigt sind sie auch: Die Untergruppe der Tannheimer Berge galt in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts noch als eigenständige Gebirgsgruppe der Nördlichen Kalkalpen, teilweise nannte man sie auch „Vilser Alpen“. Erst später wurde sie den Allgäuer Alpen zugeschlagen, aber sie können sich dennoch etwas einbilden auf ihre Einzigartigkeit. Während weite Bereiche der Allgäuer Alpen aus dem brüchigen Hauptdolomit oder aus Juragesteinen bestehen, sind die Tannheimer Berge meist aus Wettersteinkalk, einem Riffkalk. Das ist fester, griffiger Fels – drum sind das auch so beliebte Kletterberge. Diese Berge faszinierten auch Otto Mayr. Der Mann wurde 1835 in Augsburg geboren, 30-jährig zog es ihn ins Karwendel, und ab da war er bergnarrisch. 1878 wurde er 1. Vorsitzender der Sektion Augsburg im Deutschen Alpenverein und blieb das über 27 Jahre! 1885 Bau der Augsburger Hütte, 1888 Wiederaufbau an der „Gaisnase“, 1900 Bau der Otto-Mayr-Hütte, 1910 Bau des Augsburger Höhenweges – alles Meilensteine des Herrn Justizrat Mayr – da darf die Hütte auf 1530 Metern schon nach ihm benannt sein. Ein begnadetes Platzl oder Plätzle ist (isch) das.

Die Baugeschichte der Hütte ist auch ungewöhnlich. Die Sektion Augsburg kaufte auf einer Münchener Ausstellung einen reinen Holzbau, der an Ort und Stelle zerlegt und im nächsten Jahr auf dem Hüttenbauplatz wieder montiert wurde. Gleich nebenan liegt die Füssener Hütte, ebenso griabig: die unbehandelten Holztische in der Stube, die Terrasse und diese herrliche Ruhe. Die Hütte wirbt damit, dass es hier kein Handynetz und kein Internet gibt. Großartig: Einfach nur „fern-sehen“ in die Berge und keiner, der was „liken“ muss. Das Rodungsgebiet um die Hütte war ein „unvordenklicher Besitz“ der Stadt Füssen, die das Gelände im Sommer 1313 an Bischof Friedrich von Augsburg verlieh.

Damit einher ging die Erlaubnis, Rodungen vorzunehmen, um Sommerweiden zu schaffen. Die Verpfändung erfolgte durch Kaiser Heinrich VII, um seinen Krönungszug nach Rom zu finanzieren. Bischof Friedrich von Augsburg stellte ihm 400 Mark Silber und zehn geharnischte Reiter samt Pferden auf ein Jahr zur Verfügung. Das Pfand wurde nie ausgelöst und Füssen verlor den Status der freien Reichsstadt. Dazu noch ein späteres Tauziehen zwischen Schwaben und Österreich um die Besitzverhältnisse, diese Hütte hat Geschichte. Zumal sie als Sennalpe im Raintal schon seit 1837 bestand!

Von Nicola Förg

MUSAUER HÜTTENTOUR

ANFAHRT – Bahn: Bis Bhf. Garmisch-Partenkirchen, weiter mit der Außerfernbahn zur Haltestelle Pflach oder Musau. Auto: A 96 München – Lindau, Ausfahrt Landsberg/Lech-West. B 17 über Schongau, Steingaden bis Schwangau. Vor Füssen links weg. Am Kreisel Ulrichsbrü-cke auf die alte Straße nach Musau einbiegen. Parken am Gasthaus Bärenfalle (ca. 840 Meter).

MTB-TOUR – Start an der Bärenfalle, Forstweg bergauf, schöner Blick ins Lechtal, es kommt eine Gabelung, wo eine alternative MTB-Route weiter auf dem Forstweg ausgeschildert ist. Diese trifft kurz vor der Musauer Alm (1290 Meter) wieder mit der anderen Route zusammen. Weiter über einen sehr guten Forstweg zu Füssener Hütte/ Otto-Mayr-Haus (1530 Meter).

WANDERUNG – Zunächst wie MTB-Tour. Dann aber über die Brücke und den schottrigen, aber sehr schönen Fußweg am Bach entlang, weiter zu den Hütten wie MTB.

EINKEHR – Musauer Alm (Tel.: 0043 / 720 / 510336), Füssener Hütte (Tel.: 0043 / 676 / 34 23 221), Otto-MayrHaus (Tel.: 0043 / 5677 / 8457). Musauer Alm wahrscheinlich bis 4. Oktober, Füssener Hütte wahrscheinlich bis 4. Oktober und Otto-Mayr-Hütte wahrscheinlich bis 11. Oktober geöffnet. Für alle Hütten bitte endgültige Saisonschlusszeiten erfragen! Internet: www.musauer-alm.net; www.fuessener-huette.at; www.ottomayrhuette.de.

KARTE – Kompass-Karte 4, Füssen / Außerfern.

Auch interessant

Kommentare