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Reichlich Schnee, viel Sonne, angenehme Temperaturen und schöne Aussichten: Rast auf unserer Winterwanderung mit grandiosem Wettersteinblick.

Vor Gold-Lenas Haustür

Sie gilt als erfolgreichste Biathletin aller Zeiten. Nach dieser Saison aber tritt Magdalena Neuner ab. Während sie im Augenblick in Ruhpolding um die WM-Pokale kämpft, lohnt ein Besuch in ihrer Heimatgemeinde Wallgau.

Zumal dort an diesem Wochenende rund 100 Hundeschlittengespanne die Internationale Bayerische Meisterschaft austragen. Wir, die wir vom mittlerweile grünen Flachland nach Wallgau kommen, wundern uns über die noch immer üppige Schneedecke – trotz der ersten frühlingshaften Temperaturen. Umso besser: Denn als Winterwanderer oder Langläufer kann man parallel zu dem Kurs der Hundeschlitten selbst aktiv werden und dennoch die über den Schnee flitzenden Huskys beobachten. Mit bis zu 40 Stundenkilometern hetzen die Gespanne durch das Obere Isartal. Die längste Runde misst 37 Kilometer und führt bis in die Vorderriß. Da können weder unsere Wanderschuhe noch die langen Latten mithalten. Müssen sie auch nicht; sollen die „Musher“, die Hundeschlittenführer, mit ihren schnellen Vierbeinern also erst einmal davoneilen. Ehe man sie wieder im Ziel begrüßt, genießt man die spätwinterliche Sonne auf den Wegen und Loipen entlang der Witter. Die Witter, das sind die Wiesenhänge westlich von Wallgau, die vom Estergebirge ins verschneite Bett des Finzbachs abfallen.

Der Winterwanderweg und die 2010 so benannte „Magdalena-Neuner- Loipe“ kreuzen sich hier vielfach. So können die einen zu Fuß marschieren, die anderen laufen oder skaten – treffen wird man sich immer wieder. Für die Kleinen gibt es einen Rodelhang. Und die Heustadel und Bänke laden zur aussichtsreichen Rast. Vor allem bei Föhn, der in Wallgau gern von Tirol im Süden herüberweht, erstrahlen die Bergketten in messerscharfer Kulisse. Die Soierngruppe reiht sich im Osten auf, rechts davon die nördliche Karwendelkette mit dem Wörner. Es folgen die dreigipfeligen Arnspitzen und dann das Wettersteingebirge mit Dreitorspitze und Alpspitze.

Dieses Postkartenpanorama mögen schon die Römer genossen haben. Als das Römische Reich zusammenbrach und die Bajuwaren in das Land südlich der Donau einwanderten, trafen sie auf eine römisch-keltische Mischbevölkerung. Diese „Welschen“ oder „Walchen“ hatten sich in entlegene Gegenden zurückgezogen, eine solche war Wallgau damals. Und so stammt der Ortsname, der im 8. Jh. erstmals erwähnt wird, vom „Walhogoi“, dem „Gau der Walchen“ ab. Nach der gemütlichen Runde – sofern man nicht noch ein paar Extrakilometer zum Barmsee oder nach Krün angehangen hat – geht’s zur Witter zurück. Dort sind die ersten Gespanne schon wieder im Ziel angelangt.

Neben dem klassischen und schnellsten Schlittenhund, dem Sibirischen Husky, sind in Wallgau „Alaskan Malmutes“ mit ihrem dichten zweilagigen Fell und die zumeist reinweißen, wuschligen „Samojeden“ zu bewundern. Im Festzelt gibt es nach dem Rennen der Schlittenhunde „Public Viewing“ zur Biathlon-WM und der Schirm zeigt hoffentlich die Wallgauer „Gold-Lena“. Die letzte WM und letzte Saison ist es für sie. Warum macht die Doppelolympiasiegerin und mehrfache Weltmeisterin mit 25 schon Schluss, fragten sich Medien und Fans im Dezember. Der Wunsch nach „ein wenig mehr Ruhe und Normalität“ war Magdalena Neuners Antwort. Mit ihrem Freund will sie in Wallgau bleiben, und vielleicht sieht man sie dann öfter auf ihrer Hausloipe und den sonnigen Wegen.

von Christian Rauch

RUND UM WALLGAU

ANFAHRT – A 95 München – Garmisch-Partenkirchen, Ausfahrt Sindelsdorf. Weiter über Kochel und Walchensee nach Wallgau. Durch den Ort, nach der Kirche und der Tourist- Info rechts zum „Haus des Gastes“ mit Parkplatz.

WINTERWANDERUNG – rot; kurz, ca. 3,5 km, mit Varianten. Vom Parkplatz auf dem Weg rechts neben dem Eisplatz weiter. An einem Stadl links und vor der Brücke rechts (Richtung Finzbachklamm). Zwischen dem Bachbett links und dem Rodelhang an der Witter rechts erreicht der Weg den Start/Ziel-Punkt des Hundeschlittenrennens. Nun immer Richtung Finzbachklamm auf dem Weg weiter, der mehrfach die Loipe kreuzt. Wo sich der Weg von den Loipen entfernt, einen Unterstand und eine Senke passiert links Richtung Wallgau/Krün – der Abstecher rechts zum Beginn der Finzbachklamm ist nur inoffiziell ausgetreten und lohnt nicht unbedingt. Im freien Gelände geht es wieder zu den Loipen und dort links nach Wallgau zurück. Mögliche Verlängerung: ein Stück geradeaus Richtung Krün, dann wieder links nach Wallgau. Oder rechts noch ein gutes Stück bis zum Barmsee. Ansonsten links haltend zurück zur Brücke und jenseits zum Haus des Gastes – oder, gleich nach der Brücke, noch mal links zum Hundeschlittenziel.

LOIPEN – Am Haus des Gastes beginnt die leichte, ca. 5 km lange Magdalena-Neuner-Loipe zur Witter (auch am Renngelände vorbei). Eine Verbindungsloipe führt gleich zu Beginn nach links zur Sonnenloipe (4 km, leicht) und Genussloipe Richtung Barmsee (8 km, leicht bis mittel). Vom Barmsee Verlängerung über die Panoramaloipe möglich (gesamt 20 km, schwer).

INFORMATIONEN – Hundeschlittenrennen: Start Samstag, 3. März ab 10 Uhr; Sonntag, 4. März ab 9 Uhr, Starts und Zieleinläufe bis gegen 14/15 Uhr. Programm für Gäste und Kinder. Aktuelle Infos: www.fssc.de

KARTE – Kompass-Karte 6, Alpenwelt Karwendel.

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