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Während des Abstiegs vom Gipfel des Felderkopfes blickt man hinab zur Enning-Alm. Im Hintergrund grüßt der 1985 Meter hohe Kramer.

Felderkopf

Stille Schau: Auf einen einsamen Gipfel in den Ammergauern

Ein ruhiger Aussichtsgipfel ist in den Ammergauer Alpen nichtsoleichtzufinden.Falls doch, dann ist dieses Ziel sicher mit Schönheitsfehlern behaftet. Aber es gibt auch Ausnahmen.

Im langen Bergkamm, der sich hufeisenförmig von Ettal bis nach Graswang spannt, trifft man auf den sonnigen Panoramagipfel Felderkopf. Der Berg ist ohne technische Schwierigkeiten leicht zu bezwingen. Und bevor man zum Gipfelsturm ausholt, spricht nichts gegen eine Einkehr auf der gemütlichen Enning-Alm, die direkt am Weg liegt. Einziger Nachteil dieses Gipfels ist der lange Zustieg. Deshalb nutzen pfiffige Bergradler eine Forststraße, die meist oberhalb der Wanderroute verläuft. Erklimmt man den Felderkopf im Sinne von Bike & Hike so spart man Zeit und kann die Gipfelrast länger genießen. Dass man sich während der Auffahrt ein bisschen plagen muss, nimmt man in Kauf. Denn es gilt: die Abfahrt bedeutet immer das Sahnehäubchen der Radl-Tour. 

Wer allerdings lieber auf Schusters Rappen unterwegs ist, wählt die klassische Wanderroute. Der Startpunkt in Burgrain ist für Radler und Wanderer derselbe. Anfangs führt die Forststraße knackig steil in den Bergwald hinein. Doch bevor die „Betriebstemperatur“ zu sehr ansteigt, geht’s im angenehmen Auf und Ab dahin. Dann tauchen die Reschbergwiesen auf: ein zauberhaftes Hochtal mit vielen kleinen Blockhütten und malerischen Blumenwiesen. Hier am Schilderbaum an der zweiten Verzweigung drehen die Wanderer nach links und die Radfahrer nach rechts. Es folgt eine mittelsteile Auffahrt im angenehmen Tretrhythmus. Zwischenzeitlich gibt der Waldvorhang den Blick zum Estergebirge und über Garmisch immer wieder frei. Dann zieht die „Forststraßen-Piste“ plötzlich an und passend dazu zieht sich der Wald zurück. Nach dieser sonnseitigen Schwitzkasten-Etappe rollt man als Erfrischung hin-ab zu einem Wendeplatz. Hier kommen auch die Wanderer wieder auf die Route und zusammen überwindet man gehend, fahrend oder schiebend das letzte steile Stück vor der Alm. 

Liebliche Bergwiesen umgeben die Hütten der Enning-Alm. Nun hat der Drahtesel erstmal eine Pause verdient. Hinter der Alm blitzt über der Waldgrenze schon der Felderkopf hervor. Jetzt geht’s auch für die Radler zu Fuß Richtung Gipfel. Ein unauffälliger Pfad führt von der Alm in den lichten Wald hinauf. Es ist ein stilles Fleckerl Erde, nur wenige sind hier unterwegs. Gegenüber zeigt sich die schrofige Seite des Kramer (1985 Meter) und daneben winkt der eher unbekannte Hirschbühel (1935 Meter) herüber. Sanft ansteigend leitet der Pfad durch Baumgruppen und Lichtungen. Dann erscheint ein weitläufiger Grasrücken. Der erste Höcker, umgeben von Latschen, ist der Felderkopf. 

