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Schneeschuhwandern ist mit vielen Vorurteilen behaftet – obwohl es sichtlich Spaß macht!

Ein Experte räumt mit zehn häufigen Vorurteilen auf

Die Wahrheit über das Schneeschuh-Wandern

Schneeschuhgehen ist der Wintersport mit der längsten Tradition. Die Ureinwohner Nordamerikas kannten verschiedene Arten von Schneeschuhen.

Es dauerte jedoch bis in die 1990er-Jahre, ehe der moderne Mensch das Laufen auf dem Schnee als Freizeitaktivität entdeckte. Und noch immer halten sich, wie bei kaum einem anderen Wintersport, zähe Vorurteile gegenüber dem Schneeschuhgehen. Viele Skifahrer belächeln es, viele Wanderer fürchten es – zu Recht oder zu Unrecht? tz-online bat einen, der es wissen muss, um Aufklärung: Reiner Taglinger (41), Senior Product & Qualitymanager der Mammut Alpine School, staatlich geprüfter Berg- und Skiführer sowie bekennender Schneeschuhfan. Bei tz-online räumt er auf mit zehn häufigen Vorurteilen gegenüber dem Schneeschuhwandern.

Vorurteil: Schneeschuhgehen ist nur etwas für Leute, die nicht Skifahren können.

Reiner Taglinger: „Es stimmt schon, dass viele Schneeschuhgeher nicht mit dem alpinen Skilauf großgeworden sind, weshalb sie zum Skibergsteigen keinen Zugang finden. Aber auch sie sind Bergwanderer und wollen ihrer Leidenschaft auch im Winter nachgehen. Viele Skitourengeher wären erstaunt, welch anspruchsvolle Touren man mit Schneeschuhen machen kann! Außerdem gibt es zahlreiche Berge, die für Schneeschuhgeher ein lohnendes Ziel darstellen, für eine Skitour aber wenig geeignet sind, zum Beispiel wegen langer Flachpassagen oder wegen eines hohen Waldanteils.“

Vorurteil: Im Gegensatz zum Skitourengehen hat man bergab mit Schneeschuhen keinen Spaß.

Reiner Taglinger: „Mit weiten Schneeschuhschritten und in eine Flockenwolke gehüllt einen frisch verschneiten Hang hinablaufen – das macht definitiv riesigen Spaß!“

Vorurteil: Schneeschuhgehen ist nur etwas für ältere Menschen.

ReinerTaglinger: „Das kann ich aus meiner persönlichen Erfahrung in den winterlichen Bergen widerlegen. Immer mehr junge Menschen entdecken den Spaß am Schneeschuhgehen.“

Vorurteil: Schneeschuhgehen kann doch jeder.

Reiner Taglinger: „Einerseits würde ich dem zustimmen: Verglichen mit dem Skifahren ist das Schneeschuhgehen leicht zu erlernen – was für diesen Sport spricht! Andererseits sollte man die Anforderungen nicht unterschätzen: Für steile Aufstiege und Abstiege sowie bei Hangquerungen und bei eisigen Verhältnissen bedarf es einer speziellen Gehtechnik. Diese kann man in einem Schneeschuhkurs erlernen.“

Vorurteil: Schneeschuhgeher sind sicher vor Lawinen.

Reiner Taglinger: „Wer ausschließlich in flachem Gelände unterwegs ist, braucht sich über Lawinen keine Sorgen zu machen. Aber schon kleine Hänge mit einer Neigung von mehr als 25 Grad können zur tödlichen Falle werden. Deshalb müssen Schneeschuhgeher, die sich im Gebirge in ungesichertes Gelände begeben, solide Kenntnisse über Lawinen mitbringen; diese erhält man in einem Schneeschuhkurs. Und sie müssen die entsprechende Ausrüstung mit sich führen, bestehend aus LVS-Gerät, Schaufel und Sonde. Und jedem sollte klar sein: Diese Sicherheitsausrüstung hilft meist gar nichts, wenn ich allein auf Tour gehe und verschüttet werde – den wer soll mein LVS-Gerät dann orten und mich ausgraben?“

Vorurteil: Schneeschuhgehen und Winterwandern sind das Gleiche.

Reiner Taglinger: „Winterwandern begrenzt sich auf geräumte Wege. Wer im Tiefeschnee wandert, braucht Schneeschuhe.“

Vorurteil: Klassische Skitourenberge sind für Schneeschuhgeher tabu.

Reiner Taglinger: „Viele Skitouren eignen sich auch als Schneeschuhwanderung. Allerdings mögen es Skibergsteiger nicht, wenn man ihre Aufstiegsspur zertritt. Deshalb immer eine eigene Schneeschuhspur legen oder einer solchen folgen!“

Vorurteil: Am Anfang steht eine hohe Investition.

Reiner Taglinger: „Schneeschuhe plus Stöcke bekommt man ab 150 Euro. Außerdem kann man sie in Tourismusorten ausleihen. Bei geführten Touren wird die Ausrüstung mitsamt LVS-Gerät meist vom Veranstalter gestellt.“

Vorurteil: Schneeschuhgehen ist nichts für Kinder.

Reiner Taglinger: „Es gibt zig spannende Touren, auf denen Kinder definitiv ihren Spaß haben. Wichtig ist: Statt stundenlangem Wandern eine abwechslungsreiche Route wählen, die genug Zeit und Raum für Pausen und kleine Abenteuer lässt.“

Voruruteil: Es gibt kaum Tourenvorschläge für Schneeschuhgeher.

Reiner Taglinger: „Im Internet findet man zahlreiche Tourentipps, beispielsweise auf www.hoehenrausch.de. Außerdem gibt es umfangreiche Literatur wie den jüngst erschienenen Schneeschuhführer Münchner Berge (Bergverlag Rother) mit 54 Tourentipps von Füssen bis Kufstein.

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