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Das Alte Schloss in Valley beherbergt das Kultur- und Orgelzentrum.

Mangfall-Runde

Wanderung bei Valley: Wüstenschiffe im grünen Tal

Fallada war eine keltische Göttin. Und wie Funde aus jener Zeit beweisen, vermutlich auch die Namenspatronin der Ortschaft Valley. Somit ist der Ort einer der ältesten im gesamten Landkreis Miesbach.

Doch das ist noch gar nichts in punkto Alter: Steigt man den Schloßberg hinab ins Mangfalltal, durchschreitet man – rein geologisch gesehen – etwa zwei Millionen Jahre Erdgeschichte. Die Entstehung des Mangfalltales in seiner heutigen Form lässt sich auf den Inntal-Gletscher in der Würmeiszeit zurückführen. Eingebettet in eine sanfte Hügellandschaft schlängelt sich die Mangfall mal sanft mal kraftvoll durch das Voralpenland. Nach 58 Kilometern und einigen Kapriolen mündet die „Mannigfaltige“, wie sie einst von Mönchen genannt wurde, bei Rosenheim in den Inn. 

Die heutige Spritztour ist eine ausgedehnte Wanderung, die in stetigem Auf und Ab durch eine ursprüngliche Flusslandschaft führt. Kurz nach dem aparten Weiler Aumühle verwöhnt ein schmaler Pfad mit Tiefblicken in das grüne Auge der Mangfall. Danach bei Anderlmühle durchquert man ein parkartiges Wiesental, bevor es hinaufgeht nach Hohendilching. Vorbei an der Dorfkirche und am Wirtshaus geht es in den Wald hinein. Die Sonne funkelt durch das Laub und malt ein bewegtes Lichtfiligran auf den Blätterteppich. Buschwerk, Gräser und Blätter bilden eine Symphonie aus verschiedensten Grüntönen. 

Auf einmal dreht die Wegrichtung nach Osten und man glaubt es kaum: auf einer eingezäunten Weide grasen friedlich zottelige Kamele. Sie gehören zum oberhalb gelegenen Kamelgut in Grub und können auch für Ausritte gebucht werden. Zu Fuß geht’s weiter bergab zu einer Brücke bei Grubmühle und zum „Mangfallknie“. Die Mangfall, die zuvor in Richtung Norden fließt, ändert in einer Kehre von beinahe 180 Grad ihre Fließrichtung kurz nach Süden und dann weiter nach Südosten. Hierbei durchbricht sie ganz nebenbei die Seitenmoräne des ehemaligen Inntal-Gletschers. Am besten man bestaunt das Spektakel von der Brücke aus: heftige Strömung umspielt die Kiesbänke, wirft Wellen auf, dreht wilde Strudel über Stufen. Je nach Wasserstand findet man am Ufer vielleicht ein lauschiges Plätzchen zum Brotzeitmachen.

Später geht’s auf einem Sträßchen zunächst weiter Richtung Kleinhöhenkirchen. Beim Abzweig Breitmoos taucht man nach einem Einödhof wieder in die Wildnis ein. Ein Wegerl bringt einen erst durch den Wald und nach einer Weile hinab ans Mangfallufer. Ganz nah zieht jetzt der Pfad am Wasser entlang und bald weicht das saftige Grün des Auwaldes einer Wiesenlandschaft. Man passiert ein zum Ortsteil Anderlmühle gehörendes Anwesen und erreicht nach einer großen Brücke das andere Ufer. Ein lohnender Abstecher wäre hier die schon von weitem sichtbare „Skulptur Lichtung“. Aus Granit und anderen Materialen schufen Künstler verschiedenste Plastiken. 

Unser Ausflug führt hinauf Richtung Hohendilching, wo man in die schon bekannte Route mündet. Sobald man den Schloßberg erklommen hat, steht man vor dem Alten Schloss in Valley, das von den Eigentümern Sixtus und Inge Lampl liebevoll renoviert wurde. Das Schloss war bis ins Jahr 1848 über sieben Jahrhunderte lang Pfleg-amts- und Gerichtshaus und beherbergt heute das Orgelmuseum. Mit mehr als 60 Orgeln trifft man hier auf die größte Sammlung seiner Art weltweit.

von Doris Neumayr

Wanderung: Mangfall-Runde

ANFAHRT – Auto: Autobahn A 8 München – Salzburg, Ausfahrt Weyarn. Weiterfahrt rechts Richtung Bayrischzell / Schliersee / Miesbach bis zum 1. Kreisverkehr. Hier rechts „Holzkirchner Straße“. Weiter auf der St2073. Rechts abbiegen auf MB3 „Münchner Straße“ Richtung Valley. Gegenüber der Straße „Feldweg“ rechts abbiegen bis zur Kreuzung „Schlossallee“ / „Graf-Arco-Straße“. Hier befindet sich ein großer Parkplatz. Bahn: BOB München bis Darching, weiter mit RVO-Bus 9561 bis Valley (Richtung Holzkirchen).

TOUR – Ganze Runde insgesamt 9 Kilometer. Gehzeit ohne Pause rund drei Stunden, 220 Höhenmeter. Nur teilweise ausgeschilderte, meist breite und feste Wanderwege. Kurz über Pfade, die nach Regen sehr morastig sein können (gutes Schuhwerk!) Verlauf: Vom Parkplatz ostwärts den „Schloßberg“ steil hinab ins Mangfalltal, bis kurz vor eine Brücke in Aumühle. Hier gehts nach links/nordwärts „Aumühler Weg“ (Ww. Grub – 540). Der zunächst asphaltierte Weg führt weit oberhalb der Mangfall dahin. Später im Wald knickt ein Pfad nach rechts und leitet nach Anderlmühle. Über Wiesen geht’s auf einem Sträßchen bergauf nach Hohendilching und geradeaus vorbei an der Dorfkirche. Nach dem letzten Haus zieht der Weg (Ww. Grub – 540) in den Wald. In den Waldhängen geht’s leicht bergab, man folgt stets dem breiten Weg nach Norden. Unterhalb von Grub dreht der Weg nach rechts/Osten und bringt einen an eine Stra- ßenkreuzung vor einer Viehkoppel (Kamele). Hier rechts bergab Richtung „Kleinhöhenkirchen“. Eine Brücke in Grubmühle führt über das Mangfallknie. Nach der Brücke rechts auf dem Sträßchen zunächst Richtung „Kleinhöhenkirchen“. Im Wald bis zur Rechtsabzweigung „Breitmoos“. Eine schmale Straße führt zu einem Einödhof. Hier folgt man dem Weg links vom Hof (kein Schild) durch den Wald. Man bleibt immer auf dem Hauptweg (2 Abzweiger ignorieren). Vor Anderlmühle führt der Weg zielstrebig bergab ans Mangfallufer. Man geht entlang der Mangfall südwärts bis vor eine Brücke in Anderlmühle (am anderen Ufer sieht man die „Skulptur Lichtung“). Man überquert die Brücke und wandert auf einem Sträßchen bergauf Richtung „Hohendilching“. An einer T-Kreuzung biegt man nach links und geht auf der bekannten Route über Aumühle zurück nach Valley

TIPPS – 1. Kultur- und Orgelzentrum Altes Schloss Valley, Graf-Arco-Str. 30. Telefon: 08024/ 4144; Internet: www.lampl-orgel zentrum.com 2. Bayern-Kamele, Konstantin & Bianca Klages, Rosenheimerstr. 4, Grub (Gemeinde Valley). Tel.: 08063 / 9966; www.bayernkamele.de

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