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Von der Info-Tafel des Saturn aus hat man einen wunderbaren Ausblick auf das Kloster Ettal, dessen Kuppel die Sonne symbolisiert.

Ausflug ins Universum

Planetenweg: Lehrreicher Spaziergang rund ums Kloster Ettal

Kalt ist es in Ettal im Dezember meistens. Und kalt sind auch die meisten Planeten unseres Sonnensystems. Wie beides zusammenhängt? Seit kurzem gibt es im Klosterdorf einen Planetenweg, den Gymnasialschüler angelegt haben.

Die Klosterkuppel symbolisiert die Sonne

Er beginnt bei der barocken Klosterkirche mit ihrer prächtigen Kuppel, die natürlich die Sonne symbolisiert. Auf dem Weg hinaus in den Klosterhof folgen in kurzem Abstand Tafeln zu Merkur, der Venus und der Erde. Die kurzen Texte erläutern die Eigenschaften der Himmelskörper, und bei Merkur und Venus merkt man die Sonnennähe: Dort herrschen zum Teil Temperaturen über 400 Grad Celsius. Schon die Erde ist dann deutlich kühler und am Mars nach dem Klostertor bewegen sich die Temperaturen meist deutlich unter dem Gefrierpunkt. Der Weg führt dann aufwärts und oberhalb des Klosters entlang. Das Stück bis zur nächsten Tafel über den Jupiter ist deutlich länger, denn die Schüler haben die Tafeln so aufgestellt, dass die zurückgelegte Wegstrecke maßstabsgetreu der Entfernung der Planeten zur Sonne entspricht. Dass wir von der Mars- zur Jupiter-Tafel also deutlich länger unterwegs sind als zwischen „Kloster Sonne“, Venus-, Erde- und Mars-Tafel, zeigt, wie die Abstände der äußeren Planeten deutlich anwachsen. Auch unbemannte Raumsonden brauchen zum Jupiter etliche Jahre, während ein Flug zum Mars in einigen Monaten möglich ist.

Noch länger wird der Weg dann zur sechsten Planetentafel, denn der schöne Ringplanet Saturn liegt schon weit draußen in unserem Sonnensystem. Und demzufolge ist es auf ihm eiskalt: Minus 139 Grad herrschen selbst dann noch, wenn man ein wenig in die dichte Atmosphäre eintaucht. Eine echte „Oberfläche“ hat Saturn ebenso wie Jupiter und die anderen äußeren Gasplaneten übrigens nicht, nur einen vergleichsweise kleinen festen Kern tief drin in der dichten Gashülle. Die Tafel des Saturn befindet sich schon deutlich oberhalb des Klosters, auf das man schön hinabblickt. Und je nach Wetterlage kann man den Effekt beobachten, dass es hier oben am Südhang milder sein kann als im frostig-schattigen Ettaler Dorfkern. Der Planetenweg führt nun eine Weile entlang des neuen Waldlehrpfads, den ebenfalls Schüler des Benediktinergymnasiums gestaltet haben. Auf sieben Stationen erklären sie unter anderem Totholz, ein Insektenhotel und das Bergpanorama, von der Notkarspitze bis zur Klammspitze im Graswangtal. Und bald informiert auch wieder eine Planetentafel den Wanderer. Diesmal ist es der geheimnisvolle blasse Uranus, minus 200 Grad kalt und schon runde drei Milliarden Kilometer von der Sonne entfernt. Nach dem Abstieg hinunter ins Tal führt der Weg zurück in den Ort. Dort wartet mit dem äußersten Planeten Neptun die letzte Tafel. Wer von diesem blauen Gasriesen mit seinen Wirbelstürmen zur Sonne zurückblicken würde, würde sie nur mehr so groß wie einen hellen Stern erblicken. Nach diesem Ausflug in die eisigen Weiten des Sonnensystems hat man sich eine Einkehr in der Schaukäserei redlich verdient. Auch dort spielt die Kühlung eine Rolle, zum Beispiel bei der Lagerung der rund 4000 Liter Milch, die von bäuerlichen Betrieben aus der Region täglich geliefert werden. Käse und Kuchen kaufen kann man in der Schaukäserei ganztägig, doch wer bei einer Führung mitmachen oder bei der Herstellung zusehen will, sollte bereits vor der Mittagszeit da sein.

Von Christian Rauch

WANDERUNG BEI ETTAL

ANFAHRT – Ausgangspunkt ist der Parkplatz am Kloster Ettal. Ettal ist erreichbar über die A95 München-Garmisch über Oberau oder B23 aus Richtung Peiting-Oberammergau. Busverbindungen vom Bahnhof Oberammergau an der Bahnlinie Murnau-Oberammergau und vom Bahnhof Oberau an der Bahnlinie München-Garmisch. 

WANDERUNG – Gehzeit: ca. 1,5 Stunden. Forstwege und Straßen, etwas Auf- und Abstieg. Von den Parkplätzen in den Klosterhof und zur Klosterkirche. Dort beginnt der Planetenweg. Auf dem Weg hinab und zum Klostertor passiert man Tafeln zu Merkur und Venus. Im Durchgang des Klostertors eine Tafel zur Erde und eine allgemein zum Planetenweg. Durch das Tor, dahinter rechts an der Mauer die Mars-Tafel. Rechts hinauf Richtung Höhenweg und oben rechts, oberhalb des Klosters entlang. Nach der Brauerei durch ein Tor. Dort die Jupiter-Tafel. Nach dem Tor geradeaus und bald auf einen Fußweg. Links am Bach entlang aufwärts zur Saturn-Tafel. Dem Planetenweg-Wegweiser folgend rechts über den Bach, aufwärts und bald rechts ab. Entlang des Waldlehrpfads weiter. Nach der letzten Tafel an einer Kreuzung geradeaus weiter und etwas bergauf. Bald bergab und bei einem Haus rechts kurzer Abstecher zur Uranus-Tafel. Den Weg weiter bergab zu den Häusern. Unten rechts zur Bundesstraße und an dieser rechts nach Ettal zurück. Vor der Klostermauer rechts auf den Höhenweg und bergauf zur Schaukäserei. Etwas oberhalb der Käserei die Neptuntafel (Ende des Planetenwegs). Zurück und hinab zur Durchgangsstraße, an ihr rechts zu den Parkplätzen. 

TIPPS

  • 1. Langlaufen: Ettaler Runde (Einstieg unterhalb des Klosterhotels) mit Anschluss Richtung Graswang/Linderhof oder Oberammergau. Informationen: www.ammergauer-alpen.de/ettal/Schneebericht/
  • 2. Schaukäserei: Täglich geöffnet (bis auf Heiligabend und die Weihnachtsfeiertage) von 10 bis 17 Uhr, Montag Ruhetag (in den bayerischen Ferienzeiten kein Ruhetag). Präsentationen an Werktagen um 11 Uhr. T.: 0 88 22 / 92 39 26; Information: www.schaukaeserei-ettal.de/oeffnungszeiten/
  • 3. Kloster Ettal und Brauereimuseum Führungen Basilika, Klosterdestillerie, Klosterbrauerei und Brauereimuseum mit Anmeldung möglich. Informationen: www.klosterbrauerei-ettal.de/museum/

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