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Ein liebliches Panorama genießt man während des Spaziergangs beim Schäftlarner Ortsteil Zell.

Neue Kräfte sammeln

Unterwegs zu einem keltischen Kultplatz bei Schäftlarn

Die Festtage sind vorbei – der Alltag hat uns wieder. Nun könnte es nicht schaden, die „Batterien“ ein bisschen aufzuladen, bevor man so richtig ins junge Jahr durchstartet.

Wer es ernst meint mit der Erholung, lässt das Auto gleich zu Hause und steigt in Hohenschäftlarn aus der S-Bahn. Spaziert man dann längs der Starnberger Straße bergauf, zeigen sich bald schon schmucke Bauernhäuser: „Beim Jager“, ein zweigeschossiger Hakenhof aus dem 19. Jh. und wenig später „Beim Schusterberl“, ein zweigeschossiger Einfirsthof aus dem Jahre 1821. Danach biegt man in ein unscheinbares Sträßchen und wandert am Ortsrand entlang. Der Blick fällt auf ausgedehnte Weideflächen und dahinter auf den Ortsteil Zell, wo zwischen Häusern sogar die Berge hervorlugen. Ein Pferdehof ist das letzte Anwesen, bevor es auf einem bequemen Weg über winterliche Wiesen weiter geht. Da ein Marterl, dort eine Bank – ein ideales Spaziergelände.

Ausflug vor die Tore Münchens

Kraftort bei Schäftlarn: die Waldkapelle nahe der Autobahn.

Dann bringt einen der Weg Richtung Neufahrn in einen Wald. Gerade dort, wo man es am allerwenigsten vermutet, nämlich direkt neben der Autobahn, soll ein sogenannter Kraftort sein. Die Stelle war bereits bei den Kelten ein Kultplatz mit ganz besonderen Kräften. Selbst wenn man Phänomenen wie Erdstrahlen und geheimnisvollen Energiepunkten eher kritisch gegenübersteht, sollte man dem Weg bis zur unscheinbaren Kapelle folgen und Geschichten wie folgende auf sich wirken lassen: In den Jahren um 1630 wüteten im Land zwei Plagen – die Schweden und die Pest. Ein Bauer aus der Umgebung kannte den uralten magischen Platz im Wald und hat als Zufluchtsort im Jahre 1634 dort das Kirchlein erbaut. Viel Wissen über Geomantie („Weissagung aus der Erde“; aus dem Altgriechischen) ist im Laufe der Zeit leider verloren gegangen. Doch in den Vorstellungen der Menschen gab es schon immer Plätze, denen man eine besondere Strahlung nachgesagt hat. Die heiligen Stätten der großen Weltreligionen sind häufig auf geomantischen Zonen errichtet. So wundert es einen nicht, dass der Heilige Fels in Jerusalem gleichsam für Christentum, Judentum und Islam von großer Bedeutung ist. Auch der Heilige Stein in Mekka war lange vor dem Propheten Muhammed ein heiliger Ort…

Hoch über dem Isartal

Über dem Eingang der Waldkapelle hängt die Jakobsmuschel, denn der bekannte Pilgerweg verläuft hier. Öffnet man die dunkle Holztür und tritt ein, strömt einem Kerzenduft entgegen. Das Altarbild, die Muttergottes, leuchtet in sanftem Licht. Einige Votivbilder zieren den Raum. Bänke laden ein zum Verweilen. Sobald man die Tür hinter sich schließt, wird es still. Das Mauerwerk schluckt jeglichen Autobahnlärm. Man erzählt sich, dass sensible Menschen ein angenehmes Kribbeln in den Sohlen püren, andere fühlen Entspannung. Es kann sein, dass man nach dem Verlassen der Kapelle alles etwas leiser empfindet und eine gewisse Ruhe in sich trägt. Der Rückweg bringt einem nach dem Waldstück wieder ein liebliches Panorama: hügelige Wiesen und hinter bäuerlichen Anwesen die Bergspitzen. Da geht man gerne noch den sonnigen Weg bis nach Zell und am Schluss der Tour im angenehmen Bergab zur S-Bahn in Ebenhausen.

von Doris Neumayr

SPAZIERGANG BEI SCHÄFTLARN

ANFAHRT – Bahn: Von München mit S 7 Richtung Wolfratshausen bis Bhf. Hohenschäftlarn (Rückfahrt vom Bhf Ebenhausen aus mit S 7 Richtung München möglich). Auto: Autobahn A 95 München in Richtung Garmisch-Partenkirchen bis zur Ausfahrt Schäftlarn. Über die Staatsstra- ße 2071 bis Hohenschäftlarn. Im Ort auf der Starnberger Straße bergab, bis vor den Bahnübergang. Hier links zum S-Bahnhof und den Parkplätzen. 

TOUR – Ganze Runde: 5,5 km, 60 Höhenmeter, Gehzeit: ca. 1,5 bis 2 Stunden). Meist ruhige asphaltierte Sträß- chen, teilweise für öffentlichen Verkehr gesperrt. 

Verlauf: Vom S-Bahnhof Hohenschäftlarn geht man auf der „Bahnhofstraße“ südwärts, bis man auf die Durchgangsstraße „Starnberger Straße“ trifft. Diese überquert man und wandert auf dem Gehsteig aufwärts. Nach einem Schreibwarengeschäft hält man sich links und geht in die Straße „Niederried“. Man folgt diesem Sträßchen nach Südwesten. Nach einem Pferdehof mündet die Straße in einen für den öffentlichen Verkehr gesperrten Weg. Auf diesem wandert man über weitläufige Wiesen bis zu einer T-Kreuzung und einem Marterl mit Bank. Hier hält man sich rechts („Neufahrner Straße“) und wandert weiter über freie Wiesen. Zunächst zieht der Fahrweg leicht bergauf nach Nordwesten. Danach spaziert man durch einen Wald bergab und kommt auf einer Lichtung kurz vor der Autobahnunterführung an die Waldkapelle. 

Rückweg: 1. Man wandert über die gleiche Route zurück. 2. Man wandert über die gleiche Route zurück bis zur T-Kreuzung mit dem Marterl und der Bank. Hier geht man geradeaus weiter bis nach Zell (Ortsteil von Schäftlarn). Auf Höhe der Friedhofskirche folgt man der „Lechnerstraße“ bergab durch den Ort, bis man zu einem Bahnübergang kommt. Über diesen geht’s hinweg und gleich danach rechts zum S-Bahnhof Ebenhausen. 

TIPP – Hofladen Angermüller in Zell: Brot, Käse, Eier, Kartoffeln, Quark, Marmelade und Eingemachtes. Adresse: Neufahrner Straße 15. Geöffnet: Di 10-12 Uhr, 15-18 Uhr, Fr. 10-12.30 Uhr, 15-18 Uhr und Sa 9-12 Uhr.

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