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Toller Überblick: Vom Schreckenkopf aus schaut man aufs Skigebiet Sudelfeld (li.), die Rotwand (Mitte) und die anderen Skitourenziele Wildalpjoch und Lacherspitze.

Volle Sonne für halbe Tage

„Willst du immer weiter schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah!“ Dichterfürst Goethe kann auch für Skitourengeher ein Vorbild sein...

Nicht nur in Tirol oder dem Salzburger Land gibt es feine Skitouren. Nein, auch in den Bayerischen Alpen findet man Routen, die sind ein Gedicht – und, durch kurze Anfahrtswege, auch ökologisch korrekt. Darüber hinaus sind unsere heutigen Vorschläge ideal für Ausgeschlafene. Am Wochenende lange im Bett liegen bleiben und dann noch Sport machen – bei den Halbtagestouren ist dies kein Widerspruch.

Am Sudelfeld findet der Skiwanderer gleich drei Gipfel aufgereiht nebeneinander. „Tris della Casa“ könnte man sagen, denn bei allen drei Zielen handelt es sich ja um Bayerische Hausberge! Lacherspitze, Wildalpjoch und Schreckenkopf sind von Länge und Charakteristik unterschiedlich und so kann hier jeder nach Lust und Laune, nach Können und Kondition und natürlich auch nach Tourenverhältnissen und der Lawinensituation entsprechend seine Tour auswählen. Und wer „bombig beieinander“ ist, der kann auch zwei Routen hintereinander abhaken.

Lacherspitze, Wildalpjoch und Schreckenkopf

Die kürzeste Route führt in einer Stunde auf den Schreckenkopf. Ganz anders als der Name vermuten lässt, ist das eine harmlose Skitour, die auch sehr gut für Anfänger geeignet ist. Über einen sonnigen Rücken kann man aufsteigen; als Abfahrtsalternative (oder wenn der Rücken abgeblasen ist auch als Aufstieg) bietet sich die eher schattige und somit oft mit Pulverschnee gefüllte Mulde auf der Rückseite des kleinen Gipfelchens an. Das Panorama ist für so einen Mini-Gipfel überraschend schön und reicht bis zum Wilden Kaiser.

Auss.: Kompass 8 Tegernsee, Schliersee. Lizenz: 17-0906- LVB.

Die Tour zur Lacherspitze im Schatten des Wendelsteins ist mit zwei Stunden schon deutlich länger und auch viel abwechslungsreicher. Über herrlich freies und der Sonne zugewandtes Almgelände führt der Weg ins Lacherkar, das von kleinen Felsfluchten eingerahmt wird. Wer sich an die Stangenmarkierung der offiziellen Skiroute hält, hat auch hier überwiegend harmloses Gelände zu bewältigen, nur eine kurze Steilstufe im Latschenbereich erfordert etwas Geschick und eine gute Spitzkehrentechnik.

Bei der Abfahrt kann man dann mehrere Varianten unterschiedlicher Steilheit wählen, wobei es Möglichkeiten im Schatten und in der Sonne gibt. So kann man oft selbst auswählen zwischen Pulver, Firn oder Bruchharsch.

Das Wildalpjoch ist die anspruchsvollste der drei Touren. Die Hänge sind steil und liegen in der Sonne. Ein fast obligatorischer Schneerutsch im steilsten Hangbereich mahnt zur Besonnenheit. Hier sind also sichere Verhältnisse, ein Gespür für den richtigen Zeitpunkt und für die beste Route notwendig. Das geschulte Auge wird aber erkennen, dass es gut möglich ist, die Spur in weniger steile Hangbereiche zu legen. Auch diese Skitour ist eher kurz und eignet sich gut als Spritztour, wenn man zum Mittagessen wieder zuhause sein möchte.

