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Idyllisch und entspannend: Einkehr im Hohenkastner Biergarten.

An Geschichten reiche Wanderung südlich von Seeshaupt

Um den Drumlin herum

Sie sind schön, keine Frage. Aber am Wochenende überlaufen: die Osterseen südlich von Seeshaupt. Doch nur einen Katzensprung entfernt – auf der Rundtour von Hohenkasten nach Hohenberg – trifft man auf nur wenige Wanderer.

Dabei ist die Szenerie ebenso prächtig, geprägt von den Hinterlassenschaften der Eiszeit. Und eine glaziale Besonderheit zudem: das Eberfinger Drumlinfeld zählt zu den schönsten seiner Art in ganz Deutschland.

Wie diese schachbrettartig angeordnete Hügellandschaft genau entstanden ist, wird den Einheimischen vor über 550 Jahren ziemlich egal gewesen sein, als sie an einer kleinen Erhebung am Südende einen Bauernhof errichteten. Darüber, dass der wunderbare Zugspitzblick ausschlaggebend war, kann man hingegen spekulieren. Belegt ist jedenfalls, dass der Ehardsberger Hof das Zehntel seiner Ernte zunächst ans Kloster Ettal und von 1471 ans näher gelegene Kloster Benediktbeuern abgeben musste. Im Jahre 1612 errichteten die Benediktiner in Erhardsberg ein Kastenamt, was aufgrund der exponierten Lage zur Umbenennung in Hoher Kasten und später Hohenkasten führte. Das Kastenamt bestand aus einem großen Stadel für die Heulagerung, sowie aus einem Kornkasten fürs Getreide.

Den umliegenden Bauern kam das Zwischenlager sehr gelegen. Ihr Getreide, Heu und Stroh wurde gesammelt und von Fuhrleuten des Klosters abgeholt. Gleichzeitig wurde Hohenkasten als Einkehr bei Fuhrleuten, Bauern und Durchreisenden beliebt... Bevor man einkehrt, wollen die besonders empfehlenswerten Bärlauchknödel allerdings mit einer Rundtour in die oberbayerische Eiszerfallslandschaft verdient sein.

Schon nach einer knappen halben Stunde erreichen wir den Streitberger Weiher, der – da die angrenzende Wiese in Privatbesitz ist – zwar keine Badegelegenheit, dafür aber sehr schöne Ausblicke auf die Benediktenwand zu bieten hat. Über den Roormoser Weiher geht es weiter zu einer Waldkapelle, wie sie einsamer nicht liegen kann.

Eine historische Kugel schieben

Als einziges Überbleibsel des ehemaligen Ortes Pollingsried erinnert der Sakralbau an die harte Zeit nach dem deutsch-französischen Krieg. Ab 1871 ist die Wirtschaftslage der Bauern so ernst, dass nicht nur einzelne Höfe verschwinden, sondern ganze Dörfer abgebrochen werden. Nach dem zweiten Weltkrieg wiederum dient – dem Mitgefühl Philipp von Thurn und Taxis sei dank – das unweit gelegene Schloss Hohenberg unzähligen Flüchtlingen als Refugium. Seine Nachkommen hegen hingegen kein Interesse an fremden Ankömmlingen, und so erwartet einen zwar keine Schlossbesichtigung, dafür aber ein Zwischenstopp in der Schlossgaststätte. Wer einen „Kranz“ oder gar einen „König aus den Vollen“ zu schieben weiß, sollte dort Zeit für eine Partie auf der historischen Holzkegelbahn einplanen.

