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Vom Schlossberg aus reicht der Blick weit über Peitimg und Schongau hinweg bis zu den Bergen.  

Von Löwen und Ochsenblut

Spaziergang von Peiting zum Schongauer Weihnachtsmarkt

Peiting ist bekannt als ehemaliges Bergwerksstädtchen – das Pechkohlewerk schloss 1968 für immer seine Tore –, doch seine Geschichte geht bis in die Zeit um 1055 zurück: Welf IV. förderte dort, wo heute St. Michael steht, wohl den Bau einer großen, steinernen Kirche.

Auch wenn manche das Gotteshaus zu den „ärmeren“ Kirchen im üppigen Pfaffenwinkel zählen, ist sie vielleicht gerade wegen der etwas zurückhaltenderen Ausstattung so sympathisch. Und der Welfen-Herzog war es auch, der Mitte des 11. Jh. die Burg bauen ließ: auf dem 816 Meter hohen „Schlossberg“. Der war schon in frühgeschichtlicher Zeit Siedlungs- und Kultplatz, eine ganz eigene Kraft liegt über dem Ort. Vom Zentrum Peitings sind es immerhin 100 Höhenmeter. Man wähnt sich eher höher, weit geht der Blick über Peiting, den Lechsee und Schongau.

Der Charme des Mittelalters

Über das Leben der Welfen erzählt eine Station auf dem Schlossberg, die auch Kinder begeistert.

Das Geschlecht der Welfen hatte seinen Stammsitz am Bodensee und bedeutende Besitztümer am Lechrain. Die Welfen nahmen an Kreuzzügen teil und gründeten die Klöster Rottenbuch und Steingaden. Die Peitinger Welfenlinie starb 1191 aus, danach kamen Staufer, Wittelsbacher und 1325 Bertold von Seefeld. 1348 wurde die Burg durch ein Erdbeben schwer beschädigt und dann machten ihr 1632 im Zuge des Dreißigjährigen Krieges die Schweden den Garaus. In der Folge waren die Steine der Burganlage beliebtes Baumaterial allüberall. Erst im November stand der Schlossberg im Mittelpunkt. Tragischerweise brannte wegen eines Lagerfeuers nebenan die schon 1884 erbaute Hütte komplett nieder. Die Überreste liegen da noch, nebenan gibt es eine Station, die das Leben der Welfen beleuchtet, auch ihr Wappen mit dem gefährlich aufgerichteten Löwen – vor allem für Kinder eine prima Sache! Und nun geht’s hinunter an den Lech – und auch wenn man theoretisch durch das Gelände der Papierfabrik laufen dürfte, unterlässt man das allein schon aus optischen und Sicherheitsgründen und nimmt den schöneren Weg am Lech entlang ins Zentrum von Schongau. Schongaus mittelalterliches Stadtensemble ist mindestens so charmant wie Dinkelsbühl, als Teil der Romantischen Straße hat Schongau natürlich eine imposante Stadtmauer auf 1,6 km Länge, der Wehrgang ist teilweise begehbar. Die Staufer verlagerten Alt-Schongau wegen der strategischen Lage ganz bewusst auf den Lechumlaufberg. Typisch für eine staufische Siedlung führt durch die Stadt eine große Hauptmagistrale. Dort steht das Ballenhaus, wo die Händler, die auf der Via Claudia unterwegs waren, ihre Waren lagern mussten. Die getäfelte Ratsstube (1515) im Ballenhaus ist ein Juwel, wenn auch die Holzfarbe nicht mehr authentisch ist: Früher war sie nachtschwarz vom Ochsenblut, mit dem das Holz zum Schutze getränkt war. Vor dem Ballenhaus liegt dann auch der romantische Weihnachtsmarkt. Nach dem großen Stadtbrand von 1493 wurde neu aufgebaut, die Karmeliterstraße erzählt ebenso von der Geschichte der Stadt: Am Richterhaus vorbei geht’s zum Lagerhaus, wo man weiland den Zehnten abzugeben hatte fürs Kloster Steingaden. Gegenüber betrittt man das ehemalige Heilig Geist Kloster – heute Altersheim. Die Stadtpfarrkirche ist – wie die Wies auch – ein beeindruckendes Werk von Dominikus Zimmermann. Das Altarbild zeigt Maria, wie sie von Engeln in den Himmel gehoben wird, und das Deckenfresko stammt vom berühmten Matthäus Günther, der entweder ein Revoluzzer war oder verschlafen hatte: Es war seit sechs Jahren per päpstlichem Erlass verboten, den heiligen Geist als Person zu malen. Doch Günther tat genau das! Und so hat Schongau einmal mehr etwas Einzigartiges zu bieten...

von Nicola Förg

Peiting & Schongau

ANFAHRT – Bahn: Bis Peiting; Achtung, Peiting hat zwei Bahnhöfe: Bahnhof Nord, Münchener Straße oder Bahnhof Ost, Bahnhofstraße 33 (Info: www.bahn.de). Zurück ab Bahnhof Schongau. Auto: A 96 München – Lindau, Ausfahrt Landsberg-West. B 17 bis Schongau / Peiting. 

TOUR – Ab Bahnhof Ost über die Bahnhof-, Frei- und Poststraße zum Hauptplatz (Kirche). Über die Obere Straße zum Kreisel, an der Tankstelle vorbei bis zur Welfenstraße (Beschilderung Schützenheim). Den Berg immer geradeaus hinauf. Rechts Abzweig zum Schlossberg. Retour zum Abzweig. Weiter talwärts Richtung Schongau, ein steiler Asphaltweg endet auf der Rückseite des Papierwerks. Links halten, am Lech entlang (Friedrich-Haindl-Straße), über die Staustufe. Weiter entlang der Lechuferstraße und über das Lechtor ins Zentrum. Rückfahrt mit der DB von Schongau. Wegstrecke insgesamt: ca 6,5 Kilometer. 

STADTSPAZIERGANG – Es ist allemal legitim „nur“ Schongau zu besuchen. Man kann vom Bhf. kommend die Mauer über den Östl. Stadtgraben umrunden und übers Maxtor die Stadt betreten, über Christopherus- und Weinstraße zur Stadtpfarrkirche und weiter über die Ballenhaus- in die Karmeliterstraße und zurück zum Markt. Extra Stadtführung im Advent: 13. Dezember um 15.30 Uhr; Treffpunkt am Rathaus. Schongaus Stadtführerin Gisela Sporer führt zu den ruhigen Plätzen und verborgenen Schätzen der Stadt. Bei dieser adventlichen Runde wird die Heilig-Geist-Spital-Kirche besichtigt, Höhepunkt ist dort ein Orgelspiel. Kosten: 4 Euro pro Person; mit Anmeldung (Tourist-Info Schongau, Münzstr. 1 – im Rathaus –, Tel.: 0 88 61 / 21 41 81; www.schongau.de 

WEIHNACHTSMARKT – Der Markt ist bis zum 20. Dezember 2015 Mo bis Fr von 16 bis 20.30 Uhr, Sa / So von 14 bis 20.30 Uhr geöffnet. Großes Rahmenprogramm. Info: www.schongauer-weihnachtsmarkt.de 

KARTE – Kompass-Karte 179 Pfaffenwinkel

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