Die drei Touren haben aber auch Gemeinsamkeiten: sie beginnen alle an der Sudelfeldstraße und sie führen von dort ohne Umschweife und ohne lästige Forstwege gleich in schönes, skifreundliches Gelände. Kein Waldgürtel ist zu überwinden und man wandert durch die überwiegend nach Süden ausgerichteten Hänge bei schönem Wetter in der Sonne. Und danach sehnt man sich doch im Winter besonders! Ein g’führiger Schnee ist zwar die Hauptzutat beim „Tris della Casa“, aber die strahlende Wintersonne am stahlblauen Bayern- Himmel macht aus einem Skitourentag erst eine wahre Delikatesse...

BERNHARD ZIEGLER

SKITOUREN SUDELFELD

TOUR 1 LACHERSPITZE

– Anfahrt (für alle Touren): A 8 München – Salzburg, Ausfahrt Weyarn. Über Miesbach, Schliersee nach Bayrischzell und weiter zu den Parkplätzen am Sudelfeld.

- Ausgangspunkt Tour Lacherkopf: Parkplatz „Unteres Sudelfeld“ (1080 m).

- Route: Weg am hinteren Ende des Parkplatzes. Auf ihm etwa 250 Meter, dann rechts über den freien Hang hinauf. Man erreicht den Ausläufer eines kleinen Rückens, dreht nach links und wandert flach an seiner Rückseite entlang. Durch eine Baumgruppe zu einer Almhütte. Nun rechts, in nördlicher Richtung den freien Hang Richtung Tagweidkopf, wobei man einige Male die Almstraße kreuzt. Auf 1400 m erreicht man unter den Ausläufern des Tagweidkopfes die Almstraße. Dieser rechts zu den Oberen Lacheralmen folgen. An ihnen vorbei, dann öffnet sich links ein kleines Tal, das auf das Lacherkar zuläuft. Nun folgt man meist dem mit Stangen markierten Sommerwegerl über eine Rippe hinauf und quert im Wald nach links ins Kar. Hier nach Norden auf die Seewand zu und unter ihr nach links einige Meter rechts steil hinauf in eine Art Scharte im Kamm. Dort wieder flach nach Westen. Über das mit Stangen markierte Flachstück auf die Bergstation des Liftes zu; hier links (Süden) zum Gipfelaufbau. Man traversiert die Westseite bis unters Kreuz. Zu Fuß unschwierig durch Felsen zum Gipfel.

TOUR 2 SCHRECKENKOPF

– Ausgangspunkt: Sudelfeld, großer Parkplatz bei der Arzbachbrücke (990 m).

- Route: Vom Parkplatz ein paar Meter auf der Straße zurück Richtung Brücke. Direkt vor ihr beginnt ein breiter Wirtschaftsweg ins Arzbachtal. Durch die Schranke, dann rechts (Osten) zum Fuß des sanften Rückens, welcher sich bis zum Gipfel hinaufzieht. Über den zunehmend steilen Rücken hinauf nach Nordosten bis zu seiner Westschulter und über den Kamm nach Osten zum Gipfel mit Miniaturkreuz.

TOUR 3 WILDALPJOCH

– Ausgangspunkt: S. Schreckenkopf.

-  Route: Vom Parkplatz trägt man die Ski auf die andere (Straßen-)Brückenseite. Auf der westlichen Brückenseite befindet sich eine Bushaltestelle. Hier beginnt ein parallel zum Arzbach verlaufender Wanderweg. Hier flach oberhalb vom Arzbach Richtung Nord bis zu einem von links kommenden Bächlein. Darüber, dann nach links und weiter über freie Wiesen zwischen Kelheimer Haus und Jackelbergalm hindurch nach links oben (Nordwesten).

In dieser Grundrichtung auf den sichtbaren Riesensteilhang des Wildalpjoch zu. An dessen Fuß durch die große Mulde nach links (Nordwest), bis man auf einen Rücken trifft. Dort hinauf und über ihn Richtung Nord. Erst ganz oben hält man sich rechts und steigt so in die Einsattelung zwischen Wildalpjoch und felsiger Kaserwand. Auf dem Verbindungsgrat nach links und in wenigen Minuten auf den Gipfel.

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