+
Selten attraktive Aussichtskanzel: Der Gipfel des Grubenkopfs gewährt ein 360-Grad-Panorama.

Schöner Unbekannter

Wanderung in den Ammergauer Alpen

Ja, das gibt es auch in den bayerischen Alpen noch: Einen Berg, den nur ausgewiesene Alpinisten kennen. So ein Mauerblümchen findet sich zwischen Loisach und Lech.

Ja, das gibt es auch in den bayerischen Alpen noch: Einen Berg, den nur ausgewiesene Alpinisten kennen. So ein Mauerblümchen findet sich zwischen Loisach und Lech. Wer im „Kenzen-Bus“ auf der Fahrt zur gleichnamigen Hütte eine Umfrage in Sachen Bergziel startet, bekommt von erwartungsvollen Wanderern meist das Trio Hochplatte, Klammspitze oder Geiselsteinrunde genannt. Ein nordwestlich davon gelegenes Schmankerl haben hingegen nur wenige auf ihrem Plan. Auf einer bequemen Ausgangshöhe von 1300 Meter angekommen, kann man sich durchaus noch einen Start-Kaffee genehmigen. Schließlich sind gerade einmal 540 Höhenmeter bis zum höchsten Punkt zu bewältigen, der übrigens auf den Namen Grubenkopf hört.

Der Weg dorthin beginnt mit einer angenehm geneigten Einstiegs-Etappe hinauf zum Bäckenalpsattel. Dort schließen auch Alpen-Anfänger messerscharf, dass der links aufragende, sonnenverwöhnte Steilhang den einen oder anderen Schweißtropfen fordern wird. Und auch die Trittsicherheit ist auf dieser „Schlüssel-Passage“ ein Thema.

Schließlich ist der nun steilere Erdpfad teils recht stark im Wiesenhang eingegraben, was die ganze Angelegenheit nach Regenfällen ziemlich rutschig macht. Deswegen sollte man bei labilem Bergwetter sicherheitshalber Teleskopstöcke mitnehmen. Aber keine Angst. Schlappe einhundert Höhenmeter später wird man für den anstrengenden Zwischenanstieg auch schon wieder mehr als belohnt.

Über traumhafte Bergwiesen führt der nun flache Pfad zur kleinen, von Wind und Wetter gegerbten Hirschwanghütte weiter. Auf Germknödel oder Kaiserschmarrn darf man an dieser unbewirteten Holzhütte freilich nicht hoffen. Die gibt’s erst wieder unten auf der Kenzenhütte. Das vor der Hüttenwand stehende „Bänkle“ – wir befinden uns ja im Allgäu – bietet aber den perfekten Platz für eine selbst mitgebrachte Brotzeit. Und auch der Schlussakkord lässt keine Wünsche offen.

Auf dem Weg zum und über den Gipfelrücken kommt man aus dem Schauen nicht mehr heraus. Wegen seiner, dem Ammergauer Hauptkamm vorgeschobenen Lage bietet der Grubenkopf tolle Ausblicke in Richtung Allgäuer Alpenvorland. Und im Südwesten bilden die breite Hochplatte und der spitze Geiselstein eine großartige Gipfel-Kulisse. Das Beste aber: Weder Pisten noch Seilbahnen stören das 360-Grad-Panorama. Haben sich die Augen so richtig satt gesehen, kommt nach dem Abstieg auch der Gaumen nicht zu kurz.

Die im Waldbereich gelegene Kenzenhütte kann es in Sachen Aussicht zwar weder mit Pürschlinghaus noch mit Brunnenkopfhütte aufnehmen. Dafür macht das Hüttenteam sie ganz besonders charmant. Schließlich gibt es nicht viele Berghäuser, die von drei netten Schwestern geführt werden. „Die drei jungen Wirtinnen-Schwestern sind sehr freundlich, Essen prima, das Frühstück reichlich und vielfältig, für eine Hütte einfach klasse. Hier gab es nichts zu bemängeln. Nur zu empfehlen!“ – Diesem Eintrag auf www.huettentest.de ist nichts hinzuzufügen – außer, dass man bei aller Gemütlichkeit den Blick auf die Uhr nicht ganz vergessen darf. Der letzte Bus fährt Wanderer nämlich um 17.30 Uhr nach Halblech zurück.

Von Michael Pröttel

GRUBENKOPF (1839 METER)

ANFAHRT – A 96 München – Lindau, Ausfahrt „Landsberg Nord“. Weiter B 17 über Schongau und Steingaden nach Halblech. Kurz vor Ortsende links in Straße „Am Mühlbach“ (gegenüber Gasthaus Adler) und zum Wanderparkplatz Kenzenhütte. Von dort mit dem Kenzen-Bus zur Hütte. Bergfahrten: 8, 9, 10, 11 h; Talfahrten: 14, 16, 17:30 h.

TOUR – Wenige Meter vor der Kenzenhütte weist am Fahrweg ein Schild in Richtung „Bäckenalpsattel / Klammspitze“. Sogleich führt der Anstieg durch den Bergwald in angenehmer Steigung nach Norden bergan. Ohne jegliche Orientierungsprobleme erreicht man ein schönes Tal, durch das es genau in Richtung Osten zum Bäckenalpsattel (1536 Meter) hinauf geht. Hier nach links und nun einen steileren Wiesenhang auf teils erodiertem Pfad bergan.

Bei Nässe kann dieses Wegstück vor allem im Abstieg unangenehm sein. Dort, wo es wieder flacher wird, sieht man im Norden den Grubenkopf schon in der Ferne aufragen. Ein wunderschöner Wiesenpfad führt nun zur unbewirteten Hirschwanghütte. Dahinter folgt man dem Hauptpfad Richtung Klammspitze noch ein kurzes Stück und zweigt dann nach links in einen schmaleren Pfad ab. Dieser quert ein Tal, auf dessen Feuchtwiese man sich durchaus nasse Schuhe holen kann, und führt dann auf der anderen Seite durch lichten Wald zum Beginn des unschweren Schlussanstiegs hinauf. Immer der Scheitel-Linie eines licht bewaldeten Bergrückens folgend geht es schließlich nach Nordwesten zum 1839 Meter hoch gelegenen Gipfel hinauf.

Der Abstieg erfolgt auf demselben Weg. Gehzeiten: Hin und zurück 3 ½ Std. Strecke: 6 Km. Höhendifferenz: 550 Hm. Start/ Ziel: Kenzenhütte, 1294 m. Ausrüstung: Feste Bergschuhe mit gutem Profil, Stöcke.

BIKE & HIKE – Mountainbiker fahren natürlich nicht mit dem Kenzen-Bus zur Hütte, sondern benutzen hierfür ihr Radl. Für die etwa 500 Höhenmeter sind um die 90 Minuten Auffahrtszeit zu veranschlagen. KARTE – Kompass-Karte 4, Füssen, Außerfern.

Auch interessant

Kommentare