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Bei Eschlbach versteckt sich ein romantischer, von Schilf umsäumter Weiher.

Wasserburger Land

Zwischen Sage und Sühne

Im Winter haben Stubenhocker Hochkonjunktur, sind doch viele Wege eingeschneit oder morastig. Doch aufgepasst: Im Wasserburger Land gibt es lohnende Routen, um auch in der kalten Jahreszeit...

...abwechslungsreiche Landschaften, Sonne und Gebirgsblicke zu genießen – ohne gleich im Schlamm zu versinken. Außerdem stößt man auf Interessantes aus Geschichte und Kultur. Wenige Kilometer westlich von Wasserburg am Inn, bevor es hinuntergeht ins Inntal, erreicht man auf einer eiszeitlich geprägten Hochfläche die Gemeinde Edling. Zwei Wanderungen nehmen hier ihren Anfang. Die kürzere Tour verläuft auf asphaltierten, geräumten Fahrwegen, die längere größtenteils auf Wald- und Wiesenwegen. Doch bevor man loszieht, lohnt ein Streifzug durch den Ort. Im Jahre 960 wurde Edling erstmals urkundlich erwähnt, wobei die Spuren einer Besiedlung bis in die Steinzeit zurückreichen.

Der Edlinger Wasserturm wurde 1926 erbaut und diente der ersten öffentlichen Wasserversorgung.

Die in den Außenbereichen bäuerlich geprägte Gemeinde zeigt im Zentrum eine harmonische Mischung aus Tradition und Moderne. Glanzpunkt ist die prachtvolle, mehrmals renovierte Kirche St. Cyriacus aus dem Jahre 1137. Unweit des Kirchturms ragt ein imposanter Turm empor. Ab 1926 versorgte er die Anwohner mit Trinkwasser. Die erhöhte Lage bewirkte einen konstanten Druck in den angeschlossenen Leitungen. Mit Strom betriebene Pumpen beförderten das Wasser aus Brunnen in den Hochbehälter, der 30.000 Liter fasste. Da die damalige Stromversorgung nicht immer reibungslos funktionierte, gab es manchmal kein Wasser. In den 1970er-Jahren wurde der Turm dann außer Betrieb genommen.
Vis- á-vis fällt ein schmuckes Bauernhaus mit Hochlaube und Flachsatteldach ins Auge: das Krippnerhaus. Das denkmalgeschützte Anwesen in Blockbauweise aus dem 18. Jh. dient als Kultur- und Versammlungsort der Gemeinde. Nach der Ortsbesichtigung geht’s über ausgedehnte Weideflächen nach Schellwies. Und wenn die Wege trocken und schneefrei sind, nimmt man gerne die längere Route in Angriff, die zunächst für ein kurzes Stück durch einen Wald führt. Wo danach aussichtsreiche Wiesen den Blick freigeben hinüber nach Pfaffing, erhob sich einst ein dunkler, sagenumwobener Wald mit geheimnisumwitterten Sühnekreuzen. Menschen, die den Wald durchquerten, fühlten sich meist unbehaglich. So erzählte man sich von dem schwarzen Hund, der aus dem Nichts auftaucht, eine Weile lautlos neben einem herläuft und just an einem ganz bestimmten Kreuz verschwindet...

Beim verträumten Weiler Oberübermoos dreht die Route nach Osten. Zwischen kahlen Obstbäumen folgt man einem Feldweg und zieht an einem einsamen Marterl vorbei. An Schönwettertagen verwöhnt einen hier das kontrastreiche Alpenpanorama, das von den Chiemgauer Bergen weit über das Mangfallgebirge reicht.

Nach dem Eschlbacher Weiher präsentieren sich, wie auf einer Perlenkette aufgereiht, die idyllischen Dörfer Reischlhilgen, Angersberg, Dirnhart und Schellwies. Eine bildschöne Kapelle verleitet in Angersberg zum Innehalten. Und in der Ferne entdeckt man bereits den Kirchturm von Edling, der wie ein Wegweiser die Richtung des Rückweges vorgibt.

Von Doris Neumayr

SPAZIERWEGE UM EDLING

ANFAHRT – A 99 Autobahnring München, Ausfahrt Haar. Weiter auf der B 304 über Ebersberg Richtung Wasserburg. Kurz vor Wasserburg rechts ab nach Edling, (Römerstraße), Ortsteil Hochhaus. Beim Kreisverkehr links, Richtung Ortsmitte, am Rathausplatz nach dem Maibaum rechts, dort sind einige Parkplätze. Bahn: Bhf. Edling; von München über Grafing oder Rosenheim (www.bahn.de).

RUNDTOUR – Die Hälfte der Tour geht über unasphaltierte Wanderwege, die nicht geräumt werden. Gesamt: 7,3 km, Gehzeit insges. ca. 2 Stunden.

Vom „Rathausplatz“ stadteinwärts bis zur Kirche St. Cyriacus. Gegenüber der Kirche rechts in die „Harter Str.“. Wieder rechts und auf der „Schellwieser Str.“ aus dem Ort hinaus an weite Wiesen. Die „Römerstraße“ überqueren und gegenüber der schmalen Fahrstraße über Wiesen folgen (Ww. „Dirnhart, Schellwies“). Auf der geteerten Fahrstraße links halten bis zu einer beschilderten Gabelung vor den Häusern von Schellwies. Hier rechts auf dem unbeschilderten Sträßchen in Richtung Waldrand. Das Sträßchen mündet in einen Forstweg. Weiter durch Mischwald. Kleine Abzweiger ignorieren, bis man an eine große Gabelung kommt. Jetzt links (unauffälliges Schild: „Kulturspur Edling Pfaffing“). Später links einem beschilderten Abzweig folgen („Kulturspur Edling Pfaffing“).

Der Weg führt vorbei an einer Bank und über Wiesen. Weiter geht’s auf einem Feldweg, der nach Oberübermoos führt. Beim letzten Haus vor der Straße zieht ein Feldweg nach links (kein Schild). Zwischen Obstbäumen über Wiesen an einem großen Marterl vorbei. Bei Eschlbach kommt man auf eine Straße. Kurz am Straßenrand nach links bergauf bis zum Weiler Reischlhilgen. Hier wieder links (Ww. „Dirnhart, Angersberg“) in eine schmale Fahrstraße. Über Angersberg nach Dirnhart und Schellwies. Dort auf bekannter Route zurück.

VARIANTE – Kürzer; geräumte, asphaltierte, verkehrsarme Fahrstraßen; 5,2 km; Gehzeit insges. ca. 1,5 Stunden. Der erste Teil ist identisch mit der Rundtour bis Schellwies. Ab hier folgt man der geteerten Fahrstraße nach Dirnhart über Angersberg bis nach Reischlhilgen. Auf gleicher Strecke geht’s zurück.

TIPPS – 1. Schächinger Mühle; Wirtshaus, Musik, Kleinkunst, Tanz. Adresse: 83533 Edling, Schächinger Str. 8. Tel.: 0 80 71/ 92 27 979; www.schaechinger-muehle.de
2. Klassik im Krippnerhaus Edling, Raiffeisenstr. 13; Informationen: www.klassik-im-krippnerhaus.de

3. Wasserturm Edling, Raiffeisenstraße.

KARTE – Bayer. Landesamt f. Vermessung, München- Ost und Chiemgauer Alpen, 1:50 000.

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