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Aussichtsreicher Auftakt der Wanderung: Blick über das St.-Georgs-Kirchlein, den Bergfriedhof und Oberau ins Loisachtal.

Wanderung im Loisachtal

Über alte Grenzen

Wo einst die Grafschaft Werdenfels an Bayern grenzte, bewegt sich diese Spritztour. Mal oben über dem Loisachtal, mal unten am Fluss – und das Wettersteingebirge direkt vor Augen.

Los geht’s mit einem steilen Aufstieg auf den Oberauer Kirchbichl. Der Blick schweift über das St. Georgs-Kirchlein mit seinem herrlich gelegenen Bergfriedhof hinab auf den Ort. Oben warten erste Aussichtsbänke. Vom Wetterstein ist noch nichts zu sehen, wohl aber vom Estergebirge auf der anderen Talseite. Von Norden kommend bildet es mit Rißkopf und Kareck sowie dem nach hinten versetzten Bischof die ersten Zweitausender des Loisachtals.

Anschließend wird der waldige Kirchbichl hinten halb umrundet, ehe der Hirschbergweg nach Farchant abzweigt. Auch wenn die B 2 ein gutes Stück weiter unten verläuft, ein Rauschen des Verkehrs ist dennoch zu hören. Eine Entschädigung bietet bald eine überdachte Ruhebank. Von ihr aus öffnet sich das südliche Loisachtal in voller Breite und dahinter reiht sich das Wetterstein mit seinem berühmten Dreigestirn auf: Dreitorspitze links, mittig die Alpspitze und rechts die Zugspitze. Rasch geht’s nun bergab ins Tal. Ein bequemer Teerweg durchquert nun die ruhigen Farchanter Wiesen. Daneben schlängelt sich der Ronetsbach durch die Landschaft. Hier verlief einst die Grenze zwischen dem Herzogtum Bayern und der Grafschaft Werdenfels, die zum Hochstift Freising gehörte. Manchen alten Werdenfelsern merkt man noch an, dass die Grafschaft mehr als 500 Jahre lang – bis zur Säkularisation 1803 – eine eigene stolze Tradition besaß.

Wenig weiter heißt es eine Entscheidung treffen: Ein Wegweiser leitet hier recht steil hinauf zur sog. „Fotografenbank“: Von der Anhöhe wirkt das Panorama noch beeindruckender und freier. Später gibt es noch eine weitere Wahlmöglichkeit: So kann man rechts auf den Heubergrundweg ausweichen, der abwechslungsreich am Waldrand entlang führt. Rasch gelangt man so nach Farchant. Bei der Durchquerung des Orts heißt es die Augen offen halten. An historischen Gebäuden erzählen Tafeln des Farchanter Heimatvereins Forcheida mehr über die Geschichte der Anwesen. So geht der Hof „Beim Krin“ bis auf das 7. Jh. zurück. Welchen „Einheitswert“ und wie viele Gulden „Steueranschlag“ er vor Jahrhunderten hatte, erklärt die Tafel, welche vom Farchanter Wappen mit den prägnanten drei Föhren.

Warum die Kiefer das Wappen ziert, verrät der anschließende Aufstieg zur Kuhflucht. Urwüchsige Kiefern krallen sich hier auf dem trockenen Boden fest, der gern Wind und Sonne ausgesetzt ist. Der weitere Verlauf des Kuhfluchtbachs, der Wasser aus mehreren Quadratkilometern Karstfläche oben im Estergebirge angesammelt hat, bleibt rechts liegen. Wer noch einen kleinen Extraaufstieg mag, kann ihm aufwärts bis zu den Wasserfällen an der oberen Brücke folgen. Ansonsten sind die „Ursprünge“ nächste Station der Tour.

Die unterirdisch gespeisten Weiher bieten einen beschaulichen Ruheplatz. Mehr los ist wieder am anschließenden Teerweg nach Oberau. An der sog. „Schanz“ begegnet dem Wanderer erneut die Werdenfelser Geschichte. Kleine Erdwälle kreuzen den Weg und setzen sich weit nach Westen über die gesamte Talbreite fort. Im Sommer 1703 wurden sie zum Schauplatz tragischer Geschehnisse. Damals marschierten 11.000 Tiroler im Rahmen des Spanischen Erbfolgekriegs durch das neutrale Werdenfels gegen die bayerische Grenze. Von bayerischer Seite standen nur 900 Soldaten an der Schanz. Gegen die Übermacht hatten sie keine Chance. Gut, dass Bayern und Tiroler heute nur noch ein paar Berge trennen…

Von Christian Rauch

VON OBERAU NACH FARCHANT

ANFAHRT – Autobahn A 95 München – Garmisch-Partenkirchen bis Autobahnende. Weiter auf der B 2 bis Oberau. Rechts Richtung Oberammergau abzweigen. Links ist der Kirchbichl. Parkmöglichkeiten hinter der Evangelischen Kirche oder rechts im Ortszentrum.

TOUR  – Einfache Teer- und Fußwege. Nur wenige Abschnitte steil oder stufig. Die unten beschriebenen Abstecher haben jeweils zusätzliche Anstiege.
Gehzeit: 3 bis 3,5 Stunden ohne Abstecher.
Verlauf: Vom Parkplatz Richtung Berg links halten und dem Wegweiser „Kirchbichlrundweg/Bergfriedhof“ folgend über Stufen aufwärts. Links vorbei an der Kirche und weiter bergauf.
Oben den roten Punkten folgen und bei der nächsten Verzweigung links (Wegweiser „Kirchbichlrundweg/Skilift“). Bei weiterer Verzweigung wieder links („Kirchbichlrundweg“) und auf Forststraße abwärts. Bald rechts ab (Wegweiser „Hirschbergweg/Farchant“) und bergab ins Tal. Unten auf Teerweg rechts. Bald rechts Abstecher zur Fotografenbank möglich (30 Minuten hin und zurück). Später entweder links auf dem Teerweg bleiben (aussichtsreicher) oder rechts auf dem Heubergrundweg am Waldrand weiter (ruhiger). Später wieder auf dem Teerweg in den Ort Farchant. Über Ronetsbachstraße und Heubergweg zur Kirche und vor ihr links. An der Hauptstraße links, dann rechts auf der Bahnhofstraße Richtung Kuhflucht. Links in den Kuhfluchtweg und nach dem Parkplatz bergauf. An der Brücke links und der Beschilderung zu den Ursprüngen folgen (rechts Abstecher zum Kuhfluchtwasserfall möglich, ca. 30 Minuten hin und zurück). Nach den Ursprüngen zu einem Teerweg und auf ihm rechts bis nach Oberau.
Im Ort links über die Brücke und rechts zum Bahnübergang. Über ihn, dann rechts zum Bahnhof und links durch die Straßenunterführung. Jenseits geradeaus, am Krippenmuseum vorbei und links über die Alte Dorfstraße zum Kirchbichl zurück.

KARTE – Kompass-Karte 5, Wetterseingebirge.

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