Der um zehn Meter höhere Nachbar heißt Vorderer Felderkopf. Während der langgezogene Grasrücken südseitig größtenteils bewaldet ist und mit Wiesenhängen aufwartet, wird die steile Nordseite von Felswänden und Schrofen dominiert. Die umliegenden Ammergauer Berge, das Wettersteingebirge und vor allem die Zugspitze bilden eine traumhafte Kulisse. Und nie war eine Besteigung des Jubiläumsgrates so genussvoll, wie mit dem Fernglas in der Hand auf dem Felderkopf liegend. Ja, der Abstieg kann ruhig noch ein bisserl warten…

Von Doris Neumayr

FELDERKOPF (1818 METER)

ANFAHRT – Auto: A 95 München – GAP bis Autobahnende. Weiter B 2 Richtung GAP. Kurz vor Garmisch-P. rechts Richtung „Reutte, Fernpass, OT Garmisch“. Am nächsten Rechtsabzweig nach Burgrain. In Burgrain links in die „Felderkopfstraße“ und zum Wanderparkplatz am Waldrand. Bahn: Stündliche Verbindung München – Farchant mit der Regionalbahn (www.bahn.de); 2,3 Km bis Burgrain.

TOUR – Felderkopf (1818 Meter). Als Bike & Hike Tour oder als Wanderung möglich.

MOUNTAINBIKE – Fahrt zur Enning-Alm (920 Hm, 11 Km, Auffahrt ca. 2 Stunden, Abfahrt ca. 40 Min. über die gleiche Route). Vom Parkplatz auf steiler Forststraße im Mischwald empor (Schild: „Bergziele Ammergebirge, Pflegersee“). Bald im Auf und Ab dahin und schließlich abwärts zur Wiesenfläche mit Hütten („Reschbergwiesen“, 830 m). Hier links (Schild: „Bergziele Ammergebirge, Pflegersee, Kramerplateauweg“). An der 2. Verzweigung inmitten der Wiesen rechts (Schild: „Enning-Alm“ MTB-Symbol). Jetzt mittelsteil in Kehren im schütteren Wald aufwärts – alle Abzweiger ignorieren. Ab der „Brünstle-Diensthütte“ (1250 m) steilt sich die nun sonnige Forststraße auf. Auf 1500 Meter rollt man kurz bergab zu einem großen Platz. Jetzt strampelt oder schiebt man rechts den steilen Karrenweg hinauf. (Schild: „Enning-Alm“). Dann erreicht man auf flachen Almwiesen die „Enning-Alm“ (MTB hier deponieren, 1544 m). Enning Alm – Felderkopf (280 Hm, 1,4 Km, Aufstieg ca. 45 Min., Abstieg ca. 30 Min. über die gleiche Route). Zu Fuß zum Brunnen hinter der „Enning-Alm“ (Schild: „Vorderer Felderkopf“). Von hier zieht ein undeutlicher Pfad über Wiesen zum Wald hinauf. Dort sind rote Markierungen, der Pfad wird deutlicher. Wenig steil wandert man über waldige Grashänge empor. Manchmal verliert sich der Pfad etwas, man hält sich stets rechts, nach Nordosten. An einer Gabelung (Schild: „Felderkopf-Zunderkopf“) geht’s weiter nach rechts. Nach einer Lichtung kommt man an den freien Gipfelrücken. Nun steil den grasigen Rücken hinauf und am Kamm entlang nordostwärts. Zwischen ein paar Latschen steigt man hinauf zum höchsten Punkt.

WANDERUNG – Zur Enning-Alm: (920 Höhenmeter, 8 Km, Aufstieg ca. 3,5 Stunden, Abstieg ca, 2,5 Stunden über die gleiche Route). Gleicher Startpunkt und Wegverlauf wie bei der MTB-Tour bis zur 2. Verzweigung auf den „Reschbergwiesen“ . Nun auf der Forststraße links, bis sie eine scharfe Linkskurve macht. Hier zweigt ein Weg ab. Der Weg ist nur anfangs etwas nass und grob, er wird im weiteren Verlauf trockener und bequemer. Man trifft auf eine Forststraße, zieht nach links und passiert in der Folge eine Schranke. Kurz danach zweigt ein Weg ab, der nun immer etwas oberhalb des Lahnewiesgrabens aufwärts führt. Später überquert man eine Wiese und dann erreicht man eine Forststraße, der man aufwärts folgt. Nach einer Rechtskurve zweigt links ein steiler Karrenweg zur „Enning-Alm“ ab.

EINKEHR – Enning-Alm (1544 m). Getränke / Brotzeit. Je nach Witterung Juli bis Mitte September, kein Ruhetag.

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