Verblüffende Zauber-Schau

Geretsried ist vor allem zweierlei: Lang und flach. Nicht unbedingt Oberbayerns hübscheste Gemeinde, wie sie da schier endlos in der Isarau fläzt. Aber: Jenseits der Isar haben die Geretsrieder ein Ausflugsgebiet, das seinesgleichen sucht.

Die Spritztouren entführen ja oftmals in Gebiete, die man als wetterresistenter Bayer bei jeder Witterung machen kann. Nur: in diesem Fall sollte es schön sein! Bei gutem Wetter, bei Föhn erst recht, verzaubert die Peretshofener Höhe mit einem 300-Grad-Blick über Chiemgauer Berge, Mangfallund Kaisergebirge, Karwendel, die St

ubaier Alpen, Wetterstein, Ammergebirge und Tannheimer Gruppe. Ein Büchlein ist an einer der Bänke festgetackert und zeigt das Panorama. Wer da alle Berge nachvollziehen will, ist einen halben Tag beschäftigt. Es ist verblüffend. Da unten noch die träge Isar, dann ein passartiges Sträßchen und gute 100 Höhenmeter später diese Aussichtskanzel!

Das kleine Peretshofen hat sich an die Aussichtssüchtigen längst gewöhnt, aber der Ansturm Anfang März 2010 war doch ein sehr ungewöhnlicher. Das Wetter war gar nicht so ideal, aber für den Dreh wurde ja auch der Winter gebraucht. Ja: „Hollywood“ war in Peretshofen. Komparsen wurden gebraucht, Kirchgänger, Familien mit Kindern sowie ältere Damen und Herren in Festtagstracht und Feuerwehrleute in Uniform. Gedreht wurde nämlich ein Weihnachtsgottesdienst und eine Kinderchristmette und das Ganze für die TV-Liebesgeschichte „Zimtstern und Halbmond“, die vermutlich noch heuer vor Weihnachten im Ersten zu sehen sein wird. Bringt doch die abenteuerlustige Pilotin Barbara ihren neuen Freund, einen Palästinenser mit zum Weihnachtsfest in Deutschland. „Diese Ruhe“, schwärmte Schauspielerin Gundi Ellert – neben Robert Atzorn in der Hauptrolle – angesichts des Drehorts. Inzwischen hat sich der Trubel wieder gelegt und das

Dorfleben geht seinen üblichen Gang. In der Marienkirche, erbaut als Chorturmkirche, liegen die schönen spätgotischen Fresken wieder in sanftem Licht, nicht unter Kamerabeschuss. Die Bauern odeln, beim Huberwirt wird der Weltenlauf diskutiert und die Berge stehen Spalier, so wie sie das immer taten. Energiereicher Platz Schon der Weg Richtung Stockach eröffnet kaum geahnte Weitsichten. In Rampertshofen steht die Kapelle St. Georg, Frühlingsblumen schmücken die Gräber, einige alte schmiedeeiserne Kreuze strahlen eine unerschütterliche Würde aus. Ein feines Platzl, ein guter energiereicher Platz und einer, der eine lange Geschichte hat. 1078 wurde der Weiler schon erwähnt („bei den Höfen des Rantpart“). Und an der Stelle der Kapelle soll einst eine Burg gestanden haben. Von unterirdischen Gängen hinüber auf die andere Isarseite ist sogar die Rede – eine magisch schöne Gegend eben.

Nicola Förg

PERETSHOFEN / KAPPELSBERG

ANFAHRT – A 95 München-GAP bis Ausfahrt Wolfratshausen. B 11 Richtung Bad Tölz bis Geretsried. Dort links Richtung Dietramszell. Parkplatz kurz vor der Isarbrücke (Tour 1). Oder über Isar und rechts St 2072 Richtung Bad Tölz und nach 200 Metern links Peretshofen/Dietramszell.

TOUREN 1. Sportlicher (Tour 1, rot): Isar überqueren, Wanderweg, der recht gach hinauf auf die Höhe führt; in den Ort hinein, dann wie Tour 2. Am Ende Abstieg wie Aufstieg. 2. Gemütlicher (Tour 2, blau): Am Ortsausgang Richtung Steinsberg den Wanderparkplatz benützen! Ins Dorf hineinwandern, am Maibaum beginnt der Stockacher Weg; an der T-Kreuzung ganz kurz links, dann rechts weg (Bairawies), dem Weg bergab folgen, am ersten Haus von Bairawies geht’s rechts weg (Auf der Tränke), hinauf nach Kappelsberg und Rampertshofen, retour nach Peretshofen.

TIPP – Auf der Peretshofener Höhe ein Picknick machen!

KARTE – Kompass-Karte 180, Starnberger See.

ABSTECHER NACH THANKIRCHEN

Die Kirche St. Katharina ist sehenswert. Die Grundsteinlegung war 1728, die Rokoko-Innenausstattung stammt aus den Jahren 1777/78 mit Fresken des Münchner Hofmalers Christian Wink und Altarfiguren von Philipp Rämpl. >> Thankirchen hat auch eine dramatische Geschichte: Am 30. April 1945 erreichten die alliierten Truppen Wolfratshausen. Als die US-Armee über Dietramszell nach Bad Tölz vorstoßen wollte, flammten überraschend Kämpfe auf. Panzer wurden von SS-Truppen angegriffen, doch das ist alles harmlos im Verhältnis zur Schlacht in Thankirchen. Die SS will das Dorf Thankirchen um jeden Preis verteidigen. Beim sinnlosen Gefecht am 1. Mai wird deshalb der Ort fast vollständig zerstört. Höfe und Nebengebäude stehen in Flammen, Munition explodiert, das Vieh ist verbrannt oder irrt durch die Trümmer. Die Menschen haben überlebt, ein Fresko von Fritz Baer erinnert an die Zerstörung von Thankirchen (Weitere Infos: www.braun-in-wolfratshausen

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