Auf dem letzten Wegstück zurück nach Hohenkasten wird schließlich die Frage geklärt, was denn überhaupt so ein Drumlin ist. Denn kurz hinter dem Weiler Eichendorf wandert man parallel an einem wahren Prachtexemplar entlang. Mit eigenen Augen kann man nachvollziehen, was die Geografie als „subglazialen Stromlinienkörper“ bezeichnet: Drumlins sind lang gestreckte Hügel von elliptischem Grundriss, die immer in größeren Gruppen auftreten und vom fließenden Eis abgelagert wurden. Das Wort „Drumlin“ stammt vom irischen „druim“, was soviel wie schmaler Rücken bedeutet. Über die genaue Entstehung der Hügel reden sich die Eiszeitforscher nach wie vor die Köpfe heiß. Einigkeit besteht darin, dass die Formung unter dem Gletschereis durch verminderte Eisgeschwindigkeit in der inneren Randzone eines Gletschers erfolgte. Dabei wurde vermutlich Moränenmaterial vom Schmelzwasser in Hohlräume von Gletscherspalten gespült und abgelagert. Zunächst mag es überraschen, dass die Drumlins an der Stoßseite des ehemaligen Gletschers steil, auf der dem Eis abgewandten Seite hingegen flach sind. Doch wie Regentropfen gehen Drumlins den Weg des geringsten Widerstand. Auch Wasser passt sich beim Fallen durch die Luft so an, dass es einen möglichst geringen Widerstand erzeugt. Und bildet die typische Tropfenform mit der stumpfen Seite nach unten aus.

Bleibt nur zu hoffen, dass im Hohenkastner Biergarten solche Geschosse nicht den Weg in die Apfelschorle finden!

Von Michael Pröttel

Hohenkasten / Hohenberg

Anfahrt:

A 95 München-GAP, Ausfahrt Iffeldorf. Durch den Ort hindurch – nicht gleich im Ortskern nach links Richtung „Antdorf“ abbiegen! – und über Steinbach in Richtung Antdorf. Kurz vor Antdorf mündet von rechts eine Straße ein, der man nach rechts in Richtung „Weilheim/ Eberfing“ folgt. Nach 5 Km. erreicht man Hohenkasten.

Route:

Vom Gasthof Mayr folgt man kurz der Straße nach Süden und biegt dann links in einen Wiesenweg ab (Schild „9“ an Baum). Über diesen geht man auf den Wald zu, stößt auf eine Forststraße. Hier rechts. Gleich danach stößt man auf eine weitere Forststraße und folgt dieser links (Schild Lauterbach). Nachdem man eine Stromleitung unterquert hat, biegt man an der zweiten Möglichkeit (nach einem Bächlein) rechts ab. An einer Wegkreuzung hält man sich links und wandert oberhalb des Streitberger Weihers weiter und durch den gleichnamigen Weiler hindurch (weiter der „9“ folgen). Beim Rohrmosser Weiher geht man an Gabelung erst rechts, dann gleich wieder links (also nicht mehr Richtung „Lauterbach“). Es geht nun in nordwestliche Richtung weiter. Man geht gerade über eine Wegkreuzung und erreicht bald die etwas rechts vom Weg gelegene Waldkirche Pollingsried. Vor deren Südportal beginnt ein zum Teil etwas zugewachsener Weg, der halbrechts nach Nordosten leicht bergab führt und nach etwa 500 Metern auf einen Fahrweg stößt, dem man rechts folgt. Man wandert aus dem Wald heraus und an einer Wiese entlang. An deren Ende links und gleich wieder links. Man folgt nun immer der Beschilderung „Hohenberg“ erst ansteigend, dann wieder flach zur gleichnamigen Schlossgaststätte. Direkt davor geht man nach links und folgt einer Allee zur Autostraße. Dieser muss man 600 Meter nach rechts (Westen) folgen und zweigt dann links Richtung „Eichendorf/Hohenkasten“ ab. Auf einem Teerweg geht es durch Eichendorf hindurch und dahinter auf den Wald zu. Im Wald geht man einer Wegkreuzung geradeaus und folgt immer der Forststraße nach Süden. Diese macht zuletzt eine Kurve nach links. Kurz danach steht man an der Einmündung des Wiesenweges vom Touranfang und geht somit rechts zurück nach Hohenkasten. Länge ca. 8 Km. Start/ Ziel: Hohenkasten.

Einkehr:

Schlossgaststätte Hohenberg – Mi. Ruhetag; Gasthof Mayr, Hohenkasten – Sa, So, Fei geöffnet.

Tipp:

Schaugarten Seeshaupt in der Bahnhofsstraße 40. Gerade jetzt Ende Mai zeigen sich viele Pflanzen von ihrer farbenfrohesten Seite. Der Eintritt ist frei, es wird um Spenden gebeten.

Infos:
www.seeshaupter-schaugarten.de

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