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Frühlingshafter zeigen sich die Isarauen bei Grünwald dieser Tage. Vor zwei Wochen jedoch, als dieses Foto entstand, hatten sich noch kaum Knospen hervorgewagt...

Grünwald

Geschichtenreicher Spaziergang am Isarstrand

Wer mit der Straßenbahn in den Münchner Süden eintaucht, kann über Staus oder Parkplatzprobleme nur müde lächeln. An der Haltestelle „Menterschwaige“ startet ein facettenreicher Ausflug für jung und alt.

Egal, ob man die Tour mit einer Einkehr im nahen Gutshof Menterschwaige verbindet oder ob man lieber am Isarstrand Brotzeit macht, gutes Schuhwerk und ein großzügiger Zeitplan gehören dazu. Am Hochufer genießt man eine schöne Sicht über die frühlingsgrüne Auenlandschaft. Unter knorrigen Bäumen präsentiert sich die denkmalgeschützte dreiflügelige Menterschwaige. Sie wird 1012 zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Im 15. Jh. gelangt die Schwaige in den Besitz der Herzöge von Bayern. Obwohl das Anwesen zweimal zerstört wird, erst durch Feuer, später im Dreißigjährigen Krieg von den Schweden, wird es wieder aufgebaut. Zwischenzeitlich wird die Schwaige, ein Hof für Vieh- und Pferdewirtschaft, verschenkt. Später gelangt sie wieder in den Besitz der Wittelsbacher. Nach mehrmaligem Verkauf eröffnet 1803 erstmals ein Gasthof. Besonders beliebt waren dann die jährlichen Künstlerfeste, die König Ludwig I. ausrichtete. Historiker sind aber uneins darüber, ob die Tänzerin und Geliebte des Königs, Lola Montez, in einem Nebenhäuschen der Menterschwaige weilte oder nicht. 

Die Tour führt weiter über einen steileren Weg hinab ins Isartal. Dort geht’s schnurstracks nach Süden mit der Sonne im Gesicht. Bald darauf unterquert man die Großhesseloher Brücke, die bereits 1857 eröffnet wurde. Nach vielen teuren Sanierungsarbeiten entschied man sich Ende der 1970er-Jahre für einen Neubau, der 1985 fertiggestellt wird. Ein breiter Rad- und Fußweg verläuft seitdem unter den Gleisen in 42 Metern Höhe über der Isar. Viele verlockende Kiesbänke laden zur Rast, während man im Auf und Ab dahin spaziert und einige seltene Blumen erspäht. Fast immer gibt es auch einen parallel verlaufenden Wurzelpfad dicht am Wildfluss, hier sollte man aber etwas trittsicher sein. Nach etwa zwei Stunden entdeckt man am Hang zwischen Laubbäumen majestätische Türme. Der Weg zur Burg Grünwald zieht am Schluss kräftig bergauf. Über den Burggraben leitet eine Brücke in den Innenhof.

Aus dem 15. Jahrhundert stammt die Burg Grünwald.

Bei einer Besichtigung erfährt man die wechselvolle Geschichte der Burg. Im 12. Jh. ist die Veste im Besitz der Grafen von Andechs. Herzog Ludwig der Strenge, ein Wittelsbacher, erwirbt rund 100 Jahre später das Territorium. Die heutige Bauform stammt jedoch hauptsächlich aus dem 15. Jh. Vielfältig gestaltet sich die Nutzung der Burg. So diente sie als Jagdschloss, als Pulvermagazin, als Gefängnis und als Zufluchtsort von Karl Valentin. Krönender Abschluss der Besichtigung ist der Aussichtsturm. Hier bestaunt man das „Isarflimmern“ und bei Föhn die Alpenkette. Spaziert man später noch durch den Ort, stellt man fest: In der grünen Insel vor den Toren Münchens pulsiert das Leben. Weniger die Promis bestimmen die Szenerie als ganz „normale“ Leute, die mit dem Radl zum Einkaufen fahren und auf ihrem Weg dem jungen Mann aus Eritrea den Weg zum Supermarkt erklären. Ein abwechslungsreicher Tag klingt aus mit der gemütlichen Fahrt in der Straßenbahn.

von Doris Neumayr

Wanderung bei Grünwald

ANFAHRT – Tram Linie 25 Richtung Grünwald (oder Linie 15) bis Haltestelle „Menterschwaige“ (Info: www.mvvmuenchen.de). Auto: Geiselgasteigstraße; Schildern Menterschwaige folgen, beschränkte Parkmöglichkeiten. 

TOURDATEN – Insgesamt 6,5 Km, 80 Hm; Gehzeit ca. 2 Stunden. Meist wandert man auf breiten Fußwegen im Auf und Ab, kurze Etappe steil und schmal, Teilstrecke asphaltiert (feste Schuhe sind erforderlich – nach starken Regenfällen sind Wegsperrungen möglich). 

VERLAUF – Von der Straßenbahn-Haltestelle aus überquert man die Straße und biegt in die gegenüberliegende „Menterschwaigstraße“ ein. Man erreicht den „Schmorellplatz“. Hier geht man am Spielplatz entlang und hält sich am Ende des Spielplatzes rechts. Man kommt wieder in die Menterschwaigstraße und geht auf dieser am „Gutshof Menterschwaige“ vorbei bis zum Hochufer „Hochleite“. Hier nach links auf den breiten Fußweg. Nach wenigen Minuten zieht nach rechts ein schmaler steilerer Fußweg bergab ins Isartal. Dort trifft man auf einen asphaltierten Fuß-/Radweg, dem man südwärts folgt. Man unterquert die Großhesseloher Brücke und wandert immer nach Süden auf einem breiten, nun unasphaltierten Weg (ein Pfad in Isarnähe verläuft parallel davon). Unterhalb der Burg Grünwald kommt man an eine Kreuzung. Hier geht man links bergauf (Richtung Grünwald). Man erreicht die „Zeillerstra- ße“ und spaziert nach rechts zur Grünwalder Burg. Nach der Besichtigung folgt man der gegenüberliegenden „Schlossstraße“ bis zum „Derbolfinger Platz“, wo sich die Straßenbahn-Haltestelle befindet. 

KURZVARIANTE – 3,3 Km; Gehzeit: eine knappe Stunde. Verlauf: Tram Linie 25 Richtung Grünwald bis Halt „Robert-Koch-Straße“. Hier folgt man dem „Gartenweg“ zur „Nördlichen Münchner Straße“. Diese überquert man und geht dann auf dem Fußweg südwärts in den Wald. Der „Hochuferweg“ führt durch lichten Wald und mündet in der „Zeillerstraße“. Kurz darauf ist die Burg Grünwald erreicht. 

TIPPS – 1. Burgmuseum Grünwald (Zeillerstr. 3), Zweigstelle der Archäologischen Staatssammlung Ausstellung auf 3 Etagen (Burgen in Bayern). Originale Funde, Wandmalereien, Rittertum und Welt des Mittelalters Museums Café (Kaffee und Kuchen) bei gutem Wetter auch im Burghof. Öffnungszeiten: Karsamstag bis Allerheiligen, Mi bis So von 10 bis 17 Uhr, Feiertage geöffnet; Kontakt / Foyer Telefon: 089/ 641 32 18. Aktuelle Info: www. archaeologiebayern.de 2. Gutshof Menterschwaige; www.menter schwaige.de KARTE – Landesamt für Vermessung; München Süd UK 50-41; Maßstab 1:50 000. W

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