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Walchensee: Bierkrieg am Katzenkopf

„Das lässt sich mit gar nix vergleichen“, singt der österreichische Liedermacher Peter Cornelius und meint die Augen seiner Jugendliebe. Genauso könnte man auch die rätselhafte Farbe des Walchensees umschreiben.

Der geheimnisvolle Bergsee mit der bewegten Geschichte nuanciert zwischen Azurblau, Smaragdgrün und Helltürkis. Im Jahre 1048 verteilte Kaiser Heinrich III. die Besitzrechte am Walchensee. Das Kloster Benediktbeuern erhielt das westliche Ufer mit dem Ort Walchensee und Schlehdorf bekam Zwergern. Somit herrschten klare Verhältnisse, meint man. Aber es kam ganz anders...

Zwergern ist eine idyllische Landzunge auf der Westseite des Sees. Ein Spazierweg führt rundherum und über den waldigen Katzenkopf hinweg. Aus der Vogelperspektive betrachtet, gleichen die Umrisse der Halbinsel tatsächlich einem Katzenkopf. Zu Beginn der Wanderung spaziert man mit Sicht auf die Seepromenade des Ortes Walchensee in Ufernähe. Irgendwo kreischen Möwen. Es riecht nach Wind und frischem Wasser. Fischerboote schaukeln auf kräuselnden Wellen. Der Blick streift auch unzählige Pfähle, die am Strand aus dem Boden spitzen. Sie sollen die Uferbereiche stabilisieren, denn einige alte Häuser zeigen bereits Risse. Der Grund dafür ist die alljährliche Wasserabsenkung der Kraftwerke. Die geniale Erfindung der Kraftwerke hat eben auch ihre Schattenseiten...

Bald ragt ein stattliches Gebäude mit Mauer und Holzschindeltürmchen aus dem Wald: „Das Klösterl“. Das Kloster wurde 1689 auf territorialem Grenzgebiet der Benediktbeuerer und Schlehdorfer Besitzungen erbaut, was den „Beuerern“ von Anfang an missfiel. Dass die Mönche des Dritten Ordens der Karmeliter wohl vorzügliches Bier brauten, verschärfte den Konflikt zwischen den Klöstern. Es kam zum „Bierkrieg“ mit einem Walchenseer Wirt, der zum Benediktbeuerer Kloster gehörte. Nach längeren Streitigkeiten resignierten die Mönche und verließen das Kloster.

Es diente nach der Säkularisation 1803 als Schule und Pfarrwohnung. Ab 1968 stand es leer. Dann verwüsteten Einbrecher und Plünderer das Bauwerk. Schließlich nahm sich die Diözese Augsburg dem Klösterl an. Nach umfangreichen Renovierungen entstand 1989 ein Jugendhaus und von da an schallt wieder fröhliches Lachen aus dem Klosterhof.

Unsere Tour überrascht mit einladenden Wiesen, auf denen zarte Krokusse sprießen. Blauweiße Fensterläden zieren das erste Haus in Zwergern. Etwas abseits inmitten anmutiger Blumenwiesen stößt man auf die Kapelle St. Margareth. Dahinter verbergen sich traumhafte Plätze am Ufer des Sees. Wandert man später Richtung Einsiedl, führt der Spazierweg wieder zum Seeufer hin. Eine dezent sportliche Note erhält die Tour am Schluss. Da geht es auf einer Forststraße brüsk bergauf und quer über den Katzenkopf. Man könnte natürlich den Hügel weglassen und stattdessen auf der gleichen Route mit Seeblick wieder zurückmarschieren.

Schon die Römer fühlten sich in der Nähe dieses Bergsees wohl. Ihnen ist es zu verdanken, dass im Walchensee-Gebiet bis ins Mittelalter hinein noch ladinisch gesprochen wurde. Und bis heute spürt man das südliche Flair, wenn man im Strandcafé sitzt, am Ufer flaniert und hinter der Sonnenbrille diese ganz besondere Farbe sieht...

Doris Neumayr

Halbinsel Zwergern

Anfahrt – Auto: A 95 München – Garmisch-Partenkirchen. Ausfahrt Murnau/Kochel. Auf der St 2062 nach Kochel. Hier auf der B 11 über Kesselberg Richtung Urfeld/ Walchensee. Nach dem südlichen Ortsendeschild von Walchensee noch 200 Meter auf der B 11, dann links abbiegen Richtung Campingplatz / Klösterl, gleich links liegt ein Parkplatz. Bahn / Bus: Bhf. Kochel oder Bhf. Garmisch-Partenkirchen. Bahnauskunft Telefon: 0 18 05 / 99 66 33;

Internet: www.reiseauskunft.bahn.de; Bus Linie 9608 (GAP-Walchensee-Kochel u. zurück); RVO Tel.: 881/ 92 47 70; Internet: www.rvo-bus.de

Tour – ganze Runde: 5 km, ca. 100 Höhenmeter, Gehzeit ca. 2,5 Stunden, (4 km asphaltierter, flacher Fahrweg, 1 km Forststraße und Weg, bergauf/bergab) Vom Parkplatz auf schmaler Teerstraße geradeaus (Süden). Vor Lobesau links auf Weg (blaues Gehweg-Schild). Über eine Brücke zum Campingplatz und wieder auf die Teerstraße. Nun links (grünes Schild: „Rundweg Zwergern – Einsiedl W 1“). Am Seeufer entlang auf Teerstraße nach Nordosten (für öffentl. Verkehr gesperrt). Vorbei am Klösterl. Über Wiesen nach Zwergern. Direkt vor dem ersten Haus in Zwergern links auf Wiesenweg zur Kapelle St. Margareth (verschlossen). Danach zurück zur Teerstraße beim Weiler Zwergern. Über freie Wiesen südwestwärts. Beim letzten Anwesen wieder neben dem Ufer bis zu eingezäuntem Gebäude. Hier scharf rechts auf Forststraße (grünes Schild: „Campingplatz Walchensee W 1“). Bergauf bis zum Scheitelpunkt mit Bank. Im Wald bergab, Mini-Skipiste queren und zum Lifthäusl hin. Hinter Lifthäusl (Bänke) nach links auf Weg (rote Punkte) bergab zum Campingplatz und zum Ausgangspunkt.

Tipps – 1. Ferien im Klösterl Jugend-Bildungs-Haus der katholischen Kirche, Gruppenunterkunft, Selbstversorgerhaus für 24 Personen. Informationen: Regionalstelle für kirchliche Jugendarbeit: Telefon 0881 / 61 252; Internet: www.kloesterl.bistum-augsburg.de 

2. Wikingerdorf „Flake“: Das Leben der Wikinger. Lage: Seestraße (B 11) in Walchensee, südlich vom Strandcafé Bucherer direkt am Seeufer. Geöffnet: Mo bis Do 9-16 Uhr, Fr bis So und Feiertage 9-18 Uhr (ab Mai verlängerte Öffnungszeiten), Eintritt frei.

Informationen – Tourist Info Walchensee, Ringstraße 1, Walchensee. Geöffnet: Mo-Do 9-12 Uhr und 13- 16 Uhr, Fr 9-12 Uhr; Tel.: 0 88 58 / 411; www.kochel.de

Karte – Kompass-Karte 7, Murnau, Kochel.

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