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Bei dieser Bergtour muss man unbedingt schwindelfrei sein.

Trittsicher beim Tiefblick

Sonnjoch: Anspruchsvolle Rundtour im Karwendelgebirge

Nein, zu übersehen ist das Sonnjoch nicht. Wie ein riesiger felsiger Klotz sticht der 2457 Meter hohe Karwendelberg ins Auge, wenn man den Blick vom südlichen Ende des Achensees über Pertisau hinweg ins Falzthurntal schweifen lässt.

Das ist aber nur die eine Seite vom Sonnjoch. Wer sich auf eine anspruchsvolle Rundtour macht, lernt gleich mehrere Gesichter dieses äußerst lohnenden Aussichtsbergs kennen. Rauf über den Bärenlahnersattel, runter über den Hochleger der Gramaialm: So lautet die Kurzformel für die insgesamt sechsstündige Bergtour (ohne Pausen) mit 1200 Höhenmetern und kurzen, etwas ausgesetzten Kletterstellen im ersten Schwierigkeitsgrad. Wobei das Aufwärmprogramm sich moderat anlässt.

Bei einem Weiderost im Falzthurntal beginnt die Tour mit dem Aufstieg zum Bärenlahnersattel, der sich auf normalen Bergpfaden in rund zwei Stunden unschwierig erreichen lässt. Wer sehr früh unterwegs ist, wird auf dem Steig zum Bärenlahnersattel vielleicht sogar Gämse aus nächster Nähe beobachten können. Und oben, am Sattel, gibt es gleich mehrere Dinge zu sehen: rechter Hand den spektakulären Steilaufschwung zur Schaufelspitze, geradeaus (also auf der anderen Seite) den Tiefblick in die Eng. Und, wenn man vorsichtig ein bisschen das Plateau des Sattels erkundet: Hier wächst Edelweiß!

Für das letzte Stück der Tour bedarf es höchster Konzentration. An mehreren Stellen sind Kletterpassagen zu meistern.

Nach Schau-, Trink- und Verschnaufpause beginnt nun jener Teil der Tour, welcher höchster Konzentration bedarf. Der Steig hinauf zum Gipfel ist nämlich bisweilen ausgesetzt und etwas bröselig, zieht im oberen Teil ein wenig hinaus in die Nordostflanke, wo hoch überm Falzthurntal an mehreren Stellen Kletterpassagen zu meistern sind. Absolute Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind hier Pflicht! Taucht endlich ein kleines Steinmandl mit Wegweiser auf, ist dieser Part fast geschafft – zum Gipfelkreuz sind es nun nur noch wenige Minuten. Insgesamt dreieinhalb Stunden dauert der Aufstieg über den Bärenlahnersattel, und wer unterwegs weder Nerven noch Muße hatte, die Aussicht zu genießen, dem bietet sich dazu auf dem großzügigen Gipfelplateau vielfältige Gelegenheit. Auf der einen Seite blinzelt tief unten der Achensee hervor, auf der anderen bauen sich die mächtigen Karwendelgemäuer von der Lamsen- bis zur Birkkarspitze auf. Eng und Großer Ahornboden wirken wie aus der Flugzeugperspektive, dazu die Frontalblicke auf Gamsjoch (westlich) und Schaufelspitze (nördlich).

Im Abstieg auf dem Normalweg zeigt das Sonnjoch ein ganz anderes Gesicht. Gehtechnisch zahmer, landschaftlich ein Kontrastprogramm zum Gipfelnamen bietend: Das Gelände mit feinem Geröll und Schutt wirkt mondähnlich. Mit dem spektakulären Tiefblick in die Schafrinne (2105 Meter) endet die Mondlandschaft, nun erobert wieder Grün den Wegesrand. Am Gramaialm-Hochleger lässt es sich wunderbar einkehren und noch einmal das alpine Ambiente aufsaugen – danach windet sich der Weg, zunehmend waldiger werdend in den Gramaier Grund hinunter, wo der übliche Trubel an der Graimaialm das Ende der Tour einläutet: 20 Minuten Fußmarsch talauswärts, dann ist der Ausgangspunkt erreicht.

von Martin Becker

Sonnjoch (2457 Meter)

Anfahrt - Entweder über Bad Tölz auf der B 13 zum Sylvensteinsee und dort weiter in Richtung Achenkirch zum Grenzübergang unterhalb den Achenpasses. Oder via Tegernsee auf der B 307 über den Achenpass zum Grenz- übergang. Von über Maurach nach Pertisau am Südende des Achsensees. In Pertisau zur Mautstelle, hinter der die Karwendeltäler beginnen, und dann die erste Fahrstraße nach links ins Falzthurntal nehmen. Der Einstieg in die Tour befindet sich auf 1190 Metern Höhe nach ca. 4 Kilometern (ab Mautstelle), gelbe Markierungsschilder (Bährenlahnersattel). Parkmöglichkeiten rechts der Straße an einem Weiderost (GPS-Wegpunkt: N47 24.978 E11 37.611).

Tour - Ein gut markierter Pfad führt zunächst sanft ansteigend ins Bärental und dann in steileren Serpentinen in den 1994 Meter hoch gelegenen Bährenlahnersattel zwischen Sonnjoch (links) und Schaufelspitze (ca. 2 Stunden). Hier beginnt der ernste Teil der Tour: Vom Sattel zweigt der später teils ausgesetzte Steig nach Süden (links) ab und führt in 1,5 Stunden mit kurzen Kletterstellen (erster Schwierigkeitsgrad UIAA) zum Gipfel. Abstieg: Vom Sonnjochgipfel nach Westen zunächst den Gipfelrücken entlang, dann in feinem Geröll und Schutt hinab. Durch Latschen und über Wiesen geht’s in den Gramaier Kessel und nun südöstlich auf gemütlichem Bergpfad zum Gramaialm-Hochleger. Von dort auf einem Wanderweg hinunter in den Grameier Grund und, vorbei an der stark frequentierten Gramaialm (Niederleger), auf der Fahrstraße talauswärts in 20 Minuten zurück zum Ausgangspunkt. Gehzeiten: Aufstieg: 3,5 Stunden; Abstieg: 2,5 Stunden (1250 Höhenmeter).

Einkehr - Graimaialm, Familie Adi & Gabi Rieser, A-6213 Pertisau, Naturpark Karwendel, Tel.: 0043/5243/5166 E-Mail: info@gramaialm.at.

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