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Imposante Szenerie: Auf dem Weg vom Wörnerkopf zur Hochlandhütte baut sich links das Karwendel auf, rechts blitzt der Wetterstein durch die Wolken, tief unten liegt Mittenwald.

Wanderung bei Mittenwald: Im Breitwandkino

Kenner wissen, dass der Bergsommer jetzt in seine fotogenste Phase gerät: erste goldgelbe Farbkleckse mischen sich ins satte Blattgrün und feine Nebelfetzen schleichen am frühen Morgen über die Täler.

Das ist der ideale Zeitpunkt für unsere kurzweilige Rundwanderung von Mittenwald über den Wörnerkopf! Steil schlängelt sich das Wegerl im Rehbergwald empor. Da kommt inmitten einer Wiese die neu erbaute Rehbergalm (1560 Meter) gerade recht. Die schmucke Hütte ist zwar unbewirtschaftet und in vielen Karten noch als „verfallen“ bezeichnet, aber sie gibt einen guten Pausenplatz her. Kurz nach der Hütte gelangt man auf die ebenen Grasflächen des Rehbergkopfs und muss sich entscheiden: entweder auf direktem Wege in etwa 45 Minuten zur Hochlandhütte oder über den langen aussichtsreichen Grat hinauf zum Wörnerkopf?

Mit nagelneuen Schildern ist der Pfad zum Wörnerkopf versehen. Dennoch ist es kein ausgetretener Wanderweg. Teilweise erkennt man nur Steigspuren. Daher sollte man besonders am steilen Aufschwung des bewaldeten Wiesenhügels „Unterer Zunterweidkopf“ aufpassen und keiner falschen Spur zu weit nach links (Nordosten) in ein Kar hinein folgen. Auf dem Grat „Oberer Zunterweidkopf“ ist die Orientierung wieder einfacher. Und da winkt schon in der Ferne das Tagesziel, der Wörnerkopf.

Auf jeden Fall lohnt am Grat ein kurzes Innehalten mit oder ohne Foto, denn plötzlich wähnt man sich in einem überdimensionalen Breitwandkino. Zur Linken schickt die wuchtige Soierngruppe ihre vielen Kämme strahlenförmig in alle Himmelsrichtungen. Zur Rechten bäumen sich die zerfurchten Charaktergipfel der Karwendelkette auf. Im Westen blinken kalkweiße Wettersteinwände in der Sonne und daneben zeigen sich die grasigen Gipfel des Estergebirges. Weit unten auf einer Grünfläche entdeckt man die Hochlandhütte.

Am Gipfelkreuz angelangt, bestaunt man endlich auch die Alpen gen Osten und den greifbar nahen und felsigen Wörner (2432 Meter). Weiter geht’s zur Hochlandhütte. Seit 32 Jahren wird sie von Irmtraud Dreßl-Kasy mit Herz geführt. Die promovierte Philosophin hat viel auf der Hütte erlebt und in ihr Buch „Hochlandlust“ (auf der Hütte erhältlich) gepackt. So auch die Erlebnisse mit dem Fuchs: das Wirtepaar saß abends mit einer Flasche Huxelrebe auf der Bank, als ein junger Fuchs neugierig herumschlich. Die tierliebe Wirtin hoffte auf ein Wiedersehen, was das schlaue Tier wohl ahnte. Bald war es Stammgast und wurde „Huxel“ genannt. Manchmal versteckte der Fuchs die Stiefel von Wanderern und schnüffelte sogar an Bierkrügen. Nur mit Rauchern wollte er nichts zu tun haben...

DORIS NEUMAYR

WÖRNERKOPF (1979 M)

ANFAHRT – A 95 München-GAP bis Autobahnende. Weiter nach GAP und auf B 2 Richtung Mittenwald. Beim Schild: „Mittenwald Nord“ rechts. Vorbei an Kasernengebäuden. Beim Schild: „ Zu den Kasernen“ links. Nach der Isarbrücke geradeaus (grünes Schild: „Hochlandhütte, Dammkarhütte“). Gleich nach der B2-Unterquerung rechts, Ww. „Hochlandhütte“. Parkplatz vor Beginn einer Forststraße (910 m). Bahn: München – Mittenwald; www.bahn.de

TOUR – Mittelschwierig, schmale Bergwege, Pfade, trotz Ausschilderung und Markierung aktuelle Gebietskarte ratsam, Orientierungssinn u. Trittsicherheit nötig, 11,5 km, 1200 Hm.; Gehzeiten: Aufstieg 3,5 Std., Abstieg 2,5 Std. Auf der Forststraße nach Süden. Vor Brücke auf Weg links bergan, Ww. „Hochlandhütte, Nr. 260“. Wenig später stößt man auf eine Forststraße. Hier links nach Norden (Achtung: nicht Ww. „Hochlandhütte“ rechts folgen – das ist der Abstiegsweg!). Auf der Forststraße nordwärts. Nach einem Bachgraben rechts, Ww. „Hochlandhütte über Rehberg, Nr. 264“, einen steilen Weg/Pfad über bewaldeten Wiesenrücken hinauf. Kleine Abzweiger ignorieren (roter Markierung folgen). Über Almwiese zur Rehbergalm (1560 m). Bei der Hütte rechts (Osten), Ww. „Hochlandhütte, Nr. 266“. Auf flacher Wiese zu Schilderbaum (Rehberg 1610 m). Nun rechts „Ww. Wörnersattel, Nr. 267“ (oder direkt zur Hochlandhütte über den Rehbergsteig, „Ww. Hochlandhütte, Nr. 266“). Der Pfad, Ww. „Wörnersattel, Nr. 267“ / „Wörnergrat“, leitet steil über einen bewaldeten Wiesenhügel empor (Unt. Zunterweidkopf, 1726 m). Nach einem Wiesensattel im Rechtsbogen (rote Markierungen) auf einen Gratrücken hinauf (Ob. Zunterweidkopf, 1836 m). Sanft ansteigend hinüber zum Gipfelkreuz des Wörnerkopfs (1979 m), auch Steinkarlkopf genannt. Vom Gipfel führt der Pfad über buckligen Wiesenkamm südwärts Richtung Wörnersattel (1989 m). Kurz vor Wörnersattel kreuzt man einen Weg. Der Weg (einige Drahtseilsicherungen) führt zur Hochlandhütte (1623 m). Hinter der Hütte auf steilem Weg durch Wald hinab, Ww. „Mittenwald, Nr. 260“, vorbei an „Ob. Kälberalm“ (1565 m). Man mündet in steilen Forstweg. Entlang am Kälberalplbach/Gassellahnbach abwärts, bis man die Aufstiegsroute kreuzt. Zurück zum Ausgangspunkt.

EINKEHR – Hochlandhütte, DAV (1623 m), ca. Ende Mai bis Mitte Okt. (wetterabh.); Tel.· 0174 / 98 97 863.

TIPP – Berggottesdienst Eustachiuskapelle am Burgberg, So., 19. Sept., ab 18 Uhr Weitere Termine: Tourist-Info Mittenwald, Telefon: 0 88 23 / 33 981; www.mittenwald.de

KARTE – Kompass-Karte 26, Karwendelgebirge.

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