+
Fantastischer Blick vom 1839 Meter hohen Grubenkopf auf die Hochplatte und den Geiselstein ganz rechts.  

Bizarre Bergwelt

Abwechslungsreiche Runde in den Ammergauer Alpen

Eine alpine Vielfalt wie im Herzen des Ammergebirges – genauer gesagt um die Kenzenhütte herum – findet man selten: Zwei Gipfel, ein bizarrer „Kessel“, historische Geschichten sowie üppige Vegetation erwarten den Wanderer.

Am Anfang ahnt man davon noch wenig. Einige Kilometer geht es durch das waldige Halblechtal – ein Wanderbus verkürzt den Abschnitt. An der Haltestelle „Katzenberg“ beginnt ein stiller Steig, der über rund 800 Höhenmeter auf den ersten Gipfel des Tages, den Grubenkopf, führt. Dieser wenig besuchte Berg ermöglicht den ersten tollen Rundblick: Im Süden schimmert die Zugspitze hinter den Geierköpfen, davor breitet sich unser nächstes Ziel aus, das Scheinbergmassiv mit seinem Kessel. Am schönsten aber zeigt sich der nahe Felszug im Westen, der sich von der Hochplatte bis zum Geiselstein erstreckt. Der hat ob seiner markanten Form den Beinamen „Ammergauer Matterhorn“ bekommen.

In alle vier Himmelsrichtungen fällt er mit bis zu 400 Meter hohen Felswänden ab. Mehr als 50 verschiedene Kletterrouten wurden am Geiselstein in den letzten gut 100 Jahren begangen. Die schwierigsten verlaufen über die glatten Pfeiler der Ostwand, auf die wir vom Grubenkopf frontal blicken. Dann geht es über den grasigen Südostgrat hinab zu den Wiesen der Hirschwang und von dort zum Bäckenalmsattel. Auf dieser Wegstrecke stand vor mehr als 200 Jahren Franz von Paula Schrank, Forscher und erster Direktor des Botanischen Gartens in München, der Schweiß auf der Stirn. „Von Hirschwang kommt man in die Beckenalpe hinab“, schrieb er in seiner „Baierschen Reise“ 1786, „durch einen Weg, der zwar nicht gefährlich ist, den man aber gewiß nicht ohne Noth zweymal geht.“

Dank guter Schuhe stellt der kurze steile Abstieg heutige Wanderer vor kein Problem mehr. Wundern wird man sich jedoch bald über die üppige Vegetation: Ampfer, Dost und Allemannsharnisch überwuchern mit ihren großen grünen Blättern die Wiesen. Nach einem Gegenanstieg erreicht man die nächste bizarre Station der Tour – den Kessel. Einen genaueren Namen hat das kreisrunde Loch nicht, das sich rechts unter dem Wanderweg auftut. Jetzt im Frühsommer schmilzt der Lawinenschnee hinein und hinterlässt einen kleinen See. Der Steig umrundet den Kessel halb und steigt dann in das Scheinbergjöchl an. Trittsichere und schwindelfreie Kraxler können von hier einen zweiten Gipfel besuchen. Über den felsigen, blumenübersäten Grat führt ein spärlich markierter Steig hinüber zum Hasentalkopf.

Von dem hübschen Holzkreuz am Gipfel fällt der Blick hinab in den Kessel im Westen. Und im Osten, tief unter senkrechten Felswänden, öffnet sich das Hasental – vor Jahrhunderten ein Almrevier mit Hütte, heute ein überwuchertes, kaum mehr zugängliches Tälchen. Das letzte Stück der Tour führt hinab zur Kenzenhütte, das an Stelle des einstigen Berghauses von Ludwig II. steht. Hier kann man sich vor der anschließenden Talfahrt mit dem Wanderbus stärken oder noch zu dem nahegelegenen Wasserfall spazieren, vor dem der Kini einst sogar sein Abendessen am fein gedeckten Tisch einnahm.

von Christian Rauch

GRUBENKOPF (1839 METER)

ANFAHRT – Auto: A 96 München-Lindau, Ausfahrt Landsberg-West. B17 über Schongau Richtung Füssen. Oder: Von Richtung Murnau aus über Bad Kohlgrub, Wildsteig und Steingaden zur B 17 und nach Halblech. Im Ort beschildert zum Parkplatz Kenzenhütte. Bahn / Bus: Busverbindungen vom Bhf. Füssen / Bhf. Weilheim. Haltestelle Halblech Ortsmitte. Den ersten und letzten Teil der Tour überwindet man per Wanderbus. Auffahrt vormittags meist stündlich, regelmäßige Rückfahrten nachmittags. Info: www.berggasthofkenzenhuette.de/bus.htm; http://www.halblech.de/kenzenhuette.html; T.: 0 83 68 / 550 o. 0 83 68/ 285.

TOUR – Gehzeit: 5,5 bis 6 Stunden plus Zeit für die Busfahrten. Höhenunterschied: Aufstieg 1120 m, Abstieg 900 m. Markierte, meist schmä- lere, teils steile und teils etwas zugewachsene Steige. Am Hasentalkopf absolute Trittsicherheit und Schwindelfreiheit erforderlich. Verlauf: Mit dem Wanderbus bis zur Haltestelle am Katzenberg (Bedarfshalt, dem Fahrer vorher Bescheid geben). Ein Stück auf der Straße zurück, dann rechts auf Forstweg (Ww. Grubenkopf). Bald rechts auf Steig. Bei kreuzender Forststraße jeweils kurz rechts, dann wieder links. Nach dem zweiten linken Abzweig bald rechts auf rot markierten Steig. Durch Wald und freieres Gelände bergauf und über Gipfelrücken auf Grubenkopf. Auf der anderen Seite hinab. Bei Ww. rechts Richtung Kenzenhütte. Vorbei an der Hirschwang-Jagdhütte, dann steiler hinab in den Bäckenalmsattel. Kurz rechts, dann links bergauf (Schild Lösertaljoch). Halb um den Kessel herum und bergauf in das Scheinbergjöchl. Links Abstecher über ausgesetzten Grat (kleiner Steig) zum Hasentalkopf möglich. Ansonsten vom Scheinbergjöchl südlich hinab ins Lösertaljoch. Ww. „Kenzenhütte“ folgen und zur Hütte. Dort kurzer Abstecher zum großen Kenzenwasserfall. Per Bus zurück ins Tal.

TIPP – Weitere spannende Bergtouren im neuen Buch „Münchner Berge und ihre Geschichte(n)“ von Christian Rauch (Bergvlg. Rother).

Auch interessant

Kommentare