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Schwarzgrüne Tümpel, knorrige Bäume und absterbendes Gras sorgen für eine gespenstische Stimmung auf dem Moorerlebnispfad durchs Sterntaler Filz.

Spannender Lehrpfad führt durchs Feilnbacher Hochmoor

Im Urwald der Sinne

„Spaziergänge sind langweilig“, so stöhnen vor allem Kinder. Das muss nicht sein. Ein landschaftlich reizvoller und spannender Ausflug führt in die Gegend um Bad Feilnbach.

Eingerahmt von den Bergen, herrscht hier ein ideales Klima für Obstbäume – etwa 30 000 sollen es sein. Die vielen Taferl in den Dörfern: „Äpfel, Marmelade, Obstler“, zeugen heuer von einer guten Ernte. Und hinter den Dörfern verlaufen über endlose Wiesenflächen diverse Spazierwege, garniert mit feinen Ausblicken zum Wendelstein und zum Wilden Kaiser. So wählt man in Derndorf je nach Lust und Kondition die Route, die einen zum Lehrpfad „Moorerlebnis Sterntaler Filze“ führt – einem „LIFE-Natur-Projekt“, das im Juni 2009 entstand.

Am Torfstadel trifft man auf die erste Infotafel mit der Moor-Elfe im Blätterrock, die durch alle Stationen begleitet. „Natur pur zum Anfassen und Mitmachen“, so lautet das Motto. Robuste Kleidung, die auch mal schmutzig werden darf, ist hierfür ideal. Und wenn sich jetzt Jung und Alt ein wenig verzaubern lassen, kann das Abenteuer gleich losgehen, wobei die Reihenfolge der Stationen jeder selbst bestimmt. Mutige erklimmen zuerst über eine Holzleiter den Wurzelhügel, um sich einen Überblick zu verschaffen. Das 50 Zentimeter tiefe Bademoor dürfte jetzt im Spätherbst wenig Besucher anlocken. Da übt man sich lieber auf den Balancierbäumen oder bewundert die 2500-jährige Mooreiche im Torfstadel. An der nächsten Station erfährt man viel über die Entstehung der Feilnbacher Hochmoore. Und dass bereits 1838 von einem Doktor Desiderius Beck Moorbäder als Heiltherapie genutzt wurden. Die Patienten durften aber nicht zimperlich sein, denn sie verbrachten gut eine Stunde schwitzend im heißen Moorbrei.

Ein breiter Bohlensteg überbrückt schwarzgrüne, geheimnisvolle Tümpel. Spätestens jetzt ist man gefangen von der gespenstischen Szenerie, später kann man seine Eindrücke sogar auf einer bequemen Liegeschaukel Revue passieren lassen. Ganz hinten im dunkelsten Winkel des Waldes „im Urwald der Sinne“ wartet schon die Moor-Elfe und eine geschnitzte Riesenmaus. Rundbänke laden ein zum Innehalten. Hoch auf den Bäumen, im Dickicht oder im Moos verbergen sich seltsame Tiere und mysteriöse Fabelwesen. Aus knorrigen Bäumen und Wurzelstöcken starren unheimliche Augen. Der Weiterweg führt zum Torfhügel. Wer sich traut, steigt über eine Holzleiter hinauf und blickt aufs renaturierte Torfabbaugebiet „Kohlerfilze“. Beim genaueren Hinhören vernimmt man unzählige Vogelstimmen und entdeckt vielleicht den seltenen Eisvogel, einen Kiebitz oder eine Wasserralle.

Später am „Elfenspielplatz“ stößt man auf Waldhütten aus Ästen und Zweigen zum Hineinkrabbeln und Verstecken. Gegenüber gibt es einen Ausstellungsplatz für Naturkunstwerke. Da können Bastler ihre selbstgefertigten Werke, z. B. aus Gräsern, Rinde, Moos, Holz, Blättern oder Tannenzapfen präsentieren.

Und wer jetzt am Schluss der Tour in puncto „Abenteuer“ auf den Geschmack gekommen ist, macht sich auf ins nahe Kleinholzhausen, wo im Urweltmuseum Fossilien, Riesenfische und Saurier bestaunt werden können...

Doris Neumayr

Moorerlebnis Bad Feilnbach

ANFAHRT

Autobahn A 8 München – Salzburg, Ausfahrt Bad Aibling. Auf St 2089 Richtung Bad Feilnbach. Hier weiter in Richtung Brannenburg / Derndorf. In Derndorf kurz nach dem Ortsendeschild links und beim Friedhof parken. Kurzvariante: Am Ortsanfang von Derndorf links beim braunen Schild: „Bad Feilnbacher Moorerlebnis“ und bis zum Parkplatz fahren.

TOUR

Gesamtstrecke: ca. 8,5 km, Gehzeit ca. 3 Stunden. Kurzvariante: ca. 4 km, Gehzeit ca. 1,5 Stunden. Teersträßchen und Forstwege führen über freie Wiesen. Schmale Wege und Holzstege ziehen durch das Moor – hier empfiehlt sich rutschfestes Schuhwerk, Gefahrenhinweise beachten! Gute Ausschilderung.

Vom Parkplatz / Friedhof auf der Hauptstraße (Gehweg) zurück in Richtung Ortsmitte bis zur Rechtsabzweigung „Einfangweg“. Man zieht auf dem Teersträßchen (später Forstweg) über freie Wiesen bis zur Mooskapelle (grüne Schilder: „Mooskapelle, Bad Feilnbacher Moorerlebnis, Sterntaler Filze“). Nun weiter den Ausschilderungen folgen durch eine lichte Waldung bis zum Beginn des Moorerlebnisweges (Torfstadel). Jetzt je nach Geschmack zu den verschiedenen Stationen über einen 650 Meter langen Bohlenweg und über schmale Wege. Wieder zurück beim Torfstadel hält man sich rechts und folgt dem Forstweg über Wiesen, Schild: „Bad Feilnbach“. An der nächsten Gabelung links, Schild: „Derndorf“. Dann geradeaus und an der Abzweigung „Kleinholzhausen“ wieder links. Man trifft bald auf das vom Hinweg bekannte Teersträßchen und geht auf diesem zurück zum Ausgangspunkt.

LEONHARDIFAHRT

Eine der ältesten Leonhardi- Wallfahrten im Alpenvorland mit Feldgottesdienst, Umritt und Pferdesegnung in Lippertskirchen (Bad Feilnbach) an diesem Sonntag, 7. Nov. 2010, ab 10 Uhr. (Informationen unter Telefon: 0 80 66 / 453.)

URWELTMUSEUM

Erdgeschichte, Mineralien, Fossilien. Kleinholzhausen, Steinbrucker Straße 4 (Gemeinde Raubling), Tel.: 0 80 34 / 18 94; Internet: www.urweltmuseum.com

MOORERLEBNIS STERNTALER FILZE

Informationen und Prospekte:

Tourismusbüro Bad Feilnbach
Bahnhofstr. 5
Tel.: 0 80 66 / 1444
www.bad-feilnbach.de

LIFE-Natur-Programm, siehe www.life-rostam.de

KARTE

Kompass-Karte 8, Tegernsee-Schliersee

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