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Armeinsatz ist gefordert auf dem neuen Klettersteig hoch über der Hausbachschlucht in Reit im Winkl.

Luftiges Abenteuer

Reit im Winkl: Unterwegs auf dem Klettersteig

Ein neuer Klettersteig in den Hausbergen! Das lässt Klettersteig-Freunde wie Kritiker gleichermaßen aufhorchen. Wer jedoch den Hausbachfall-Klettersteig bei Reit im Winkl selbst gemacht hat...

...wird zugeben, dass dies eine gelungene Anlage ist – eine, die sich nicht nur gut in die schluchtartige Landschaft einfügt, sondern auch herrliche Impressionen bietet. Was denken sich die Touristiker nicht alles aus, um ihre Alpenregion noch beliebter zu machen? Höher, schwieriger, spektakulärer sollen die Attraktionen sein. Dabei wird jedoch oft vergessen, dass die Natur an sich spektakulär genug ist. In Reit im Winkl hat man deshalb wohl ganz bewusst auf Superlativen verzichtet. Die Natur bleibt hier der Star; die Kombination aus sportlichem und landschaftlichem Erlebnis ist am Hausbachfall-Steig gelungen. Als sensationell kann man jedenfalls den kurzen Zustieg bezeichnen, der praktisch direkt am Ortsrand liegt. Auch dass der Steig die erste TÜV-geprüfte Anlage Deutschlands ist, überzeugt. Der Barfußpark am Ausgangspunkt ergänzt den neuen Steig in idealer Weise: Auch hier lassen sich Erde, Steine, Gras hautnah erleben. Eine Kneippanlage ergänzt das chillige Angebot. Gleich dahinter liegen Schlucht und neuer Klettersteig. Er ist relativ kurz und von mittlerer Schwierigkeit. Ohne jede Erfahrung sollte man den Steig nicht begehen, außer man entscheidet sich für eine Führung, wie sie von einem örtlichen Veranstalter angeboten wird. Ganz bewusst haben die Erbauer des Steiges gleich am Anfang eine Art Schlüsselstelle eingebaut. Es ist eine Passage mit der Bewertung „C“ auf der Schwierigkeitsskala. Wer hier ein Problem hat, sollte gleich kehrt machen, denn derartige Stellen kommen noch einige.

Gipfelchen“-Schau nach der Klettertour: auf dem Wetterkreuz.

Etwa eine knappe Stunde lang quert der Klettersteig leicht ansteigend und immer in luftiger Höhe ca. 400 Klettermeter durch die Schluchtwand. Dabei ist oft Armkraft und etwas Klettertechnik gefordert. Damit diese Ferrata nicht zum bloßen Sportgerät verkommt, hat man bewusst auf übermäßig viele künstliche Tritthilfen verzichtet. Man benötigt also an einigen Stellen durchaus eine gute Technik, denn man muss teilweise mit den Füßen auf Reibung gehen. Während der gesamten luftigen Kletterei hat man ein beeindruckendes Szenario im Blick: Unten plätschert der Bach und im Hintergrund rauscht über die senkrechte Felswand der Wasserfall, an dem die Route unmittelbar vorbeiführt. Nach einer knappen Stunde ist es auch schon geschafft – fast zu kurz angesichts der Kletterfreuden. Doch wer will, kann die Tour noch verlängern. Über einen einfachen Wanderweg lässt sich mit dem Wetterkreuz noch ein kleines Gipfelchen mitnehmen. Der gerade einmal 1061 Meter hohe Berg bietet für die geringe Höhe ein ausnehmend schönes Panorama. Eine bezeichnende Erfahrung für den ganzen Tag am Hausbachfall-Klettersteig, die besagt: Für eine sinnenreiche Bergtour braucht es keine Superlative!

Von Bernhard Ziegler

HAUSBACHFALL-KLETTERSTEIG

Anfahrt:A 8 München – Salzburg, Ausfahrt Bernau. B 305 bis Reit im Winkl. Parken kann man am Festsaal an der Tiroler Straße. Zu Fuß geht es dann an der Kirche vorbei zum ausgeschilderten Barfußpark / Klettersteig.

Tour: Beim Barfußpark führt ein ausgeschilderter Weg zur Klamm. Bei der Gabelung kurz nach der Infotafel geht es rechts zum Einstieg des Klettersteigs. Unmittelbar nach einer Brücke über den Bach zweigt man bei einem Ww. am Baum auf einen Steig ab. Dieser führt steil hinauf zum Wandfuß. Nahe einer Leiter beginnt der eigentliche Klettersteig. Anschließend hat man gleich die erste ganz kurze C-Passage zu bewältigen, eine Stelle, welche bereits Armkraft erfordert. Nun beginnt die längere, immer wieder leicht ansteigende Traverse der Schluchtwand. Bei der abdrängenden Querung über zwei Holzbalken (B/C) muss man sich klein machen und die Arme lang. Dann führt die Route über eine weitere kurze C-Stelle steil empor. Bald geht es über eine lustige Seilbrücke; es folgen erneut Querungen überwiegend in der Schwierigkeitsstufe B. Am Ende wartet noch einmal eine steile C-Passage. Über eine Baum- Brücke balanciert man auf die andere Seite der Schlucht. Hier beginnt der Abstiegsweg.

Abstieg: 1. Auf der anderen Schluchtseite über einen Steig hinunter zum Ausgangspunkt. 2. Wer die Wandertour über das Wetterkreuz noch dranhängt, kann eine kleine Runde machen. Dazu wandert man auf dem ausgeschilderten Weg Richtung Wetterkreuz, dann rechts auf einer Brücke über den Bach. Man folgt den Schildern zu Glapfalm und Wetterkreuz hinauf zu einem Forstweg. Auf ihm nach links zur Glapfalm; oder nach ca. 500 m (am Baum ein Vogelhäuschen mit Pfeil) links über einen Waldpfad und eine sehenswerte Baumstamm-Brücke zur Glapfalm. Hinter der Glapfalm nach links zum Waldrand. An dieser Stelle kann man sowohl links als auch rechts herum zum Wetterkreuz wandern. Über einen Treppensteig zum Gipfel. Abstieg: Nach dem Treppensteig rechts und auf ausgeschildertem, stellenweise steilem Steig hinunter nach Reit im Winkl.

Schwierigkeit:Mittelschwerer, recht kurzer Klettersteig mit einigen knackigen C-Stellen. Der Klettersteig erfordert Armkraft und ein wenig Klettertechnik. Für reine Anfänger und bei Nässe nicht geeignet. Gehzeiten: Aufstieg knapp 1 Stunde für Klettersteig; Abstieg: ½ Std.. Rundtour übers Wetterkreuz: Gesamte Runde inkl. Klettersteig etwa 3 Stunden. Ausrüstung: Komplette Klettersteigausrüstung, Helm und klettersteigtaugliche Schuhe.

Internet: Mehr Infos unter: www.klettersteig.de/klettersteig/hausbachfall_klettersteig/1883

Führungen: Sayaq-Adventures bietet regelmäßig geführte Touren über den Hausbachfall-Klettersteig an. Info: www. sayaq-adventures.com; Telefon: 0 86 41 / 69 97 447.

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